Best Practices für Multicloud (die Cloud-Anbieter lieber nicht verraten)

Verfasst von
David Linthicum
David Linthicum
Jan 19, 2022
8 minute read
enterprise management
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Multicloud ist eines dieser Themen, über die die meisten Cloud-Anbieter lieber nicht sprechen würden. Warum? Nun, damit räumt man ein, dass ihre Cloud nicht das einzige Ziel für Ihre Anwendungen und Daten ist. Außerdem – und das ist am wichtigsten – werden sie gezwungen sein, gut mit anderen Cloud-Anbietern zusammenzuarbeiten und dies auch ausdrücklich zu ihrer Richtlinie zu machen.

Leider sind Sie, wenn Sie sich auf den Weg in Richtung Multicloud machen – wie es die meisten Unternehmen heutzutage tun –, bei der Zusammenstellung einer optimierten Multicloud-Architektur weitgehend auf sich allein gestellt. Es überrascht daher nicht wirklich, dass viele Unternehmen derzeit zahlreiche Fehler machen. Das führt zu Multicloud-Projekten, die scheitern und Unternehmen Millionen US-Dollar kosten.

Der Bericht „State of the Cloud 2021“ von Flexera besagt, dass 92 % der Unternehmen eine Multicloud-Strategie verfolgen. Das reicht von Unternehmen, die ihre Reise bereits begonnen haben, bis zu jenen, die gerade in die Planungsphase eintreten. Sie sind mit Ihren Schwierigkeiten also nicht allein: Die Komplexität über verschiedene Cloud-Anbieter hinweg zu verwalten, ist der zentrale Kampf, dem sich Unternehmen heute stellen müssen.

Die Komplexität über verschiedene Cloud-Anbieter hinweg zu verwalten, ist der zentrale Kampf, dem sich Unternehmen heute stellen müssen.

Warum Multicloud?

Wer zur Bewältigung der Herausforderungen von Multicloud auf eine einzelne Cloud-Bereitstellung setzen möchte, verliert effektiv die zentralen geschäftlichen Vorteile einer Multicloud-Bereitstellung. Zu diesen Vorteilen gehören:

Die Möglichkeit, die beste verfügbare Technologie auszuwählen

AWS verfügt möglicherweise über das beste Datenanalysesystem für Ihr Bestandsverwaltungssystem. Google hat jedoch vielleicht eine bessere KI-Plattform für Ihre Anforderungen, und Microsoft bietet möglicherweise ein SaaS-System an, das Sie nutzen möchten.

Wir alle möchten eine optimierte Lösung finden, die die beste Technologie nutzt und zu den spezifischen Anforderungen des Unternehmens passt. Eine Multicloud-Bereitstellung bietet in der Regel die kostengünstigste und geschäftlich optimalste Lösung – zumindest theoretisch. 

Siehe auch: AWS vs. Azure vs. Google Cloud

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Möglichkeiten für operative Kosteneffizienz

Alle Public Clouds bieten unterschiedliche Preismodelle. Entweder ist der Preis höher oder niedriger – oder, was wahrscheinlicher ist, die Art der Abrechnung ihrer Services begünstigt manche Anwendungsfälle, andere jedoch nicht.

Nehmen wir beispielsweise den Daten-Import und -Export. Die Cloud-Anbieter verlangen völlig unterschiedliche Preise dafür, Daten einfach in Ihre cloudbasierten Datenspeicher zu übertragen oder aus der Cloud zu übermitteln. Die Abrechnung kann sich nach gesendeten und empfangenen Daten, der genutzten Bandbreite oder dem aufgewendeten Zeitraum richten.

Das bedeutet, dass Ihre Konfiguration bei einigen Clouds Vorteile bietet, bei anderen jedoch nicht. Da daraus eine Rechnung von deutlich über 500.000 US-Dollar pro Jahr entstehen kann, die mit dem Wachstum des Unternehmens wahrscheinlich weiter steigt, sind dies wichtige Überlegungen. Deshalb ist es wichtig, sich bei Ihrem Cloud-Anbieter über die konkreten Richtlinien und Preise zu informieren.

