Vor der Pandemie hatte niemand von der Great Resignation gehört, die das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bei vielen Jobs grundlegend veränderte. Wer Talente sucht und Mitarbeiter einstellt, möchte die effektivsten Werkzeuge auf seiner Seite haben, denn das Klischee „gute Leute zu finden, ist schwierig“ ist inzwischen so wahr, dass es schmerzt.
Künstliche Intelligenz kann bei optimalem Einsatz in der Personalgewinnung eine leistungsstarke Hilfe sein, bei falscher Anwendung jedoch auch für reichlich Chaos sorgen.
Werfen wir einen Blick auf fünf konkrete Einsatzmöglichkeiten für KI und darauf, wie sie die Arbeit in einem der schwierigsten Einstellungsjahre überhaupt erleichtern kann.
1) Effizienz in einer Remote-Umgebung steigern
Laut einer Umfrage von 2021 des Enterprise Technology Research unter nordamerikanischen CIOs wird sich der Anteil dauerhaft remote arbeitender Beschäftigter bis zum Jahresende gegenüber dem Niveau vor der Pandemie verdoppeln – von 16,4 % auf 34,4 %.
Da Recruiter und Bewerber an unterschiedlichen Orten und in verschiedenen Zeitzonen remote arbeiten, ist es wichtiger denn je, dass die Prozesse reibungslos ablaufen und klar festgelegt ist, wer für welche Aufgaben zuständig ist.
KI kann dabei helfen, diese neue Arbeitsrealität zu bewältigen: Sie kann Benachrichtigungen versenden, sobald eine Aufgabe für ein neues Teammitglied bereitsteht, zentrale Posteingänge für die SMS-Kommunikation mit Bewerbern verwalten oder interne Datenbanken nach Möglichkeiten für einen unternehmensinternen Einsatz durchsuchen. Die Möglichkeiten sind vielfältig, drehen sich aber allesamt um Effizienz und Klarheit!
2) Erkenntnisse für Recruiting-Teams vertiefen
Herkömmliche Recruiting-Technologie leistet gute Arbeit dabei, Bewerbungen nach Lebensläufen und Anschreiben mit relevanten Schlüsselwörtern zu durchsuchen. Das ist bei Einstellungen in großer Zahl hilfreich, kann aber hervorragende Bewerber mit ungewöhnlichen Karrierewegen ausschließen.
Ein Restaurantleiter verfügt beispielsweise wahrscheinlich über viele der für eine Vertriebsposition erforderlichen Fähigkeiten, könnte aber von herkömmlicher Technologie übersehen werden, die nicht in der Lage ist, übertragbare Kompetenzen und Erfahrungen zu erkennen.
Anstatt auf Grundlage von Schlüsselwörtern lediglich mit Ja oder Nein zu entscheiden, nutzt KI Data Science und das Feedback des TA-Teams, um mithilfe von Job-Matching-Scores tiefere Erkenntnisse zu liefern und relevante – manchmal unerwartet passende – Bewerber sichtbar zu machen. Mit diesen Informationen können Recruiter und Einstellungsverantwortliche strategischere Personalentscheidungen treffen, die die Einzigartigkeit jedes Bewerbers berücksichtigen und Menschen eben wie Menschen behandeln!
3) Kommunikation verbessern
Eine der häufigsten Beschwerden von Bewerbern über den Recruiting-Prozess ist die mangelnde Kommunikation. Eine Umfrage von Talent Board aus dem Jahr 2020 ergab, dass 63 % der Bewerber die Kommunikation von Arbeitgebern während des Recruiting-Prozesses als unzureichend empfinden.
Hinter den Kulissen des Unternehmens kann viel passieren – die Vorauswahl von Lebensläufen, Gespräche mit mehreren Bewerbern und Abstimmungen zwischen Teams –, doch für Bewerber bedeutet das vor allem langes Warten, ohne zu wissen, was mit ihrer Bewerbung geschieht (falls überhaupt etwas geschieht).
Die Hindernisse für eine kontinuierliche Information der Bewerber sind erwartbar: Zeitmangel und fehlende Skalierbarkeit. KI kann Chatbots ermöglichen, die rund um die Uhr Fragen beantworten, automatische Updates versenden, sobald Bewerbungen das System durchlaufen, und zentrale SMS-Portale für den Austausch mit Bewerbern bereitstellen – bei gleichzeitiger Einhaltung von Datenschutzvorgaben und Wahrung der Kontrolle.
Der zusätzliche Vorteil: Diese Ressourcen verringern auch die Zahl der Anfragen von Bewerbern, sodass sich TA-Teams auf ausführliche Gespräche statt auf administrative Fragen konzentrieren können.
4) Unbewusste Vorurteile überprüfen
Eine von der Yale University durchgeführte Studie ergab, dass sowohl männliche als auch weibliche Wissenschaftler bei Einstellungen eher männliche Bewerber auswählten und ihnen im Durchschnitt sogar 4.000 US-Dollar mehr Einstiegsgehalt anboten. Und dabei handelt es sich um Menschen, die darin geschult wurden, objektiv zu sein!
Leider ist dies nur eines von vielen Beispielen dafür, wie unkontrollierte unbewusste Vorurteile den Einstellungsprozess beeinflussen. Die gute Nachricht ist jedoch, dass KI vielversprechende Möglichkeiten bietet, Diskriminierung aus allen Phasen des Einstellungsprozesses zu entfernen.
Noch bevor ein Team eine Stelle ausschreibt, können KI-Tools Stellenanzeigen auf diskriminierende Formulierungen prüfen. Gehen dann Bewerbungen ein, können KI-Algorithmen Kandidaten mit den relevanten Fähigkeiten und Erfahrungen sichtbar machen, ohne irrelevante Informationen wie Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Name oder Alter zu berücksichtigen – und diese Informationen sogar bis zur entsprechenden Phase des Einstellungsprozesses vor Recruitern verbergen.
5) Effizienz steigern
Bedenkt man, dass bis zu 40 % der Arbeitszeit eines Recruiters für das Sortieren von Lebensläufen in einem herkömmlichen Applicant Tracking System (ATS) aufgewendet werden kann, ist leicht vorstellbar, wie KI-Technologie, die relevante Bewerbungen sichtbar macht, die Produktivität von Recruitern deutlich steigern kann. Und das ist nur ein Beispiel! Die automatisierte Terminplanung für Vorstellungsgespräche, Chatbots und SMS-Portale in moderneren Talent-Acquisition-Suites können den Prozess ebenfalls beschleunigen.
Die Kosten pro Einstellung sind eine weitere Kennzahl, die KI positiv beeinflussen kann. Zeit zu sparen bedeutet, Geld zu sparen, aber es geht um mehr als das. Einige KI-Tools können beispielsweise die Platzierung von Stellenanzeigen optimieren und Budget in die leistungsstärksten Kanäle verschieben, um die Recruiting-Ausgaben effizienter einzusetzen.
Über den Autor:
Jerome Ternynck ist der CEO von SmartRecruiters.


