Wenn das Land knapp wird, wendet sich China dem Meer zu.
Das Land setzt auf mit Offshore-Windenergie betriebene Unterwasser-Rechenzentren, um seine schnell wachsenden KI-Ambitionen voranzutreiben. Eine neu in Betrieb genommene Unterwasseranlage nahe Shanghai zeigt, wie weit diese Idee inzwischen gediehen ist. Indem China Recheninfrastruktur unter dem Meer platziert und mit erneuerbarer Energie kombiniert, will das Land den Druck auf die dicht besiedelten Städte verringern und zugleich den Energieverbrauch senken.
Offshore-Windenergie trifft auf Unterwasser-Computing
Die South China Morning Post berichtete kürzlich, dass China das vermutlich weltweit erste Unterwasser-Rechenzentrum in Betrieb genommen hat. Die Anlage ist direkt an einen Offshore-Windpark im Lingang-Sondergebiet von Shanghai angeschlossen.
Die von Shanghai HiCloud Technology errichtete Anlage liegt etwa 10 Meter unter Wasser und rund 10 Kilometer vor der Küste. Sie verfügt über eine geplante Kapazität von 24 Megawatt und steht für eine Investition von ungefähr 1,6 Milliarden Yuan beziehungsweise 232,4 Millionen US-Dollar. Das System ist mit der Cloud- und Telekommunikationsinfrastruktur an Land verbunden und für KI-Arbeitslasten ausgelegt, darunter Anwendungen für autonomes Fahren und verkörperte Intelligenz.
Das Projekt ist außerdem an Offshore-Windparks angebunden, sodass erneuerbare Energie den Standort mit Strom versorgen kann, während Meerwasser die Systeme kühlt.
Effizienzgewinne treiben die frühe Dynamik an
Laut Tech in Asia baut Chinas Vorstoß unter Wasser auf früheren Einsätzen in Hainan auf, wo HiCloud Unterwasser-Rechenzentrumssysteme unter kommerziellen Bedingungen testete.
Erste Ergebnisse deuteten auf messbare Effizienzsteigerungen gegenüber Anlagen an Land hin. Die SCMP merkte an, dass das Projekt in Hainan den Wasserverbrauch jährlich um 26.000 Tonnen und den Stromverbrauch um 3,4 Millionen Kilowattstunden senkte sowie die Kohlenstoffemissionen um etwa 2.720 Tonnen verringerte.
„HiCloud hat durch den kommerziellen Betrieb in Hainan die relativen Vorteile von Unterwasser-Rechenzentren unter Beweis gestellt“, erklärten Analysten eines von der Regierung Shanghais unterstützten Thinktanks gegenüber der SCMP.
Die Kühlung spielt bei diesen Einsparungen eine wichtige Rolle. Unterwassersysteme nutzen das sie umgebende Meerwasser und verringern dadurch den Bedarf an energieintensiver Kühlung, die einen großen Teil des Stromverbrauchs in herkömmlichen Rechenzentren.
Ein Modell in der Frühphase steht weiterhin vor Hürden
Trotz des wachsenden Interesses befinden sich Unterwasser-Rechenzentren noch in einer frühen Entwicklungsphase. Wie in der Berichterstattung von CXO Digital Pulse.
angemerkt wurde, verwiesen Analysten auf Herausforderungen wie das Fehlen von Branchenstandards, die Komplexität der Wartung und unsichere langfristige wirtschaftliche Aussichten. Chinas Bemühungen folgen auf frühere Experimente mit Microsofts Project Natick, bei dem Unterwasser-Rechenzentren vor der schottischen Küste eingesetzt wurden. Tech in Asia erklärte, das Projekt habe eine höhere Zuverlässigkeit gezeigt, sei aber 2024 wegen Bedenken hinsichtlich der Skalierbarkeit und Betriebskosten.
eingestellt worden. Chinas Ansatz konzentriert sich auf Einsätze in seichten Gewässern, die nach Ansicht der Entwickler die Kosten senken und die Wartung vereinfachen könnten. Dennoch wird die Ausweitung des Modells die Bewältigung technischer und betrieblicher Risiken erfordern.
Vorerst dürften Unterwasser-Rechenzentren die herkömmliche Infrastruktur eher ergänzen als ersetzen, da die Nachfrage nach KI-Rechenleistung weiter steigt.
Lesen Sie auch: Chinas neue Schulungszentren für humanoide Roboter zeigen, wie Robotikunternehmen Maschinen mithilfe von Wiederholungen und Simulationen unter realen Bedingungen auf praktische Aufgaben vorbereiten.


