F5 hat eine Vereinbarung zur Übernahme des in Boston ansässigen Unternehmens Threat Stack für 68 Millionen US-Dollar bekannt gegeben. Die Übernahme von Threat Stack ist die vierte Akquisition von F5 in den vergangenen zwei Jahren. Das Unternehmen will sich von einem hardwarezentrierten Netzwerkanbieter zu einem Software- und Cloud-Unternehmen wandeln, das Netzwerk- und Sicherheitslösungen anbietet.
2019 leitete das Unternehmen seine erste große strategische Wende ein, als es NGINX für 670 Millionen US-Dollar übernahm. Damit erhielt F5 eine Open-Source-Plattform mit großer Anziehungskraft für Entwickler. 2020 legte F5 eine Milliarde US-Dollar für die Übernahme von Shape Security auf, einem Anbieter von KI-basierter Bot-Erkennung. Zusammen mit Silverline festigte dies F5s Position als Sicherheitsanbieter – im Gegensatz zu einem Netzwerkanbieter, der auch Sicherheitslösungen verkauft.
Anfang dieses Jahres übernahm das Unternehmen Volterra, einen Anbieter von Netzwerk- und Sicherheitsdiensten auf Edge- und API-Ebene. Damit kann F5 auf dem aufstrebenden Markt für verteilte Clouds konkurrieren.
Threat Stack erweitert F5s Portfolio für App-Sicherheit
Obwohl der Kaufpreis von Threat Stack bei Weitem nicht an den einiger anderer Übernahmen heranreicht, ist das Unternehmen eine ausgezeichnete Akquisition, da es F5s Position im Bereich der Anwendungssicherheit stärkt. Die Mehrheit der Sicherheitsprodukte von F5 ist netzwerkzentriert. Das ist zweifellos wichtig, doch moderne Anwendungen basieren auf dem Konzept einer verteilten Cloud, in der über Clouds und Edge-Umgebungen verstreute App-Komponenten über das Netzwerk miteinander kommunizieren.
Eine gute Möglichkeit, das Problem zu veranschaulichen, besteht darin, sich vorzustellen, wie ein Straßensystem geschützt werden kann, indem Autos an den Auffahrten kontrolliert werden, sich aber nicht gegen eine Drohne schützen lässt, die Bomben abwirft. Ebenso kann Netzwerksicherheit den Transport schützen, doch immer häufiger greifen Angreifer Anwendungen und APIs an.
Kurzfristig erweitern die Funktionen von Threat Stack die Transparenz, die F5s Plattform bei Containern und Cloud-nativen Diensten bietet. Kunden können das Produkt nutzen, um Probleme zu überwachen, anschließend schnell Maßnahmen zu ihrer Behebung einzuleiten und die Compliance sicherzustellen – unabhängig davon, wo die App oder ihre Komponenten bereitgestellt werden. Der Aufstieg von Containern und Microservices sorgt für deutlich mehr Agilität in Unternehmen. Die verteilte und dynamische Natur Cloud-nativer Umgebungen erfordert jedoch mehr als WAFs und Firewalls.
Automatisierte Erkenntnisse und Behebung kommen zu F5-Kunden
Mit Blick auf die Zukunft werden die Risikoerkennung und die Echtzeit-Bedrohungserkennung von Threat Stack in Kombination mit den bestehenden App-Einblicken und -Kontrollen von F5 den Anbieter in die Lage versetzen, Erkenntnisse, Bedrohungserkennung und Abwehrmaßnahmen besser zu automatisieren. Eine gute Vorstellung davon vermittelt die Tatsache, dass F5 XDR auf der Anwendungsebene bereitstellen kann, während die meisten XDR-Lösungen auf Netzwerkebene arbeiten. Die automatisierte Behebung ist entscheidend, da viele Anbieter zwar Sicherheitsverletzungen erkennen können, bei der Reaktion darauf aber Schwächen zeigen.
F5 spricht die Sprache von Anwendungen und Netzwerken
Obwohl F5 vor allem als Netzwerkanbieter bekannt ist, war das Unternehmen schon immer stark im Anwendungsbereich. Das ist der Grund, warum es deutlich größere Netzwerkanbieter wie Cisco und Juniper auf Abstand halten konnte. Ich habe F5 oft als den „Rosetta-Stein“ der IT bezeichnet, weil das Unternehmen die Sprache von Apps und Netzwerken beherrscht und zwischen beiden übersetzen kann. F5 hat dieses Know-how zur Optimierung der Anwendungsleistung eingesetzt und kann es nun auch für Sicherheitszwecke nutzen.
Übernahme ist ein finanzieller Coup für F5
Der Kaufpreis von 68 Millionen US-Dollar für Threat Stack scheint ein Schnäppchen zu sein, da das Unternehmen in sechs Finanzierungsrunden rund 70 Millionen US-Dollar eingesammelt hat. Das Start-up rühmt sich seiner Stärken in den Bereichen Hybrid Cloud, Container und Edge Computing. Angesichts der Tatsache, dass die Welt kurz davorsteht, vollständig Cloud-nativ zu werden, mag der Zeitpunkt des Verkaufs – insbesondere zu dieser niedrigen Bewertung – ungewöhnlich erscheinen.
Ich glaube, dass Threat Stack über gute Technologie verfügt, doch für Einzelprodukte wird es im Sicherheitsbereich immer schwieriger, erfolgreich zu sein. Sicherheitsexperten beginnen zu verstehen, dass eine Sammlung von erstklassigen Einzelprodukten zu einem suboptimalen Schutz vor Bedrohungen führt. Deshalb hat sich das Konzept der Sicherheitsplattform endlich durchgesetzt. Ein Beleg dafür ist der Erfolg von Fortinet und Palo Alto – den beiden Anbietern, die am deutlichsten die Vorteile einer Plattform hervorheben. F5 baut seine eigene Plattform auf, und Threat Stack bringt App-Transparenz in diese Plattform ein.
Die Umstellung auf Plattformen wird den Druck auf kleinere Nischenanbieter wie Threat Stack weiter erhöhen, da sie allein nicht genügend Mehrwert bieten können. Einige von ihnen könnten selbst auf Einkaufstour gehen, doch ich rechne in den nächsten zwei Jahren mit einer Zunahme der M&A-Aktivitäten größerer Sicherheitsanbieter.


