Google Cloud hat mit dem CRM-Riesen Salesforce einen auf sieben Jahre angelegten Vertrag über 2,5 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Damit bauen die Unternehmen ihre langjährige Partnerschaft deutlich aus. Der Deal ermöglicht es Salesforce-Kunden, die Produkte des Unternehmens, darunter die KI-Agenten von Agentforce, auf der Infrastruktur von Google Cloud zu betreiben, und führt zugleich eine Reihe neuer Integrationen ein.
Eine wichtige Erweiterung ist die Integration von Googles Gemini-KI in Agentforce. Dadurch können Kunden Bild-, Audio- und Video-Prompts für komplexere Aufgaben eingeben. So könnte beispielsweise ein Versicherungskunde bei der Schadensmeldung Fotos des Schadens hochladen, woraufhin der KI-Agent bei der Beurteilung ihrer Echtheit helfen könnte.
KI-gestützte Erkenntnisse und erweiterte Cloud-Angebote
Salesforce-KI-Agenten erhalten über die Google-Suche Echtzeiteinblicke in Vertex AI, die aktuelle Erkenntnisse und Quellenangaben liefern. Dies baut auf einer bereits bestehenden Verbindung wie Google BigQuery auf, die es KI-Agenten ermöglicht, auf Grundlage umfangreicher Unternehmensdaten Aktionen auszuführen.
Diese Funktionen könnten sich für das Lieferkettenmanagement als wertvoll erweisen. KI-Agenten können dort potenzielle Störungen – etwa durch Wetterbedingungen oder überlastete Häfen – proaktiv erkennen und gleichzeitig Sendungen und Lagerbestände verfolgen.
Darüber hinaus wird Salesforce Service Cloud nun in Googles Customer Engagement Suite integriert. Dadurch stehen KI-gestützte Kundenservice-Tools wie Echtzeit-Sprachübersetzung und intelligente Empfehlungen für Servicemitarbeiter zur Verfügung. Alle Salesforce-Produkte werden außerdem im Google Cloud Marketplace angeboten.
Laut einem Bericht von Bloomberg will Google Cloud diese Integrationen nutzen, um Salesforce-Kunden zu gewinnen, die derzeit Microsoft-Produkte einsetzen. Google-Cloud-CEO Thomas Kurian sagte in einer Pressemitteilung, dass „gemeinsame Kunden“ nach einer engeren Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen gefragt hätten.
Salesforces Cloud-Strategie und Bedarf an KI-Rechenleistung
In der vergangenen Woche deuteten Berichte darauf hin, dass Salesforce mit Microsoft und Oracle sowie Google über einen Cloud-Deal im Wert von einer Milliarde US-Dollar zur Unterstützung seines KI-Rechenbedarfs verhandelte; Salesforce-CEO Marc Benioff wies dies auf X jedoch umgehend zurück, und stellte klar, dass sich sein Unternehmen bereits 2024 für Google Cloud entschieden hatte.
Salesforce und Google arbeiten seit mehr als 15 Jahren zusammen. 2023 integrierten die Unternehmen ihre KI-Assistenten – Googles Duet AI und Salesforces Einstein Copilot – gemeinsam in Slack und Tableau. Eine Partnerschaft mit Microsoft erscheint angesichts Benioffs früherer Kritik an Microsofts Copilot-KI ebenfalls unwahrscheinlich.
„Salesforce könnte seine Anwendungen überall hosten“, sagte Kurian gegenüber Bloomberg. „Aber ich glaube, sie erkennen die Qualität unserer Technologie.“
Der Bedarf von KI-Agenten an mehr Rechenleistung
Salesforces Umstellung auf KI-gestützte Agenten steigert den Bedarf des Unternehmens an Rechenressourcen. KI-Agenten, bei denen es sich um halbautonome generative KI-Modelle handelt, können mit Anwendungen interagieren und komplexe Aufgaben in unstrukturierten Umgebungen ausführen. Salesforce setzt KI-Agenten beispielsweise ein, um mit Agentforce potenzielle Kunden telefonisch zu kontaktieren.
Salesforce drängt mit neuen Veröffentlichungen von KI-Agenten darauf, eine führende Position im Bereich der KI-Agenten einzunehmen, darunter Einsteins Copilot „Actions“ und Agentforce 2.0. Bloomberg zufolge belasten diese Fortschritte die Rechenkapazitäten von Salesforce und veranlassen das Unternehmen, zusätzliche Cloud-Partnerschaften zu suchen.
Neben Google Cloud setzt Salesforce seit 2016 auf Amazon Web Services als primären Cloud-Anbieter und weitete seine Rechennutzung bei AWS Ende 2023 aus. Derzeit können Salesforce-Kunden ihre Workloads in den eigenen Rechenzentren von Salesforce, bei AWS oder bei Alibaba ausführen – Google Cloud soll bald als vierte Option hinzukommen.


