Ein massiver Stromausfall hat am Samstag in San Francisco offengelegt, wie autonome Fahrzeuge mit dem Ausfall städtischer Infrastruktur umgehen. Ein Brand in einer Umspannanlage von Pacific Gas and Electric (PG&E) legte die Stromversorgung für fast ein Drittel der Stadt lahm, setzte Hunderte Ampeln außer Betrieb und löste weitreichende Verkehrsstaus aus.
Waymo, die auf autonomes Fahren spezialisierte Sparte von Alphabet, erklärte, das Ausmaß der Störung habe Teile seines Systems überfordert. Das Unternehmen musste seinen Robotaxi-Dienst pausieren und die Fahrzeuge von den Straßen holen.
„Das Ausmaß des Stromausfalls und die schiere Zahl der ausgefallenen Ampeln waren die Hauptursachen für den stadtweiten Verkehrskollaps“, schrieb Waymo in einem Blogbeitrag vom 23. Dezember.
Waymo-Fahrzeuge sind so programmiert, dass sie dunkle Ampeln wie Kreuzungen mit Vier-Stopp-Regel behandeln. Während des Stromausfalls am Samstag (20. Dezember) stieg die Zahl der Kreuzungen ohne Strom jedoch weit über das hinaus, was das System normalerweise bewältigt.
„Obwohl wir am Samstag erfolgreich mehr als 7.000 dunkle Ampeln passiert haben, führte der Stromausfall zu einem konzentrierten Anstieg solcher Anfragen“, erklärte Waymo. „Dadurch entstand ein Rückstau, der in einigen Fällen zu Verzögerungen bei den Reaktionen führte und die ohnehin bereits überlasteten Straßen zusätzlich verstopfte.“
In sozialen Medien verbreitete Videos zeigten Gruppen von Waymo-Fahrzeugen, die an Kreuzungen mit ausgefallenen Ampeln standen und so zu einem sichtbaren Symbol der stadtweiten Störung wurden. Als sich die Lage verschärfte, riet das San Francisco Department of Emergency Management den Einwohnern, zu Hause zu bleiben, während Polizei und Feuerwehr eingesetzt wurden, um wichtige Kreuzungen manuell zu regeln.
Waymo pausiert Dienst, um Verkehrsstaus zu verringern
Da die Straßen bereits überlastet waren und Einsatzkräfte sich ungehindert bewegen mussten, setzte Waymo seinen Betrieb vorübergehend aus.
„Wir wiesen unsere Flotte an, rechts heranzufahren und ordnungsgemäß zu parken, damit wir die Fahrzeuge in Wellen zu unseren Depots zurückbringen konnten“, schrieb Waymo. „So stellten wir sicher, dass wir die Verkehrsstaus nicht noch verstärkten und Einsatzfahrzeuge während des Höhepunkts der Wiederherstellungsmaßnahmen nicht behinderten.“
Bürgermeister Daniel Lurie bestätigte später, dass die Stadtverwaltung während des Stromausfalls in direktem Kontakt mit dem Unternehmen stand. Auf einer Pressekonferenz am Montag sagte Lurie: „Ich habe den Waymo-CEO angerufen und ihn gebeten, die Fahrzeuge sofort von der Straße zu holen. Sie zeigten großes Verständnis. … aber wir müssen von ihnen proaktiveres Handeln verlangen“, berichtete der San Francisco Chronicle.
Software-Updates und Änderungen für Notfälle
Waymo weist darauf hin, dass das Unternehmen als Reaktion bereits Änderungen auf Grundlage der Erkenntnisse aus dem Stromausfall vornimmt.
Das Unternehmen erklärt, es führe Software-Updates ein, die Fahrzeugen mehr Informationen über regionale Stromausfälle liefern und ihnen ermöglichen, Kreuzungen entschlossener zu navigieren, wenn Ampeln ausfallen. Zudem überarbeitet Waymo seine Notfallpläne und stimmt sich enger mit den Behörden von San Francisco ab.
„Wir haben uns stets darauf konzentriert, den Waymo Driver für die Welt zu entwickeln, wie sie ist – auch für den Fall, dass die Infrastruktur ausfällt“, erklärte das Unternehmen.
Waymo erklärte außerdem, die Schulungen für Einsatzkräfte weiter auszubauen. Nach Angaben des Unternehmens wurden weltweit bereits mehr als 25.000 Einsatzkräfte im Umgang mit seinen Fahrzeugen geschult.
Der Vorfall hat die Aufsichtsbehörden auf den Plan gerufen. Die California Public Utilities Commission bestätigte, dass sie die Fälle untersucht, in denen Fahrzeuge stehen blieben, berichtete Reuters. Dies geschieht nur wenige Wochen, nachdem Waymo einen separaten Software-Rückruf im Zusammenhang mit dem Verhalten seiner Fahrzeuge gegenüber Schulbussen in Texas angekündigt hatte.
Die Fahrdienstvermittler Uber und Lyft haben bestätigt, Robotaxis in der britischen Hauptstadt zu testen, wobei sie sich bereits im kommenden Jahr mit dem chinesischen Techunternehmen Baidu zusammentun wollen, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung.