Anschließend erstreckt sich die Preisanalyse auf Speicherpreise und -richtlinien, etwa auf die Nutzung reservierter Instanzen, um Geld zu sparen. Weitere zu berücksichtigende Preisbereiche sind die Abrechnung von Rechenleistung und spezielle Services wie künstliche Intelligenz und Analysesysteme. All diese Aspekte unterscheiden sich und sollten zusammen mit den geschäftlichen Anforderungen berücksichtigt werden. Überlegen Sie anschließend erneut, welche Cloud am kostengünstigsten eine bestimmte geschäftliche Anforderung erfüllt.

Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter vermeiden

Viele sehen Multicloud als Möglichkeit, einen Vendor-Lock-in zu vermeiden. Die Nutzung eines einzigen Anbieters kann zwar durchaus Vorteile haben. Wenn Sie Ihre Anwendungen jedoch so schreiben, dass sie die native Cloud-API nutzen, die nur einer Ihrer Cloud-Anbieter bereitstellt, sind Sie praktisch an diesen Anbieter gebunden. Multicloud löst dieses Problem kaum, außer dass Sie sich bei mehr als einem Anbieter festlegen können – die Einschränkungen sind jedoch weitgehend dieselben, wenn nicht sogar schlimmer.

Wenn Sie Ihre Anwendungen so schreiben, dass sie die native Cloud-API nutzen, die nur einer Ihrer Cloud-Anbieter bereitstellt, sind Sie praktisch an diesen Anbieter gebunden.

Andererseits besteht die Ansicht, dass die Möglichkeit, mehr als einen Anbieter zu nutzen, einen gewissen operativen und geschäftlichen Spielraum schafft. So ermöglicht eine im Voraus aufgebaute Beziehung zu mehr als einem Public-Cloud-Anbieter bessere Entscheidungen bei der Nutzung zentraler Cloud-Services wie Speicher und Rechenleistung. Selbst wenn einer der Anbieter keine guten Konditionen oder keinen guten Service bietet, stehen Ihnen Optionen zur Verfügung.

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Dasselbe gilt für operative Probleme. Nehmen wir beispielsweise an, Ihr primärer Cloud-Speicheranbieter erfüllt seine SLAs (Service-Level-Agreements) nicht. Mit einer Multicloud-Bereitstellung können Sie problemlos zu einem anderen Anbieter wechseln, wodurch sich sowohl Risiko als auch Kosten reduzieren lassen.

Siehe auch: Private Clouds bleiben in einer Multicloud-Welt zentral

Neue Best Practices für Multicloud

Multicloud-Bereitstellungen sind zwar relativ neu, doch Unternehmen beginnen bereits, einige Best Practices für Multicloud-Lösungen zu sammeln. Es handelt sich um Best Practices, von denen die meisten Cloud-Anbieter lieber hätten, dass Sie sie nicht kennen oder nutzen.

Es liegt nicht im Interesse der Cloud-Anbieter, Milliarden US-Dollar dafür auszugeben, Unternehmen zu den Clouds anderer Anbieter zu bewegen. Ihr Geld wird dafür ausgegeben, Unternehmen für ihre eigene Cloud zu gewinnen – und für keine andere. Damit entwickelt sich dies zu einem Weg in die Cloud, bei dem Unternehmen weitgehend auf sich allein gestellt sind.

Wenn es also um Cloud Computing geht, geht es bei diesen neuen Best Practices darum, unabhängiger zu handeln und zu denken als in der Vergangenheit.

Und noch wichtiger: Sie müssen verstehen, dass die Cloud keine Technologie-Bereitstellung nach dem Motto „one size fits all“ ist. Eine Cloud-Bereitstellung muss auf einer Entscheidung beruhen, die alle Aspekte Ihres Unternehmens berücksichtigt und Best Practices nutzt, um die optimalste Multicloud-Lösung zu finden. Sie müssen Kosteneffizienz und Komplexität ebenso abwägen wie die Fähigkeit der Cloud-Plattform, die Anforderungen Ihres bestehenden und künftigen Geschäfts zu erfüllen.

