Mitarbeiterjob? Hände hoch, wenn ihr Zahlungsimplantate mögt

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Verfasst von
Zephin Livingston
Zephin Livingston
Sep 22, 2022
4 minute read
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In den klassischen Cyberpunk-Landschaften von William Gibsons Neuromancer oder dem beliebten Rollenspiel Shadowrun, hatte die verzweifelte Bevölkerung, die unter dem Stiefel von Megakonzernen zu kämpfen hatte, zwei kleine Annehmlichkeiten, an denen sie sich festhalten konnte.

Die erste waren die rauen, neongetränkten Stadtlandschaften, die das Leben in der Dystopie cool erscheinen ließen, sofern man nichts gegen die dunkle urbane Ausdehnung hat.

Die zweite waren Körpermodifikationen, die voll im Trend lagen. Von in den Unterarmen verborgenen Klingen bis hin zu Augen, die drei verschiedene visuelle Spektren wahrnehmen konnten, gab es zahlreiche Implantate und Modifikationen, mit denen sich die Bewohner der Cyberpunk-Welt in jede gewünschte Art von Mensch verwandeln konnten.

Also haben wir in unserer irgendwie-cyberpunkigen Dystopie der realen Welt natürlich dieses wunderschön transhumanistische Konzept aufgegriffen und daraus ein Kreditkartenimplantat gemacht.

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Kontaktlose Transaktionen werden körperlich

Walletmor ist ein europäisches Unternehmen, das chirurgische Implantate verkauft, mit denen sich kontaktlose Finanztransaktionen ohne Kredit- oder Debitkarte durchführen lassen. Es soll genauso funktionieren wie eine Karte, die man zum Bezahlen an ein Lesegerät hält. Zum Einsatz kommt dieselbe Nahin­feldkommunikation-Technologie (NFC) wie bei einer modernen Kreditkarte; aktiviert wird sie jedoch nur, wenn sie mit einem autorisierten Zahlungsterminal in Kontakt kommt.

Obwohl Walletmor 2020 gegründet wurde, wurde laut einem BBC-Artikel über die Technologie bereits 2019 mindestens einer Person das Implantat eingesetzt. Nach Angaben des Unternehmens war es 2021 das erste Unternehmen, das ein solches Produkt zum Verkauf anbot. Im August 2022 gab das Unternehmen den 1.000. Verkauf dieses Implantats an einen „männlichen Walletmor-Botschafter“ in Finnland bekannt.

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Nach dem Einsetzen in ihr Handgelenk verknüpfen Nutzer das Implantat mit einer App namens Purewrist. Purewrists Prepaid-Mastercard kann anschließend vom Bankkonto oder von Debitkarten mit Geld aufgeladen und für verschiedene Finanztransaktionen verwendet werden. Purewrist bietet dieselbe kontaktlose, kartenlose Zahlungslösung wie das Implantat von Walletmor ebenfalls an – allerdings mit einem Armband statt eines Implantats.

In puncto Sicherheit behauptet Walletmor, sein Produkt sei aus zwei Gründen sicherer als herkömmliche Kredit- oder Debitkarten: Erstens gibt es keine Kartendaten, die Diebe fotografieren oder abschreiben und später zum Stehlen eures Geldes verwenden könnten, da sich das Implantat in eurem Handgelenk befindet. Zweitens könnt ihr das Implantat nicht auf dieselbe Weise verlieren wie eine Kredit- oder Debitkarte – es sei denn, ihr lasst es oder euren Unterarm entfernen.

Allerdings ist das Implantat selbst nicht die einzige mögliche Schwachstelle des Produkts. Wenn die Transaktionen über eine App wie Purewrist laufen, ist die Sicherheit eurer persönlichen Daten nur so gut wie die Cybersicherheitsstandards von Purewrist. Das unterscheidet sich allerdings nicht davon, die Kartendaten bei Venmo oder Paypal zu speichern.

Allerdings ersetzt das Implantat eure Kredit- oder Debitkarte auch nicht vollständig. Wie erwähnt, ist die App mit einer Prepaid-Mastercard verknüpft, was bedeutet, dass ihr eure Karten weiterhin zum Aufladen des Guthabens benötigt. Insgesamt scheint sich der Vorgang nicht wesentlich davon zu unterscheiden, eine Visa-Geschenkkarte für sich selbst zu kaufen und sie fortlaufend mit Geld aufzuladen – abgesehen von dem invasiven chirurgischen Eingriff.

Walletmor versichert den Nutzern, dass seine Technologie „kein GPS und keine Systeme enthält, mit denen ihr ausspioniert oder euer Standort verfolgt werden kann“.

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Gibt es hier Potenzial?

Kurz gesagt: absolut. Mikrochip-Implantate gibt es seit 1998, doch ihre breite Verbreitung ist noch relativ neu. Das hohe Risiko, die Einstiegshürden und die potenzielle Invasivität der Technologie haben die Begeisterung der Kunden bislang gedämpft. 

Dennoch gibt es bereits zahlreiche Anwendungen für diese Technologie. Menschen haben Implantate schon genutzt, um persönliche Daten, Adressbücher und Krankengeschichten zu speichern. Bei manchen Chips kann außerdem ein Licht aufleuchten, wodurch die Menschheit der echten Biolumineszenz so nahekommt wie vermutlich nie zuvor – einer der coolsten evolutionären Errungenschaften der gesamten Natur.

Im Fintech-Bereich für B2B-Anwendungen gibt es derzeit nicht viel, worauf man sich stürzen könnte. Die wahrscheinlichsten Einsatzmöglichkeiten in diesem Sektor lägen in der Zugangskontrolle. Leider ist der Einsetzungsprozess zu invasiv, um die Technologie sinnvoll in großem Maßstab einzusetzen, und alle anderen derzeit praktikablen Anwendungsfälle fallen eher in den Bereich der individuellen als der organisatorischen Nutzung. Das ist vielleicht der Grund, warum Walletmor seit 2021 bis zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung nur 1.000 dieser Implantate verkauft hat.

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Damit diese Implantate auf Unternehmensebene praktikabel wären, müsste es Möglichkeiten geben, den Implantationsprozess so narrensicher, kostengünstig und zugänglich wie möglich zu machen. Selbst in Ländern mit einer ausgezeichneten Gesundheitsversorgung wie Südkorea oder Japan ist dies jedoch noch nicht der Fall.

Realistisch betrachtet könnte es an diesem Tisch schlicht keinen Platz für B2B-Technologie geben. Die für das Implantat erforderliche Operation und die Tatsache, dass es Teil des Körpers einer Person ist, rücken die Technologie eher in Richtung eines persönlichen Produkts für Endverbraucher.

Leider sind wir von einer Zukunft wie in Cyberpunk 2077 mit leicht verfügbaren Körpermodifikationen und Implantaten noch weit entfernt. Aber vielleicht können wir in naher Zukunft unseren Starbucks-Kaffee mit dem Handgelenk bezahlen. Oder zumindest manche Menschen. Ich für meinen Teil werde mich wahrscheinlich weiterhin darauf beschränken, mein kleines Stück Plastik in das Gerät zu schieben, bis es piept.

Als Nächstes: Visas Michael Jabbara über Cybersicherheit und digitale Zahlungen

Zephin Livingston

Zephin Livingston is a content writer for eWeek, eWeek UK, IT Business Edge, and SoftwarePundit with years of experience in multiple fields including cybersecurity, tech, cultural criticism and media literacy. They're currently based out of Seattle.

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