Das Einkaufen mit KI entwickelt sich von „Was sollte ich kaufen?“ zu „Soll ich den Bot das für mich kaufen lassen?“
Visa und OpenAI arbeiten daran, ChatGPT-Agenten Zahlungsfunktionen bereitzustellen – ein Schritt, der KI-Systemen ermöglichen könnte, mit weniger direkter Eingabe durch die Nutzer zu suchen, Empfehlungen abzugeben und schließlich Käufe abzuschließen. Die Initiative deutet auf ein größeres Wettrennen hin, KI-Agenten nicht nur zum Beantworten von Fragen, sondern auch zur Abwicklung von Transaktionen nutzbar zu machen.
„Als KI-Agenten zu aktiven Teilnehmern der Wirtschaft werden, liegt der Fokus von Visa darauf, sicherzustellen, dass Transaktionen vertrauenswürdig, sicher und nahtlos ablaufen“, sagte Visas Chief Product and Strategy Officer Jack Forestell in einer Pressemitteilung.
Auf die Ankündigung folgen mehrere Fragen – von der Anfälligkeit für Betrug und dem Schutz finanzieller Daten bis hin zu möglichen Gebühren, die Nutzer und Händler zahlen müssen. Auf einige gibt es Antworten, andere sind noch offen.
Von Empfehlungen zu autonomen Transaktionen
Die KI-Branche hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass große Sprachmodelle (LLMs) Medien erstellen, Code generieren, Dokumente zusammenfassen und einige äußerst komplexe Fragen beantworten können. Die nächste Herausforderung könnte darin bestehen, ob sie den Handel zuverlässig abwickeln können – und ob Verbraucher denselben Systemen vertrauen werden, Käufe zu tätigen.
Der Wandel mag schrittweise erscheinen, doch laut Visas Global Head of Growth, werden Integrationen wie diese es „OpenAI und mit der Zeit auch anderen Plattformen ermöglichen, bessere Nutzererlebnisse zu schaffen“.
Amazon macht bereits etwas Ähnliches mit Alexa for Shopping, einem in das Amazon-Ökosystem integrierten Einkaufsagenten. Amazon zufolge kann der Agent ausführliche Empfehlungen geben, Produktpreise verfolgen und mithilfe der verknüpften Karten der Nutzer Bestellungen aufgeben.
Ein größerer Kampf um die Zukunft des Online-Shoppings
Die Ankündigung ist Teil eines branchenweiten Vorstoßes, KI-Agenten eine „zunehmend wichtige Rolle dabei spielen zu lassen, Menschen bei der Erledigung von Aufgaben zu unterstützen, bei denen es um Geld geht,“, so Marco Mahrus, Head of Partnerships and Commerce bei OpenAI.
Für Visa liegt die Chance darin, zur Zahlungsebene für diese KI-gestützten Erlebnisse zu werden. OpenAI ist eine führende KI-Plattform. Wenn die Nutzer des Unternehmens damit beginnen, seine Agenten mit dem Einkaufen und anderen Routineaufgaben zu betrauen, könnte Visa zu einem zentralen Akteur in einer neuen, von autonomer Software angetriebenen digitalen Wirtschaft werden.
Die Strategie zieht bereits Konkurrenz an. Laut The Associated Press hat auch Mastercard ein ähnliches Angebot eingeführt. Das deutet darauf hin, dass das Wettrennen um die Infrastruktur für den KI-Handel gerade erst beginnt.
Noch offene Fragen
Visa und OpenAI haben zwar Teile des KI-Einkaufserlebnisses umrissen, doch einige Details bleiben unklar. Die Unternehmen haben bislang nicht genau erklärt, wie Streitfälle gehandhabt werden sollen, wenn ein KI-Agent einen falschen Kauf tätigt oder missverstandene Anweisungen ausführt.
Auch der Datenschutz dürfte für Aufsehen sorgen – und zwar möglicherweise in erheblichem Maße. Je mehr Verantwortung Nutzer an KI-Systeme abgeben, desto mehr Daten müssen diese Systeme möglicherweise abrufen können, darunter Ausgabengewohnheiten, Präferenzen und Kaufhistorien.
Auch zu den Kosten und zur Beteiligung der Händler sind Fragen offen. Im vergangenen Jahr startete OpenAI Instant Checkout. Die Funktion war jedoch aufgrund der Gebühr, die Händler dafür zahlen mussten, weitgehend erfolglos und wurde im März eingestellt.
Der Erfolg der Partnerschaft dürfte davon abhängen, wie klar Visa und OpenAI Fragen zu Gebühren, Streitfällen, Datenschutz und der Kontrolle durch die Nutzer beantworten.
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