Elon Musk steht erneut im Zentrum eines digitalen Sturms.
Am Mittwoch veröffentlichte Musk ein kurzes, KI-generiertes Video auf seiner X-Plattform. Der Clip zeigt eine Frau, die unverkennbar wie die Schauspielerin Sydney Sweeney aussieht und in einem Raumschiff steht. Die digitale Sweeney dreht sich zu einer männlichen KI-Figur um und sagt: „Lass mich das also richtig verstehen. Grok-Videos sind jetzt 10 Sekunden lang, und der Ton ist deutlich besser?“
Ihr Gegenüber antwortet: „Ja, so ziemlich … Gefällt es dir?“ Musks Bildunterschrift war eine schlichte technische Erfolgsmeldung: „Grok video ist jetzt 10 Sekunden lang und der Ton ist deutlich besser.“
Der Clip wurde nicht direkt von Musk erstellt. Er stammt vom X-Nutzer Alex Patrascu, der den detaillierten Text-Prompt teilte, mit dem er erstellt wurde. Die Anweisungen verlangten einen „Live-Action-Look“, eine „wackelige Handkamera“ und einen bestimmten Dialog, enthielten jedoch bemerkenswerterweise nicht den Namen Sydney Sweeney.
Das hat umgehend Fragen dazu aufgeworfen, wie und warum das xAI-System eine so spezifische Ähnlichkeit mit der Euphoria-Schauspielerin erzeugt hat, obwohl ihr Name nicht angegeben wurde, und Debatten über Kontrolle und Absicht innerhalb dieser KI-Tools.
Ein Muster der Kontroverse
Der Beitrag erscheint nur wenige Wochen, nachdem Musk heftige Kritik einstecken musste für einen früheren Beitrag über Sweeney. Im Dezember reagierte er auf ein Video der Schauspielerin auf einem roten Teppich, indem er ein KI-generiertes Bild in vier Feldern teilte.
Die oberen Felder waren mit „So sieht es aus“ beschriftet, die unteren mit „So fühlt es sich an“; eines der Bilder zeigte eine Person mit Rückenschmerzen. Musk versah es mit der Bildunterschrift, „Kann nicht einfach sein“, und erntete damit breite Kritik für seinen Kommentar über den Körper der Schauspielerin.
Dieser Kontext hat die Reaktion auf diese neue, scheinbar harmlose Technologiedemonstration geprägt; viele sehen darin eine weitere nicht genehmigte Verwendung von Sweeneys Abbild.
Das größere Problem: Der wachsende rechtliche Druck
Der virale Moment lenkt die Aufmerksamkeit auf Grok Imagine, xAIs Text-zu-Video-Tool, das bereits einer intensiven rechtlichen Prüfung unterliegt. Das Tool wurde im vergangenen Sommer eingeführt und verfügte über einen „Spicy“-Modus, der die Erstellung von nicht jugendfreien Inhalten erlaubte.
Nun ziehen die Behörden die Schlinge enger. Der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta kündigte eine Untersuchung zur „Verbreitung nicht einvernehmlich erstellten sexuell expliziten Materials“ an, das von Grok generiert wurde.
In einer Pressemitteilung erklärte Bonta: „Die Lawine an Berichten über das nicht einvernehmlich erstellte, sexuell explizite Material, das xAI in den vergangenen Wochen produziert und online veröffentlicht hat, ist schockierend.“
Als Reaktion darauf erklärte der Safety-Account von X, es werde „in Rechtsordnungen per Geoblocking sperren, in denen solche Inhalte illegal sind, dass alle Nutzer an diesen Orten Bilder realer Menschen in Bikinis, Unterwäsche und ähnlicher Kleidung generieren können.“ Allerdings CBS News stellte fest, dass die „Plattform es Nutzern noch in dieser Woche ermöglichte, Menschen ohne deren Einwilligung digital zu entkleiden“.
Der Druck nimmt weiter zu: Die Europäische Union hat ebenfalls eine neue Untersuchung eingeleitet. Die Europäische Kommission erklärte, sie werde prüfen, ob X gegen den Digital Services Act verstoßen hat, indem das Unternehmen Risiken „im Zusammenhang mit dem Einsatz der Funktionen von Grok“ nicht angemessen eingedämmt habe, darunter die Verbreitung „manipulierter sexuell expliziter Bilder“.
Die zentrale Debatte: Einwilligung im KI-Zeitalter
Über die rechtlichen Auseinandersetzungen hinaus hat Musks Beitrag in den sozialen Medien eine umfassendere, einfachere Debatte entfacht: Sollte das Gesicht eines Prominenten in KI-Videos ohne dessen Einwilligung verwendet werden?
Während einige Nutzer den technologischen Sprung bestaunten, äußerten viele andere Bedenken wegen der fehlenden Einwilligung, der möglichen Verwechslung von echten und synthetischen Medien sowie des Fehlens klarer Regeln für digitale Abbilder.
Das unterstreicht die wachsende Forderung nach Transparenz, eindeutiger Kennzeichnung und aktualisierten Gesetzen für eine Zeit, in der sich das Gesicht jedes Menschen mit wenigen Textwörtern digital nachbilden lässt.
Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gab es weder von Vertretern Sydney Sweeneys noch von X einen öffentlichen Kommentar zu dem jüngsten viralen Video.
Ebenfalls im Trend: Eine Indie-Band behauptet, eine KI-Version ihres Billie-Eilish-Covers sei online veröffentlicht worden, bevor das Original erschien – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie kreative Arbeit von KI vereinnahmt wird.


