Datenbankmigrationen gehören zu den gefürchtetsten Vorhaben in der IT. Spricht man mit einer Führungskraft aus der IT über Migrationen, fällt die Reaktion meist sehr heftig aus. Zu viele Karrieren sind durch gescheiterte Migrationen ruiniert worden. Eines ist klar: Herkömmliche Techniken mit Code-Konvertierung funktionieren einfach nicht.
Besonders bei der Migration eines Unternehmens-Data-Warehouse, wimmelt es von Horrorgeschichten. Gescheiterte Migrationen, die nach drei Jahren harter Arbeit zusammenbrachen, sind keine Seltenheit. Migrationsprojekte, die vor ihrem Scheitern mehr als 20 Millionen US-Dollar kosteten, sind die Regel. Fragt man jedoch eine IT-Führungskraft unter vier Augen, erfährt man womöglich von noch kostspieligeren Katastrophen.
Da Unternehmen in die Cloud wechseln, hat die Modernisierung lokaler Data-Warehouses hin zu Cloud-native-Technologie für jede IT-Führungskraft höchste Priorität. Was also soll eine IT-Führungskraft tun? Wie können Unternehmen Migrationskatastrophen vermeiden, wenn sie Legacy-Data-Warehouses in die Cloud verlagern?
Im vergangenen Jahr brachten mehrere Anbieter das Konzept der Datenbankvirtualisierung auf den Markt. Das Prinzip ist denkbar einfach. Eine Virtualisierungsplattform ermöglicht es bestehenden Anwendungen, nativ auf dem Cloud-Data-Warehouse zu laufen. SQL muss gar nicht oder nur minimal angepasst werden. Wie also nimmt Datenbankvirtualisierung den Schrecken von Datenbankmigrationen?
Was ist Datenbankvirtualisierung?
Man kann sich Datenbankvirtualisierung als Hypervisor-Technologie für Datenbankabfragen vorstellen. Die Datenbankvirtualisierungsplattform sitzt zwischen den Anwendungen und dem neuen Ziel-Data-Warehouse. Wie jede Virtualisierungstechnologie entkoppelt sie zwei ansonsten eng miteinander verbundene Komponenten. In diesem Fall werden Datenbanksysteme und Anwendungen voneinander abstrahiert.
Die Datenbankvirtualisierungsplattform übersetzt Abfragen und andere Datenbankanweisungen in Echtzeit. Im Ergebnis lässt die Datenbankvirtualisierung ein Cloud-Data-Warehouse wie Azure Synapse exakt wie ein Teradata- oder Oracle-System funktionieren. Das unterscheidet sie deutlich von Datenvirtualisierung. Datenvirtualisierung führt einen neuen SQL-Dialekt ein, und alle Anwendungen müssen zunächst auf diesen Dialekt umgeschrieben werden.
Im Vergleich zur statischen Code-Konvertierung ist Datenbankvirtualisierung deutlich leistungsfähiger. Sie kann komplexe Konstrukte oder Datentypen emulieren. Selbst Elemente, für die es in der neuen Zieldatenbank kein Äquivalent gibt, können in Echtzeit emuliert werden.
Anwendungen, die ursprünglich für eine bestimmte Datenbank geschrieben wurden, können nun auf einer anderen Datenbank laufen, ohne dass SQL geändert werden muss. Statt einer statischen Code-Konvertierung mit all ihren Risiken und Herausforderungen bewahrt die Datenbankvirtualisierung bestehende Anwendungen. Anstatt die Anwendungslogik monatelang neu zu schreiben, macht die Datenbankvirtualisierung die neue Datenbank sofort interoperabel mit bestehenden Anwendungen.
Virtualisierung trennt die Cloud-Migration von der Modernisierung der Anwendungen
Datenbankmigrationen scheitern typischerweise, weil der Umfang während des Projekts explosionsartig zunimmt. Am Anfang steht eine einfache Aufgabe: Bestehende Anwendungen sollen mit einer neuen Datenbank funktionieren. Sobald jedoch klar wird, wie umfangreich die Umschreibungen ausfallen werden, ändert sich der Projektumfang häufig.
Beteiligte können den Vorgang als einmalige Gelegenheit zur Modernisierung ihrer Anwendung betrachten. Wenn die Anwendung ohnehin umfassend umgeschrieben werden muss, so ihr Argument, warum dann nicht gleich weitere wichtige Änderungen vornehmen? Was als angeblich minimalinvasiver Eingriff begann, wird nun zu einer vollständigen Operation am offenen Herzen.
Im Gegensatz dazu ermöglicht die Datenbankvirtualisierung, Anwendungen unverändert zu verschieben. Alle Änderungen werden auf das absolute Minimum beschränkt. In der Praxis beläuft sich der Änderungsumfang an den Anwendungen auf etwa 1 %. Da sich die Cloud-Data-Warehouse-Technologie rasant weiterentwickelt, erwarten wir, dass der Bedarf an selbst diesen Änderungen in Zukunft weiter sinken wird.