Hier sind einige der Best Practices, die am häufigsten zum Erfolg von Multicloud beitragen:

1. Berücksichtigen Sie die Komplexität, die sich aus Ihrer Multicloud-Bereitstellung ergibt

Bei einer Multicloud-Bereitstellung kommen zahlreiche Technologien zum Einsatz. Ihre Funktionen, die korrekte Integration sowie der langfristige Betrieb und Support müssen allesamt verstanden werden.

Bei Cloud-Services wie Speicher, Rechenleistung, KI, serverloser Bereitstellung und mehr kann es schwierig sein, herauszufinden, wie diese Services für Ihr Unternehmen optimal konfiguriert und genutzt werden. 

Bei einer einzelnen Cloud-Bereitstellung begrenzen Sie die Zahl der Technologien, die Sie nutzen können; die meisten davon sind jedoch speziell darauf ausgelegt, gut zusammenzuarbeiten. Bei einer Multicloud-Bereitstellung multiplizieren Sie die Zahl der genutzten Clouds mit einem Faktor, der den unterschiedlichen verfügbaren Technologien entspricht. Eine einzelne Cloud könnte beispielsweise über 5 verschiedene native Speicherlösungen verfügen (z. B. Block-, Objekt- und Dateispeicher usw.), bei der Nutzung von drei Public Clouds im Rahmen Ihrer Multicloud könnten es jedoch bis zu 30 sein.

Eine einzelne Cloud könnte beispielsweise über 5 verschiedene native Speicherlösungen verfügen (z. B. Block-, Objekt- und Dateispeicher usw.), bei der Nutzung von drei Public Clouds im Rahmen Ihrer Multicloud könnten es jedoch bis zu 30 sein.

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Nehmen wir an, Sie nutzen 10 der 30 möglichen Speicherlösungen für verschiedene Anwendungen und Datenspeicher. Vergessen Sie nicht, dass Sie für die zusätzlichen Technologien Mitarbeiter einstellen und schulen müssen und dass Sie sie mit CloudOps-Mitarbeitern betreiben müssen, die verstehen, wie die einzelnen Lösungen funktionieren, sowie mit Fachwissen für speziellere Betriebswerkzeuge. Sie müssen damit rechnen, bis zu zwei- oder dreimal so viel für den Betrieb auszugeben wie bei der Bereitstellung über einen einzigen Cloud-Anbieter.

Die meisten Unternehmen werden nicht so viel Geld für den Umgang mit der Multicloud-Komplexität ausgeben. Daher muss die Komplexität bereits in der Designphase Ihrer Multicloud reduziert werden. Sie müssen den Betrieb im Voraus planen.

Ein großer Teil der Komplexität lässt sich auch durch den Einsatz fortschrittlicher Betriebstools wie AIOps reduzieren. Dabei können Abstraktion und Automatisierung genutzt werden, um komplexe Abläufe mit weniger Mitarbeitern zu bewältigen. Zwar können dadurch im Vergleich zu herkömmlichen Methoden zur Komplexitätsbewältigung die Kosten sinken, doch Betriebstools wie AIOps funktionieren in der Regel am besten als integrierte Funktion und kosten deutlich mehr, wenn sie nachträglich integriert werden. 

Siehe auch: Die Zukunft von CloudOps: Große Herausforderungen und mögliche Lösungen

2. Berücksichtigen Sie die Kostensteuerung in der Multicloud

So wie eine zu hohe architektonische Komplexität zu Kostenüberschreitungen führt, wird auch eine unzureichende Kontrolle des Verbrauchs von Cloud-Services über eine Multicloud-Bereitstellung hinweg zu Cloud-Rechnungen führen, die höher sind als sämtliche Vorteile, die Multicloud bieten kann.

