Nachdem Apple jahrelang zusehen musste, wie ChatGPT, Gemini und Claude die Aufmerksamkeit auf sich zogen, entwickelt das Unternehmen Berichten zufolge eine vollwertige eigenständige Siri-App für iOS 27 – eine App, die den KI-Chatbots, mit denen Apple seit Langem nur schwer konkurrieren kann, in Aussehen, Bedienung und Funktionsweise stark ähnelt.
Die App mit dem internen Codenamen „Campos“ soll beim Start von iOS 27 später in diesem Jahr auf dem Home-Bildschirm deines iPhones erscheinen. Laut Bloomberg wird sie erstaunlich vertraut aussehen – man stelle sich Apples Nachrichten-App vor, nur für Unterhaltungen mit Siri. Chatblasen, ein Texteingabefeld, der Verlauf vergangener Unterhaltungen, angeheftete Chats – das volle Programm.
Nutzer können zwischen Sprache und Text wechseln, Fotos und Dokumente zur Analyse hochladen und alte Unterhaltungen genau dort fortsetzen, wo sie aufgehört haben. Beim Start eines neuen Gesprächs schlägt Siri auf Grundlage der bisherigen Nutzung Eingabeaufforderungen vor, um den Einstieg zu erleichtern.
Das ist eine grundlegende Abkehr von der Siri, die die meisten iPhone-Nutzer heute kennen, einem Sprachassistenten, der dich vergisst, sobald du aufhörst, mit ihm zu sprechen.
Warum jetzt?
Der Zeitpunkt ist kaum zu übersehen. ChatGPT kann inzwischen mehr als 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer vorweisen, und Google hat Gemini bereits tief in Android integriert. KI-Apps von Drittanbietern dominieren regelmäßig die oberen Ränge der App-Store-Charts. Apple, so das Argument, konnte nicht länger so tun, als würde die Chatbot-Welle nicht stattfinden.
Apples Softwarechef Craig Federighi hatte sich noch im vergangenen Jahr gegen die Chatbot-Ausrichtung ausgesprochen. Bloomberg berichtete , dass Federighi Tom’s Guide gesagt habe, er wolle Nutzer nicht „in irgendeine Chat-Erfahrung schicken, um Dinge zu erledigen“. Diese Haltung scheint aufgegeben worden zu sein.
Was die neue Siri tatsächlich kann
Die Liste der gemeldeten Funktionen ist umfangreich. Zu den erwarteten Möglichkeiten gehören:
- Dialoge im Wechsel: Mehrstufige Anschlussfragen statt nur einmaliger Antworten.
- Websuche mit visuellen Ergebnissen: Zusammenfassungen, Aufzählungen, Bilder und Inhalte von Apple News.
- Analyse von Dateien und Dokumenten: Ein PDF oder Foto hochladen und Siri dazu befragen.
- Bild- und Inhaltserstellung: Entwürfe, Zusammenfassungen, KI-Illustrationen.
- Tiefer Zugriff auf persönliche Daten: E-Mails, Nachrichten, Notizen und Kalenderereignisse, um Anfragen auszuführen.
- Bildschirmerkennung: Siri kann sehen, was auf deinem Display angezeigt wird, und darauf reagieren.
- App-Steuerung: Aufgaben über mehrere Apps hinweg mithilfe von Apples App-Intents-Framework ausführen.
- Spotlight-Ersatz: Siri soll die aktuelle systemweite Suche ersetzen.
- Chatverlauf: Eine Listen- oder Rasteransicht deiner bisherigen Interaktionen, damit du dort weitermachen kannst, wo du aufgehört hast.
- Angeheftete Unterhaltungen: Die Möglichkeit, deine häufigsten oder wichtigsten Chats oben anzuheften.
Eine der interessanteren Neuerungen ist eine „Siri fragen“-Schaltfläche, die in Menüs integrierter Apps erscheinen und es Nutzern ermöglichen soll, Inhalte direkt in eine Siri-Unterhaltung zu senden. Außerdem gibt es über der Tastatur den Kurzbefehl „Mit Siri schreiben“, der Apple Intelligence’ Schreibwerkzeuge einblendet – eine Funktion, die laut Bloomberg in iOS bisher nur schwer zu finden war.
Dynamic Island ist ebenfalls dabei
Die neue Siri soll voraussichtlich auch in der Dynamic Island präsent sein. Laut Bloomberg testet Apple eine Version, bei der die Aktivierung von Siri ein leuchtendes Symbol und während der Verarbeitung einer Anfrage die Bezeichnung „Suche läuft“ in der Dynamic Island auslöst. Sobald die Ergebnisse bereitstehen, erweitert sich die Oberfläche zu einem größeren durchscheinenden Panel; zieht man dieses nach unten, öffnet sich die vollständige Chat-Ansicht.
Allerdings warnte Bloomberg, dass sich das endgültige Design noch ändern könnte, und wies darauf hin, dass Apples Interface-Team üblicherweise mehrere Optionen testet, bevor eine Entscheidung fällt.
Integration von Chatbots anderer Anbieter
Apple legt die Nutzer nicht auf eine einzige Option fest. MacRumors berichtet, dass „Apple Drittanbieter-KI-Chatbots die Integration in Siri unter iOS 27 erlauben wird.“ Ein iPhone-Nutzer, auf dessen Gerät die Claude- oder Gemini-App installiert ist, kann Fragen an Siri senden, die an diese Chatbots weitergeleitet werden.
Laut MacRumors können iPhone-Nutzer „über eine neue Option ‚Erweiterungen‘, die im Bereich ‚Siri und Apple Intelligence‘ der Einstellungen-App eingeführt wird, auswählen, welche Dienste sie innerhalb von Siri nutzen möchten“.
Eine offene Frage ist, wie viel sich Siri merken wird. ChatGPT, Gemini und Claude behalten alle Erinnerungen an vergangene Unterhaltungen. Laut MacRumors diskutiert Apple intern noch darüber, wie viel sich der Siri-Chatbot merken sollte und ob ein dauerhaftes Gedächtnis mit den Datenschutzverpflichtungen des Unternehmens kollidiert.
Wann ist es verfügbar?
Apple wird die neue Siri voraussichtlich auf der WWDC am 8. Juni 2026 vorstellen – zusammen mit den ersten Entwickler-Betas von iOS 27, iPadOS 27 und macOS 27.
Eine Veröffentlichung für die Allgemeinheit wird im September 2026 erwartet, wobei einige Funktionen in späteren Updates hinzukommen könnten. Eine plattformübergreifende Synchronisierung über iCloud ist ebenfalls geplant. Das bedeutet, dass deine Siri-Unterhaltungen dich zwischen iPhone, iPad und Mac begleiten würden.
Außerdem lesen: Unser Spickzettel zu Apple Intelligenceschlüsselt die Funktionen und unterstützten Geräte auf und zeigt, wie sich Apples KI-Stack im Vergleich zur Konkurrenz schlägt.


