Amazon verschärft die Durchsetzung seiner Rückkehr-ins-Büro-Regelung mit einem Dashboard, das Führungskräften zeigt, welche Mitarbeitenden kaum Zeit vor Ort verbringen. Es ist ein leiser, aber deutlicher Schritt hin zu einer strengeren Kontrolle der Präsenzarbeit und der Art und Weise, wie Produktivität gemessen wird.
Ein von Business Insider eingesehenes internes Dokument besagt, dass das Tool Führungskräften direkten Einblick in die Anwesenheitsmuster der gesamten Belegschaft in Amazons Unternehmensbereichen gibt.
Wie aus einem einfachen Scan ein Leistungssignal wird
Amazons Dashboard führt jeden Ausweisscan in einer Zeitleiste über acht Wochen zusammen, die zeigt, wie oft die Mitarbeitenden ins Büro kommen und wie lange sie bleiben. Führungskräfte können tägliche Muster auf einen Blick sehen; die Daten werden jeden Nachmittag aktualisiert. Das System ordnet die Beschäftigten automatisch Kategorien wie „wenig Zeit“ und „null“ Ausweise zu – ebenso wie Personen, die häufig Gebäude betreten, denen sie nicht zugewiesen sind.
Dem Dokument zufolge sollen diese Bezeichnungen Personen identifizieren, die deutlich von Amazons Erwartungen an die Anwesenheit im Büro abweichen. Führungskräfte werden jedoch angewiesen, vor weiteren Maßnahmen ihr eigenes Urteil zu nutzen. Routinemäßige Ausweisscans dienen nun zugleich als eindeutige Anzeigetafel für die Anwesenheit im Büro.
Von sanften Anstupsern zu strenger Kontrolle
Amazons Anwesenheitsregelung wurde nicht auf einmal verschärft.
Zunächst stützte sich das Unternehmen auf anonyme, aggregierte Daten, um die Aktivität in den Büros einzuschätzen. Das änderte sich, als es begann, Mitarbeitende einzeln zu erfassen und diese Aufzeichnungen mit Führungskräften zu teilen. Kurz darauf folgte das Vorgehen gegen das sogenannte „Coffee-Badging“: Die Teams wurden darüber informiert, dass ein kurzer Scan und ein kurzer Aufenthalt nicht auf die Erwartungen an die Anwesenheit im Büro angerechnet würden, sofern die Mitarbeitenden keine Mindestzahl an Stunden erfassten.
Die Änderung stieß bei Beschäftigten auf Widerstand. Sie erklärten, die neuen Regeln vermittelten ihnen eher das Gefühl, überwacht als unterstützt zu werden. Dennoch setzte das Unternehmen die Messlatte weiter höher, während es sich für die meisten Mitarbeitenden in den Unternehmensbereichen auf einen Fünf-Tage-Rhythmus zubewegte.
Die Sichtweise auf der anderen Seite des Ausweises
Als Amazon 2024 erstmals seine Vorgabe zur Rückkehr an fünf Tagen ins Büro ankündigte, ergab eine interne Umfrage, dass 73 % der Mitarbeitenden über eine Kündigung nachdachten, berichtete CNBC. Das war eine deutliche Reaktion und zeigte, wie angespannt sich der Wechsel bereits anfühlte. Zwei Jahre später führt das Unternehmen eine noch strengere Erfassung der Anwesenheit ein.
Und wenn die Beschäftigten damals unzufrieden waren, deutet die umfassendere Datenlage darauf hin, dass sich die Stimmung nicht gebessert hat. Landesweite Umfragen zeigen, dass 64 % der Beschäftigten in den USA die Arbeit im Homeoffice bevorzugen oder hybride Arbeitsmodelle einer vollständigen Rückkehr ins Büro vorziehen.
Unter denjenigen, die bereits remote arbeiten, ist diese Haltung sogar noch stärker ausgeprägt. 64 % sagen, sie würden kündigen oder sich nach einer anderen Stelle umsehen, wenn sie gezwungen wären, jeden Tag zur Arbeit vor Ort zu erscheinen. Für Arbeitgeber hat der Trend zudem zwei Seiten: 76 % berichten von einer besseren Mitarbeiterbindung, wenn sie Remote-Optionen anbieten.
Umfrage um Umfrage zeigt, dass Beschäftigte zu flexibler Arbeit tendieren – eine Entwicklung, die nicht zu dem härteren Kurs passt, für den sich Amazon entscheidet.
Neue Daten des World Economic Forum zeichnen einen turbulenten Arbeitsmarkt nach , der von KI-getriebenem Personalwechsel geprägt ist.