Kostensteuerung wird auch unter anderen Bezeichnungen wie FinOps geführt und nutzt im Grunde Technologien zur Kostenüberwachung, um zu überwachen, welche Cloud-Services von wem oder was genutzt werden und wie viel sie im Laufe der Zeit kosten. Das Problem besteht darin, dass viele Unternehmen bei der Bereitstellung von Multicloud auf die nativen Kostenüberwachungstools der jeweiligen Anbieter zurückgreifen. Bei einer einzelnen Cloud-Lösung sind diese zwar geeignet, bei der Nutzung von zwei oder mehr Clouds sind sie jedoch übermäßig komplex – und führen häufig zu kostspieligen Fehlern.

Das Problem besteht darin, dass viele Unternehmen bei der Bereitstellung von Multicloud auf die nativen Kostenüberwachungstools der jeweiligen Anbieter zurückgreifen.

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Die neuen Generationen von Cloud-Governance-Tools sollten in der Lage sein, die laufende Nutzung von Cloud-Ressourcen zu überwachen, Nutzungsgrenzen festzulegen sowie Umlagen und Rückbelastungen für die Budgetplanung pro Organisation bereitzustellen. Sie sollten umfassende Datenanalysen ermöglichen, um zu ermitteln, wie sich die Ausgaben im Laufe der Zeit wahrscheinlich verändern werden. Dazu gehört eine Was-wäre-wenn-Analyse, um die Kosten der Nutzung verschiedener Cloud-Services zu berücksichtigen – einschließlich komplexerer nutzungsabhängiger Abrechnungen wie Gebühren für Daten-Import und -Export sowie der Nutzung vergünstigter Services, die im Voraus erworben werden.

3. Berücksichtigen Sie, was zwischen den Clouds liegt, statt dessen, was in ihnen liegt

Das Wichtige an Multicloud ist – zumindest konzeptionell – nicht, was innerhalb der einzelnen Clouds läuft, sondern was zwischen ihnen läuft. Dazu gehören alle gemeinsamen Services, die sich über die gesamte Multicloud erstrecken sollten, einschließlich Sicherheit, Governance, Betrieb usw. Dazu gehören alle Services, die in den Clouds identisch sein und als „cloudagnostische“ oder „cloudübergreifende“ Technologie funktionieren sollten.

Das kann etwas verwirrend sein, da diese Technologien innerhalb eines bestimmten Cloud-Anbieters als Drittanbieteranwendung betrieben werden können. Sie sind jedoch speziell darauf ausgelegt, mit allen Clouds innerhalb Ihrer Multicloud-Bereitstellung umzugehen, als würden sie funktional zwischen ihnen auf einer unabhängigen Plattform betrieben.

Zu diesen Drittanbietertechnologien, die sich über Clouds erstrecken können, gehören möglicherweise cloudübergreifende Sicherheitsmanager, die ein gemeinsames Identitätsverzeichnis nutzen, die oben beschriebene Kostensteuerung sowie Betriebstools wie AIOps, die sich über alle Clouds erstrecken. Hinzu kommen alle anderen Services, die allen Clouds gemeinsam sind und oberhalb aller Clouds laufen sollten, statt als spezifisches natives Tool einer einzelnen Cloud.

Siehe auch: AIOps-Trends

Multicloud durch Versuch und Irrtum lernen

Ein zentraler Bestandteil der hier vorgestellten Best Practices ist die Fähigkeit von Unternehmen, ihren eigenen Weg zur Multicloud zu gestalten. Natürlich wäre es schön, wenn es für den Einsatz von Multicloud-Bereitstellungen ein einziges Lösungsmuster gäbe, das zu allen Unternehmen passt. In der Praxis muss jede Architektur speziell für das Unternehmen entwickelt werden, das sie nutzt.

Die gute Nachricht? Einige gemeinsame Best Practices zeichnen sich bereits ab. Es ist wichtig, dass Sie so viel wie möglich aus den Versuchen und Fehlern derer lernen, die vor Ihnen kamen, und anschließend Ihre eigenen spezifischen Lösungen entwickeln. Wer die in diesem Artikel genannten Best Practices befolgt, hat größere Chancen, mit Multicloud erfolgreich zu sein.

David Linthicum

David Linthicum, formerly the Chief Cloud Strategy Officer at Deloitte Consulting, is one of the most recognized experts in enterprise IT.

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