Datenbankvirtualisierung verändert diese Dynamik grundlegend: zuerst migrieren, Anwendungen anschließend modernisieren – und nur, wenn es nötig ist. Sobald das Unternehmen Cloud-native ist, kommen möglicherweise einige ausgewählte Anwendungen für eine Modernisierung infrage. Die Trennung von Migration und Modernisierung ist entscheidend, um das Risiko unter Kontrolle zu halten.
Virtualisierung überwindet die gefürchtete 80/20-Natur von Migrationen
Kein anderes IT-Problem wird so häufig unterschätzt. Den Fehleinschätzungen liegt unserer Ansicht nach vor allem die Tatsache zugrunde, dass es sich um einen ausgesprochen seltenen Vorgang handelt. Die meisten IT-Führungskräfte haben noch nie eine umfassende Datenbankmigration geplant oder durchgeführt. Wenn sie es vermeiden konnten, machten sie Datenbankmigrationen zum Problem ihres Nachfolgers.
Sobald ein Umschreibungsprojekt läuft, kann der anfängliche Fortschritt berauschend sein. Innerhalb weniger Wochen werden die „einfachen“ SQL-Snippets zügig konvertiert. Bei vielen müssen nur einige Schlüsselwörter ersetzt und ähnlich triviale Änderungen vorgenommen werden. Ganz im Sinne des 80/20-Prinzips nehmen die ersten 80 % nur sehr wenig Zeit und praktisch kein Budget in Anspruch. Dann kommen die letzten 20 %. Hier liegen die schwierigen Probleme – und hier schlägt die Katastrophe zu.
Im Gegensatz dazu unterscheidet die Datenbankvirtualisierung nicht zwischen verschiedenen Graden der wahrgenommenen Schwierigkeit. Stattdessen werden Fortschritte gleichmäßig erzielt. Das bedeutet nicht, dass es keine Herausforderungen zu bewältigen gäbe. Im Vergleich zur Code-Konvertierung ist der erforderliche Aufwand zur Überwindung dieser Herausforderungen jedoch typischerweise um eine Größenordnung geringer.
Virtualisierung mindert Risiken
Eine herkömmliche Migration ist ein risikoreiches Unterfangen. Wie bereits gesehen, beginnt sie mit einer Unterschätzung des erforderlichen Aufwands. Die Grenzen umschreibungsbasierter Ansätze lassen sich trotz aller Bemühungen im Voraus nicht erkennen. Dennoch wird von IT-Führungskräften häufig verlangt, bei diesen Projekten ihre Karriere aufs Spiel zu setzen.
Wichtig ist, dass bei umschreibungsbasierten Ansätzen die IT die Verantwortung weitgehend allein trägt. Sie soll die Migration abschließen, und anschließend darf das Unternehmen das Ergebnis beurteilen.
Vergleichen wir dies mit der Datenbankvirtualisierung. Von Anfang an können Anwendungen parallel getestet werden. Die IT bindet frühzeitig Geschäftsbereiche ein, die ihre gesamte Funktion mit ihren bestehenden Tools und Prozessen praktisch testen können. Die Datenbankvirtualisierung verspricht, die IT von dem Risiko zu entlasten, etwas zu implementieren, das das Unternehmen nach Abschluss nicht nutzen kann.
Darüber hinaus bietet die Datenbankvirtualisierung einen ausgesprochen naheliegenden Mechanismus zur Risikominderung. Solange das alte System nicht außer Betrieb genommen wurde, kann die Organisation jederzeit zum alten Stack zurückkehren. Für die Rückkehr ist kein besonderer Aufwand erforderlich, da alle Anwendungen in ihrer ursprünglichen Funktionalität erhalten geblieben sind.
IT auf die Public Cloud umstellen
Große Unternehmen stehen kurz davor, ihre IT auf die Public Cloud umzustellen. Bisher wurde jedoch nur ein Bruchteil der lokalen Systeme und Prozesse migriert. Der Schatten von Datenbankmigrationen hält Unternehmen zurück, da alle kritischen Workloads eng mit Datenbanksystemen verbunden sind.
Datenbankvirtualisierung ist daher ein leistungsfähiges Paradigma für IT-Führungskräfte, die eine Datenbankmigration in Betracht ziehen. Obwohl es sich noch um ein junges Fachgebiet handelt, hat sich die Datenbankvirtualisierung bereits bei namhaften Global-2000-Kunden bewährt. Bisher beschränken sich die Belege auf den Bereich des Enterprise Data Warehousing. Es braucht jedoch wenig Fantasie, um zu erkennen, wie diese Technologie auch auf operative Datenbanken angewendet werden könnte.
Datenbankvirtualisierung sollte als eine entscheidende Waffe im Köcher von IT-Führungskräften betrachtet werden, wenn es darum geht, Migrationsherausforderungen zu bewältigen und Daten effizient in die Cloud zu migrieren.
Über den Autor:
Mike Waas, Gründer und CEO, Datometry


