In den vergangenen Jahren lag ein erheblicher Fokus auf Phishing, Ransomware und anderen Bedrohungen, die Online-Nutzer angreifen. Angesichts der Zunahme dieser Aktivitäten ist dieser Fokus sicherlich sinnvoll. Dennoch darf man die eher „traditionellen“ Angriffsarten wie Distributed Denial of Service (DDoS).
DDoS-Angriffe sorgen seit Jahrzehnten für Chaos bei Sicherheitsexperten und es gibt keine Anzeichen für ein Abflauen. Tatsächlich nehmen sowohl die Zahl der DDoS-Angriffe als auch ihr Umfang weiter zu.
Um die Bedrohung besser zu quantifizieren, hat der Serviceprovider Lumen kürzlich seinen aktuellen DDoS-Bericht veröffentlicht. Die vierteljährliche Studie befasste sich mit der Sicherheitslage im 2. Quartal 2022, insbesondere mit Distributed-Denial-of-Service-Angriffen (DDoS), bei denen Cyberkriminelle versuchen, den Internetzugang von Nutzern zu unterbrechen.
Angesichts der Cloud-first-, Mobil- und Hybrid-Arbeitsumgebungen, in denen sich die meisten Unternehmen befinden, kann der Verlust des Internetzugangs Unternehmen Millionen, wenn nicht sogar Milliarden, kosten.
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Die wichtigsten Ziele: Technologie, Telekommunikation und Gaming
Die Daten stammen vom DDoS-Team von Lumen und dem Threat-Research-Team Black Lotus Labs und wurden auf wichtige Erkenntnisse hin analysiert. Im 2. Quartal 2022 konnte Lumen 4.572 Angriffe abwehren. Das multinationale Technologieunternehmen wehrte im Durchschnitt 50 Angriffe täglich ab; am 8. und 13. April wurde mit 111 beziehungsweise 108 Angriffen die höchste Zahl verzeichnet.
Angriffe ereigneten sich am häufigsten dienstags und donnerstags und am seltensten sonntags. Die drei am häufigsten angegriffenen Branchen unter den 500 größten Angriffen waren Telekommunikation, Software und Technologie sowie Gaming.
Im Laufe des Quartals wehrte Lumen einen seiner bislang größten Bandbreitenangriffe mit 1,06 Terabit pro Sekunde (Tbps) ab. Der Angriff war Teil einer größeren Kampagne gegen einen von einem Telekommunikationsanbieter gehosteten Gaming-Dienst, der Kunde des Lumen DDoS Mitigation Service ist. Laut Lumen verzeichnete der Gaming-Dienst trotz der Größe und Komplexität des Angriffs keinen Ausfall.
Angriffe nach dem Muster „Zuschlagen und verschwinden“ können unbemerkt bleiben
Alle Aktivitäten fanden eine Woche vor dem 1-Tbps-Angriff statt. Das bedeutet, dass der Angreifer verschiedene Methoden testete, um die Netzwerkabwehr des Gaming-Dienstes zu ermitteln. Diese Techniken werden im Bericht als neuartige „Zuschlagen-und-Verschwinden“-Angriffe bezeichnet.
Bei dieser Technik werden Opfer mit einer Reihe aufeinanderfolgender oder gleichzeitig stattfindender Angriffe attackiert, die sowohl hinsichtlich ihrer Größe als auch ihrer Dauer begrenzt sind. Bedrohungsakteure nutzen die Ergebnisse dieser frühen Angriffe, um die Abwehr eines Unternehmens zu bewerten und die Angriffsmethode zu bestimmen, die am wahrscheinlichsten zum Erfolg führt.
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Cloud-Dienste werden inzwischen für groß angelegte Angriffe genutzt
Ein weiterer interessanter Trend, den Lumen aufgedeckt hat, ist die Zunahme von Angriffen, bei denen die Cloud ausgenutzt wird. Bedrohungsakteure nutzen Cloud-basierte Dienste auf betrügerische Weise, entweder über kompromittierte Hosts oder Anonymisierungsdienste. Cloud-Provider’ Ressourcen werden anschließend genutzt, um volumetrische Angriffe gegen die vorgesehenen Opfer zu starten.
Dies führt zu einer interessanten Situation, da sowohl für den Cloud-Provider als auch für das Opfer ein Risiko entsteht. Unternehmen müssen sich zwar sorgfältig gegen DDoS-Angriffe schützen, doch auch Cloud-Provider müssen sicherstellen, dass ihre Dienste nicht missbraucht werden.
Im Bericht gibt Lumen Organisationen, die cloudbezogene Angriffe vermeiden möchten, Tipps. Dazu gehört etwa, sicherzustellen, dass Konten durch Multifaktor-Authentifizierung geschützt sind. Auch in der Cloud gehostete Dienste sollten stets auf dem neuesten Stand gehalten werden. Wird verdächtige Aktivität festgestellt, sollten Organisationen Maßnahmen ergreifen, um einen potenziellen Angriff einzudämmen, etwa indem sie Zugangsdaten ändern und betroffene Hosts unter Quarantäne stellen.
VoIP-Provider im Visier von DDoS-Angriffen
Ein Trend, der sich seit dem vergangenen Jahr fortsetzt, ist die Zunahme von Angriffen auf VoIP-Provider. Lumen beobachtete im Vergleich zum 1. Quartal 2022 einen Anstieg der Angriffe auf das Session Initiation Protocol (SIP) um 315 Prozent und im Vergleich zum 3. Quartal 2021 um 475 %. SIP-Angriffe beeinträchtigen die VoIP-Infrastruktur, indem sie diese mit einem hohen Datenverkehrsvolumen überlasten.
Insgesamt bleiben SIP-Angriffe im Vergleich zu bewährten Methoden zur Unterbrechung von VoIP-Diensten wie TCP-SYN-Flooding und UDP-basierter Verstärkung jedoch selten.
Die meisten Organisationen nutzen heute Cloud-Anwendungen, um mit Kunden und Mitarbeitern zu interagieren. Lumen empfiehlt Organisationen, eine DDoS-Abwehr einzurichten, um zu verhindern, dass Bedrohungsakteure groß angelegte Angriffe starten. Die Überwachung des Netzwerkverkehrs hilft beispielsweise nicht nur dabei, einen Angriff zu erkennen, sondern kann auch zeigen, ob die Organisation als Proxy bei einem Angriff auf jemand anderen eingesetzt wird. Angriffstaktiken werden immer invasiver und unauffälliger. Daher ist ein ganzheitlicher Schutz unerlässlich, damit die Geschäftsfunktionen ohne Unterbrechung fortgeführt werden können.
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Über die Unternehmensinfrastruktur hinaus
DDoS-Angriffe sind nicht neu, aber sie verändern sich. Unternehmen müssen nicht mehr nur ihr internes Netzwerk schützen. Der Bericht von Lumen zeigt, wie Bedrohungsakteure inzwischen über die Unternehmensinfrastruktur hinausgehen und ihre Reichweite auf Cloud-Dienste ausdehnen, denen Unternehmen als sicheren Umgebungen vertrauen.
Cloud-Provider leisten zwar hervorragende Arbeit bei der Abwehr von Angriffen, sind aber nicht perfekt. Unternehmen müssen daher über eigene Mechanismen verfügen, um sich gegen diesen wachsenden Angriffsvektor zu schützen.
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