Diese Woche veranstaltete der Anbieter hochleistungsfähiger Netzwerke Arista Networks das digitale Event „Cloud Innovators“. Das Unternehmen hat solche Veranstaltungen bereits früher genutzt, um wichtige Produktankündigungen zu machen, und auch dieses Event bildete keine Ausnahme: Arista kündigte seinen Netzwerk-Data-Lake an, der in der Produktsprache NetDL heißt.
NetDL ist der nächste Schritt in der Weiterentwicklung der Arista-Plattform und trägt dem Aufstieg der künstliche Intelligenz nutzenden Netzwerke Rechnung.
Arista war ein Pionier im softwaregesteuerten Netzwerkbetrieb
Arista kam als einer der ersten Anbieter auf den Markt, die auf ein zentralisiertes Softwaremodell umstiegen, bei dem das Betriebssystem EOS von der zugrunde liegenden Hardware entkoppelt war. Arista-Produkte wurden mit einer zentralisierten In-Memory-Zustandsdatenbank entwickelt, wodurch Netzwerke deutlich zuverlässiger und programmierbarer wurden.
Die zweite Phase der Arista-Weiterentwicklung begann 2016 mit der Veröffentlichung der Netzwerkdatenbank NetDB, einer Konsolidierung sämtlicher Daten aus Arista-Produkten. Dazu gehören Warnmeldungen, Datenflüsse, Paketinformationen, Datenverkehr der Control Plane und gestreamte Gerätezustände.
NetDB schuf eine zentrale Plattform für die Entwicklung von Anwendungen und Ökosystemen. Seit seiner Einführung besteht das Unterscheidungsmerkmal von Arista in einem einheitlichen Software-Image für alle Produkte, was die Entwicklung von NetDB erst möglich machte.
Fast alle anderen Anbieter haben separate Betriebssysteme für WAN, WLAN, Campus und andere Bereiche des Netzwerks. Die Erstellung einer netzwerkweiten Datenbank würde voraussetzen, die verschiedenen Informationsquellen aufzunehmen und zu normalisieren, was einen enormen Arbeitsaufwand erfordern würde
NetDL treibt die nächste Innovationswelle von Arista voran
NetDL übernimmt NetDB und fügt eine Reihe weiterer Datenquellen hinzu, darunter Internet- und Systeminformationen sowie Daten von Drittanbietern wie Zoom, Zscaler, VMware, Microsoft und Palo Alto Networks.
Damit verfügt Arista über eine deutlich umfassendere Datenbasis, die verarbeitet, analysiert und zur Ableitung operativer Erkenntnisse genutzt werden kann. NetDL lässt sich als „Single Source of Truth“ für Netzwerkdaten verstehen, die bessere forensische Analysen und Auswertungen für die Bedrohungssuche, Netzwerk-Paket-Broker, die Netzwerkerkennung und -reaktion, das Performance-Monitoring und die Überwachung der Anwendungserfahrung ermöglicht.
All diese Daten existieren seit Jahren, doch es fehlte das Bindeglied, das ihre heutige Interpretation ermöglicht – anders als in der Vergangenheit: der Aufstieg der künstlichen Intelligenz. NetDL ist eine gewaltige Datenmenge, und KI benötigt Daten, um effektiv zu sein. In der Datenwissenschaft gibt es das Axiom „Gute Daten führen zu guten Erkenntnissen“. Das stimmt zweifellos, doch unvollständige Daten führen eben auch zu unvollständigen Erkenntnissen.
Der Einsatz von KI mit NetDB könnte interessante Informationen über das Netzwerk zutage fördern, bliebe aber gegenüber den Auswirkungen dieser Erkenntnisse auf Cybersicherheit, Anwendungs-Performance und andere Bereiche blind.
KI plus NetDL ermöglicht eine schnellere Bedrohungssuche und Überwachung der Anwendungs-Performance
Bei voneinander getrennten Netzwerk- und Sicherheitssystemen können Angreifer in ein Netzwerk eindringen und sich langsam lateral darin bewegen. Dadurch bleiben sie unauffällig, da die Datenmenge für eine manuelle Analyse zu groß ist. Selbst wenn der Einbruch erkannt wird, kann es schwierig, wenn nicht sogar unmöglich sein, seine Quelle zu finden, denn die Rückverfolgung zu einem anderen Teil des Netzwerks erfordert die Korrelation von Daten aus mehreren Systemen. Wenn der Einbruch entdeckt wird, wurden Daten wahrscheinlich bereits exfiltriert.
NetDL erfasst alles im gesamten Netzwerk und in den Sicherheitssystemen und ermöglicht die Korrelation selbst kleinster Anomalien. Dadurch lässt sich die Quelle des Einbruchs ermitteln und die Neuprogrammierung des Netzwerks automatisieren, um den Schaden zu minimieren.
Ebenso könnte ein Zoom-Anruf, dessen Qualität unter den akzeptablen Schwellenwert fällt, eine Untersuchung des Netzwerks auslösen, um das Problem zu beheben und einzugrenzen. In einer kürzlich durchgeführten AIOps-Studie von ZK Research stellten wir fest, dass einige Ingenieure die Hälfte ihrer Zeit mit der Fehlersuche im Netzwerk verbringen.
Das liegt daran, dass die Fehlersuche in Netzwerken sehr schwierig sein kann – insbesondere in der Ära von Software-Defined Everything, Cloud und Mobilität, in der ein Problem in einem Gerät eine Kettenreaktion auslösen und andernorts weitere Probleme verursachen kann. Auf NetDL angewandte KI erkennt schnell, dass ein Anwendungsproblem vorliegt, und identifiziert anschließend ebenso schnell, an welcher Stelle des Datenverkehrswegs das Problem entstanden ist.
Autonome Netzwerke rücken in naher Zukunft in greifbare Nähe
Ein weiterer Vorteil von NetDL besteht darin, dass es Aristas autonomen virtuellen Assistenten AVA anreichert. Die Kombination aus AVA + NetDL kann den Netzwerkbetrieb von einem reaktiven zu einem proaktiven Modell verändern, da der virtuelle Agent das gesamte Netzwerk 24×7×365 überwachen und KI-/ML-Modelle nutzen kann, um vorherzusagen, wann ein Problem auftreten wird. AVA kann Netzwerkbetreiber dann durch die Behebung des Problems führen, bevor es sich auf das Geschäft auswirkt.
Die in dieser Woche angekündigten Partner sollten als Ausgangspunkt für NetDL betrachtet werden. Während des Events deutete Arista an, dass 2022 weitere Partner hinzukommen werden, darunter eine Reihe von Unternehmen – sowohl weitere strategische Partner als auch ISVs –, um markt-, kunden- oder anwendungsspezifische Erkenntnisse bereitzustellen.
Die IT-Branche existiert seit Jahrzehnten in Silos, doch dieses Modell funktioniert nicht mehr, da Anwendungen heute aus der Cloud bereitgestellt werden und Nutzer mobil sind. NetDL führt Daten aus dem „Full Stack“ zusammen, damit das Netzwerk nicht nur verstehen kann, was passiert ist, sondern auch, warum es passiert ist.


