Wisst ihr noch, als alle sagten, KI würde nur Tech-Jobs ersetzen? Wie sich herausstellt, haben sie nur die Spitze des Eisbergs betrachtet.
MIT und das Oak Ridge National Laboratory haben gerade Project Iceberg veröffentlicht, eine gewaltige Simulation, die 151 Millionen US-Arbeitnehmer anhand von 32.000 Fähigkeiten und 923 Berufen erfasst hat, um herauszufinden, welche Jobs KI bereits heute automatisieren kann.
Die Ergebnisse = KI kann derzeit technisch gesehen 11,7 % der amerikanischen Erwerbsbevölkerung ersetzen … und damit Löhne in Höhe von 1,2 Billionen US-Dollar betreffen. Das ist keine Prognose für 2030. Das ist mit der aktuellen Technologie möglich.
Hier kommt der Haken: Wenn man nur betrachtet, wo KI tatsächlich eingesetzt wird (hauptsächlich in der Datenverarbeitung und im Tech-Bereich), scheinen gerade einmal 2,2 % der Jobs betroffen zu sein. MIT nennt das den „Surface Index“. Unter der Oberfläche lauert geistige Arbeit im Finanzwesen, im Gesundheitswesen und in Verwaltungsberufen, die KI automatisieren könnte, es aber noch nicht tut.
Das hat alles verändert
Das Model Context Protocol (MCP). Bis Ende 2024 KI-Assistenten außerhalb eures Arbeitsökosystems fest, ohne Zugriff auf eure tatsächlichen Tools. Anthropics MCP hat das geändert – es ermöglicht jedem KI-Modell, sich über standardisierte Verbindungen mit jeder Datenquelle und jedem Tool zu verbinden.
Die Explosion ging schnell vonstatten. Im März 2025 gibt es mehr als 7.950 MCP-Server zur Verfügung. KI-Agenten können jetzt autonom Kalender prüfen, Räume buchen, Einladungen verschicken, Projektpläne aktualisieren und Finanzberichte erstellen. Project Iceberg erfasst jeden dieser Server und ordnet sie in Echtzeit den Fähigkeiten von Arbeitskräften zu.
Wendung: Die größten Auswirkungen zeigen sich nicht im Silicon Valley. Bundesstaaten im Rust Belt wie Ohio, Michigan und Tennessee sind besonders gefährdet, weil geistige Arbeit zur Unterstützung der Fertigung (Finanzanalyse, administrative Koordination, professionelle Dienstleistungen) stark automatisierbar ist. Wenn ihr in diesen Branchen und Bundesstaaten arbeitet, teilt diesen Bericht lieber nicht mit eurem Chef …
Das sagen die Experten: Eine Studie mit 339 Superprognostikern und KI-Experten (das Longitudinal Expert AI Panel) prognostiziert, dass 18 % der Arbeitsstunden mithilfe von KI erledigt werden – und damit nahe an MITs aktuellem Wert von 11,7 % liegen. Ihre Einschätzungen wirken daher in der Tendenz richtig.
Warum das wichtig ist
Project Iceberg ist ein Frühwarnsystem. Staaten nutzen es bereits, um gefährdete Fähigkeiten zu identifizieren und Umschulungsprogramme aufzubauen. Die Frage ist nicht, ob KI die Arbeitswelt verändern wird, sondern ob wir die Infrastruktur schaffen, um 21 Millionen potenziell verdrängte Arbeitnehmer aufzufangen, bevor der Eisberg aufschlägt. Den Rest könnt ihr hier lesen.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Newsletter unserer Schwesterpublikation The Neuron. Weitere Beiträge von The Neuron könnt ihr lesen, wenn ihr euch hier für den Newsletter anmeldet.


