Der Boom bei KI-Rechenzentren könnte auf der Erde an seine Grenzen stoßen: Google prüft Berichten zufolge eine Partnerschaft mit SpaceX, um Rechenzentren in den Orbit zu bringen – als Teil seines ambitionierten Moonshot-Projekts Project Suncatcher.
Der Suchmaschinenriese stellte sein Moonshot-Projekt Ende vergangenen Jahres vor. Es sieht dicht beieinander angeordnete, solarbetriebene Satelliten vor, die über optische Verbindungen miteinander kommunizieren. Die Daten würden von diesen Satelliten auf die Erde übertragen, was dank der Verfügbarkeit kostenloser Solarenergie potenziell deutlich geringere Kosten ermöglichen könnte.
Google erklärte, es plane für das kommende Jahr einen ersten Prototypen fertigzustellen, um zu testen, wie sich die Technologie in einem niedrigen Orbit bewährt. Das Unternehmen ist eine Partnerschaft mit Planet Labs zum Bau der Satelliten eingegangen und scheint nun SpaceX mit dem Start der Nutzlast zu beauftragen, wie Bloomberg.
Ein neues Geschäftsfeld für SpaceX: Rechenzentren im All
SpaceX ist zwar ein Konkurrent im KI-Bereich, nachdem xAI im Februar in das Unternehmen integriert wurde, zugleich aber der dominierende Startanbieter für jedes ernsthafte Projekt im Bereich der orbitalen Infrastruktur. Das Unternehmen scheut auch die Zusammenarbeit mit Rivalen nicht und hat kürzlich eine Vereinbarung mit Anthropic zur Nutzung seiner Rechenzentren geschlossen.
Der Start orbitaler Rechenzentren war ebenfalls einer der zentralen Punkte, die SpaceX-CEO Elon Musk bei der Zusammenlegung der beiden Unternehmen anführte. Seiner Einschätzung zufolge könnte SpaceX diese Rechenzentren deutlich günstiger als die Konkurrenz ins All bringen und von den niedrigeren Kosten für Rechenleistung profitieren. Das Unternehmen könnte Rechenzentrumskapazitäten außerdem an andere verkaufen – ähnlich wie bei dem Dienst, den es mit Starlink anbietet, allerdings im Maßstab von Unternehmen.
Dies könnte die Bewertung von SpaceX weiter in die Höhe treiben, die zum Börsengang Berichten zufolge auf 1,75 Billionen US-Dollar festgesetzt werden soll. Zuletzt wurde das Unternehmen bei der Fusion mit xAI mit 1,25 Billionen US-Dollar bewertet.
Seit November 2025, als Project Suncatcher erstmals angekündigt wurde, hat sich der Hype um KI weiter verstärkt. Die jüngsten Modellstarts von Anthropic, OpenAI und Meta erhielten allesamt Lob für ihre Leistungsfähigkeit. Das wiederum hat zu weiteren Preisspekulationen entlang der gesamten Rechenzentrums-Wertschöpfungskette geführt und Rechenleistung außerhalb der Erde attraktiver gemacht als noch vor wenigen Monaten.
Dennoch ist es teuer, Rechenzentren ins All zu bringen. In seiner ursprünglichen Analyse erklärte Google, die Startpreise könnten bis Mitte der 2030er-Jahre dank Fortschritten bei der Zuverlässigkeit und Wiederverwendbarkeit von Raketen auf 200 US-Dollar pro Kilogramm sinken. Und damit wären die Rechenzentren erst im All. Dort könnten der Dauerbetrieb, der Schutz vor Strahlungsspitzen und Reparaturen allesamt zusätzliche Wartungskosten verursachen.
Jenseits der Erde – oder jenseits des Festlands?
Google, SpaceX und andere arbeiten an einigen dieser Probleme, und die ersten Prototypen dürften zahlreiche Daten zu den bevorstehenden Herausforderungen liefern.
Unterdessen richten andere den Blick auf das Meer als mögliche Alternative für Rechenzentren. Dadurch könnten Kosten für Grundstücke und Kühlung entfallen und zugleich eine weitere erneuerbare Energiequelle genutzt werden: Wind. Der Offshore-Windkraftentwickler Aikido Technologies und Shanghai HiCloud Technology, unterstützt von der chinesischen Regierung, arbeiten beide an Prototypen.
Der Vorstoß hin zu Rechenleistung jenseits der Erde erfolgt auch zu einem Zeitpunkt, an dem SpaceX durch erdnahe Geschäfte seinen Einfluss auf die KI-Wirtschaft ausbaut – darunter die Berichten zufolge laufenden Partnerschaftsgespräche mit Anysphere, dem Entwickler von Cursor.


