Die Netzwerklandschaft hat sich in den vergangenen zwei Jahren dramatisch verändert: Remote-Arbeit, Cloud-Migration und containerbasierte Architekturen haben die Netzwerkinfrastruktur erweitert. Diese digitale Transformation setzt NetOps-Teams zusätzlich unter Druck, Transparenz in On-Premises-, Cloud- und hybriden Umgebungen zu schaffen, um die Performance des gesamten Netzwerks und der Anwendungen unabhängig vom Standort sicherzustellen.
Daher reichen herkömmliche Tools zur Überwachung der Netzwerk-Performance (NPM) für Unternehmen, die ihre Netzwerkdienste proaktiv planen, überwachen und optimieren oder Probleme mit der Netzwerk-Performance schnell erkennen und beheben möchten, nicht mehr aus.
Laut dem „Market Guide for Network Performance Monitoring 2021“ von Gartner werden „bis 2025 60 % der Unternehmen aufgrund der Zunahme von Remote-Arbeit und Cloud-Migration im Vergleich zu 2021 einen Rückgang des Bedarfs an herkömmlichen Netzwerküberwachungstools verzeichnen“.
Kurz gesagt können es sich Unternehmen nicht mehr leisten, dass es Lücken bei der Transparenz über ihre gesamte Infrastruktur hinweg gibt. Um diese Herausforderung zu bewältigen, müssen sie sicherstellen, dass ihre Infrastruktur für die Behebung von Problemen sowohl innerhalb als auch außerhalb des eigenen Standorts gerüstet ist. Außerdem müssen sie eine Kombination aus Datenquellen nutzen, um eine ganzheitliche End-to-End-Sicht auf das gesamte Netzwerk zu ermöglichen.
Wie lässt sich das erreichen? Sehen wir uns den Zustand von NPM und die Anpassungen genauer an, mit denen Transparenz in Cloud- und hybriden Umgebungen geschaffen werden soll.
Siehe auch: Der neue Fokus auf CloudOps: So kann die Cloud-Migration von Unternehmen gelingen
Datenquellen kombinieren, um Probleme zu erkennen
NPM-Tools nutzen eine Kombination aus Datenquellen, darunter von Netzwerkgeräten generierte Verkehrsdaten, Rohdaten von Netzwerkpaketen sowie von Netzwerkgeräten generierte Zustandsmetriken und Ereignisse, um Performance-Probleme zu überwachen, zu diagnostizieren und zu erkennen. Dazu gehört, NetOps-Teams forensische Daten zur Ermittlung der Ursache von Performance-Problemen sowie Erkenntnisse zur Endanwendererfahrung bereitzustellen.
Herkömmliche NPM-Tools konzentrieren sich auf das Kernnetzwerk und das Rechenzentrum und erfassen Informationen innerhalb des herkömmlichen Netzwerkperimeters. Verkehrstypen, Datenraten und Verkehrsmuster sind weitgehend bekannt – abgesehen von auftretenden Netzwerkanomalien.
Kunden mit On-Premises-Netzwerkdesigns verfügen über eine robuste, skalierbare und stabile Umgebung sowie dank Firewalls über zuverlässige WAN-Edge-Geräte und andere Netzwerkkomponenten. NPM-Tools kennen 99 % der möglichen auftretenden Probleme und überwachen und reagieren auf Grundlage dieser Analyse.
Da Kunden auf Cloud- und containerbasierte Architekturen (sowie auf andere Technologien wie SD-WAN und Microservices) umsteigen, ist es schwieriger geworden, Datenverkehr zu erfassen und Probleme zu isolieren. Heute benötigen Unternehmen Tools, die LAN, WAN und auch die Cloud überwachen können. Sehen wir uns daher die einzelnen Bereiche an, die diesen Wandel bei der Transparenz vorantreiben.
Netzwerke für Remote-Arbeit neu gestalten
Es ist kein Geheimnis, dass die Belegschaft im Homeoffice Unternehmen dazu veranlasst hat, ihre Netzwerkinfrastruktur neu zu gestalten. Bei diesen Änderungen werden Überwachung und Transparenz jedoch häufig nicht berücksichtigt.
So ist beispielsweise durch die Zunahme der Remote-Arbeit bei den meisten Großunternehmen die Zahl der Verbindungen, die über VPN-Konzentratoren oder Firewalls eingehen, enorm gestiegen. Diese Geräte und Netzwerkdesigns müssen an die größere Skalierung, den höheren Durchsatz und die gestiegene Zahl der Benutzerzugriffslizenzen angepasst werden.
