Wenn man betrachtet, wohin sich Cloud Computing im kommenden Jahr wahrscheinlich entwickeln wird, zeichnen sich drei wichtige Trends ab – Trends, die sowohl technologische als auch gesellschaftliche Belange umfassen.
Zwar ist es schwierig, etwas so Dynamisches wie die Nutzung von Cloud-Anbietern durch Unternehmen vorherzusagen, doch im Folgenden finden Sie meine fundierten Einschätzungen für 2022.
Mehr Teams werden die Migration ihrer Workloads in Betracht ziehen
Es gibt ein wachsendes Verständnis dafür, dass man nicht an eine einzige Cloud gebunden sein muss; jede Cloud – GCP, Azure und AWS – hat ihre eigenen einzigartigen Vor- und Nachteile. Wenn es jedoch um die Migration von Workloads geht, gibt es keinen „einfachen“ Knopf. Das ist mit viel Arbeit verbunden, und Ingenieure benötigen Tools, die ihnen dabei helfen festzustellen, ob sich der Aufwand lohnt.
Je nach den Kompetenzen des Teams, mit dem Sie arbeiten müssen, kann die Migration zu mehreren Clouds eine ausgezeichnete Strategie sein, um einen Vendor-Lock-in zu vermeiden und für jeden Anwendungsfall die besten Tools auszuwählen. Oder sie kann das Engineering-Team stark belasten, weil sie mehr Komplexität schafft und Teams daran hindert, tief genug in die einzelnen Clouds einzusteigen, um das bestmögliche Preis-Leistungs-Verhältnis zu erzielen. Dennoch ist zu erwarten, dass Unternehmen im kommenden Jahr massiv in die Cloud-Migration investieren werden.
Die entscheidende Frage lautet: Schaffen Sie durch die Migration Ihres Workloads von einer Plattform auf eine andere genügend Mehrwert? Viele Unternehmen haben zahlreiche Migrationen gestartet, ohne diese Frage langfristig zu durchdenken.
Der Wert der Multicloud wird infrage gestellt werden
Gartner prognostiziert, dass bis 2025 mehr als 90 % der Unternehmen eine Multi-Cloud-Infrastruktur- und Plattformstrategie verfolgen werden. Obwohl fast alle Unternehmen inzwischen irgendeine Form von Multi-Cloud einsetzen, bleibt es für Teams eine Herausforderung, AWS, GCP und Azure im Detail zu kennen.
Die Qualifikationslücke macht es unrealistisch, Multicloud gut umzusetzen. Es ist einfacher, ein Team zu haben, das eine Cloud-Plattform äußerst gut kennt, als ein Team, das zwei oder drei Plattformen ebenso detailliert beherrscht. Um den größtmöglichen Nutzen aus einer Cloud zu ziehen und weitere Kosteneinsparungen zu erzielen, müssen Unternehmen tiefer einsteigen und zentrale Dienste einbetten, anstatt Tools generisch zu entwickeln.
Auch wenn jede Plattform Vor- und Nachteile hat – ebenso wie containerisierte und nicht containerisierte Workloads –, müssen Unternehmen prüfen, ob die wirtschaftlichen Vorteile einer Investition in mehr als eine Cloud für ihr langfristiges Überleben entscheidend sind.
Wie auch immer es kommen mag, eines ist sicher: Cloud Computing wird nicht verschwinden. Angesichts seines exponentiellen Wachstums während der COVID-19-Pandemie – Forrester Research erklärte, dass „die Cloud bei der Erholung von der Pandemie ins Zentrum gerückt ist“, und schätzte den weltweiten Markt für öffentliche Cloud-Infrastrukturen auf 120 Milliarden US-Dollar – erwarte ich, dass sich diese Entwicklung weiter verstärken wird. Und Multicloud wird in hohem Maße von den starken Zuwächsen bei der allgemeinen Nutzung der Cloud profitieren.
Nachhaltigkeit erreicht einen Wendepunkt, da Unternehmen ESG priorisieren
Da digitale Transformation und digitale Infrastruktur zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil der modernen Wirtschaft werden, gewinnen die Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks, der Umgang mit Beschäftigten und die Einhaltung von Branchenvorschriften für viele Unternehmen an Bedeutung. Mit zunehmender Aufmerksamkeit für dieses Thema gewinnt ESG (Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung) auch im Cloud-Markt an Dynamik.
Laut einer aktuellen von Google Cloud in Auftrag gegebenen Studie hat Nachhaltigkeit für 90 % der IT-Entscheider Priorität, und 75 % waren der Ansicht, dass Nachhaltigkeit bei der Auswahl von Cloud-Anbietern ein „Muss“ oder eine „wichtige Erwägung“ ist. Deshalb beginnen Unternehmen, die die Cloud nutzen, ESG-Initiativen umzusetzen.
Über moralische Erwägungen hinaus taucht das Thema in Vorstandsetagen und Gesprächen mit Risikokapitalgebern als lohnende Investition auf. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass auch die digitale Infrastruktur die Umwelt belastet, und werden im neuen Jahr damit beginnen, Ziele zur Reduzierung ihres CO₂-Fußabdrucks festzulegen. Zweckorientierte Unternehmen werden noch einen Schritt weitergehen und Klimaneutralität anstreben, während andere von ihren Aktionären zunehmend unter Druck gesetzt werden, ESG zu priorisieren und so ethisches Wachstum sicherzustellen. Angesichts der zentralen Bedeutung, die die Cloud für Unternehmen erlangt hat, wird dieser ESG-Fokus den Cloud-Sektor 2022 erheblich beeinflussen.
Über den Autor:
Asim Razzaq ist CEO von Yotascale