Angesichts der zunehmenden Remote-Arbeit suchen Unternehmen nach NPM-Tools, die Verkehrsmuster, Auslastung und die Anwendungsnutzung an den VPN-Konzentratoren überwachen und analysieren können. NPM-Tools können inzwischen nützliche Daten (Flow, SNMP, API usw.) von diesen Geräten auslesen, um den Datenverkehr von Remote-Benutzern zu analysieren und zu überwachen.
Cloud-Migration und Cloud-natives Computing
Die Cloud-Migration läuft seit Jahren, hat sich aufgrund der jüngsten Ereignisse jedoch in atemberaubendem Tempo beschleunigt. Der Trend zu mehr cloudfähigen Anwendungen und Diensten, die möglicherweise nicht im Besitz der Unternehmen sind, erschwert Überwachung und Fehlerbehebung zusätzlich.
Beispielsweise gibt es Cloud-Lösungen von mehreren Cloud-Anbietern (wie Google, Amazon, Azure), die ebenfalls Dienste und Anwendungen bereitstellen, die auf ihrem Portal gehostet oder von anderen Anbietern als Managed Services verwaltet werden.
Bei dieser Mischung aus Anbietern kann es schwierig sein, die Art der nützlichen, auslesbaren Daten zu bestimmen, die NPM-Tools verstehen und überwachen können. NPM-Tools sind jedoch inzwischen in der Lage, rohe Cloud-Daten zu erfassen und in auslesbare IPFix-Daten umzuwandeln oder per API nützliche Berichte für Überwachung und Analyse zu erstellen.
Einige NPM-Tools verfügen über globale oder private Agents, die an verschiedenen Standorten in der Cloud eingesetzt werden und synthetischen Datenverkehr zur Überwachung und Analyse von Netzwerk-SLAs nutzen. Cloud-Anbieter versuchen ebenfalls, weitere Möglichkeiten (erweiterte API, Service-Tags usw.) zu schaffen, damit Rohdaten für NPM-Tools leichter zugänglich sind.
Containerbasierte Architekturen
Containerisierung und Microservices ermöglichen es Unternehmen, Software und ihre Abhängigkeiten in einer isolierten Einheit zu bündeln – entweder On-Premises oder in der Cloud. Transparenz in diese Dienste ist für das Performance-Management über eine Benutzerbasis hinweg entscheidend, unterscheidet sich jedoch aufgrund von Änderungen im Datenverkehr grundlegend.
NPM-Tools müssen auf die Rohdaten zugreifen, diese Informationen auslesen und nützliche Informationen aus diesen Containern und Microservices analysieren können, um die Daten in ein für Benutzer nutzbares Berichtsformat zu exportieren. Jeder Anbieter hat seine eigene Methode, um festzulegen, wie Container oder Dienste On-Premises oder in der Cloud gehostet werden und in welchem Format auf Rohdaten zugegriffen werden kann. Die meisten Anbieter stellen APIs für den Zugriff auf diese Daten bereit. NPM-Tools müssen lediglich dieses API-Format implementieren, um die Daten abzurufen.
Unterschiedliche Cloud-Lösungen hosten die End-to-End-Lösung auf unterschiedliche Weise. So unterscheiden sich beispielsweise die Bereitstellung eines NPM-Tools und das Auslesen von Rohdaten aus Amazon AWS grundlegend vom Hosting des Tools auf einer Google GCP platform. Die von verschiedenen Anbietern bereitgestellten Datenformate enthalten unterschiedliche Datenvariablen, Dienstnamen, Regionsformate usw. Hinzu kommen neue große private Enterprise-Cloud-Lösungen (etwa private Cloud-Lösungen von SAP oder Salesforce), die das Auslesen von Daten aus Unternehmen mit hybriden, in der Cloud gehosteten Umgebungen noch komplexer machen.
Der Wechsel zur Cloud und die sich verändernde Netzwerkarchitektur erhöhen den Stellenwert von NPM-Lösungen, die technologieübergreifend funktionieren. Dazu gehört die Erfassung von Streaming-Telemetrie, Flow-Daten, Paketdaten und SNMP, die für Ausgaben wie prädiktive Analysen, Echtzeitüberwachung, KI-/ML-gestützte Analysen und historische Analysen genutzt werden können.
Unternehmen müssen sich nun damit befassen, wie NPM-Tools neue gehostete Technologien sowie die Migration von einem On-Premises-Design zu einer vollständigen Cloud-Lösung unterstützen sollen.
Über den Autor:
Jubil Mathew ist Technical Engineer bei LiveAction


