Die letzte Grenze der amerikanischen Fischerei steht kurz davor, künstliche Intelligenz einzusetzen: Alaskas kommerzielle Fischereiflotte – die größte und wertvollste des Landes – testet Überwachungstechnologie, die revolutionieren könnte, wie wir Fänge erfassen und die Meeresressourcen schützen.
Die Alaska Longline Fishermen’s Association hat gerade einen Zuschuss von 485.000 US-Dollar von der National Fish and Wildlife Foundation erhalten, um KI-gestützte Überwachungssysteme bei Fischern mit stationären Fanggeräten in Alaska zu testen. Bei dem Projekt kommt das von Archipelago Marine Research entwickelte KI-Tool FishVue zum Einsatz. Außerdem umfasst das Projekt eine Partnerschaft mit der Pacific States Marine Fisheries Commission, um Schwarzen Heilbutt und Pazifischen Heilbutt in der Fischerei mit stationären Fanggeräten in Alaska zu überwachen.
Fischerei-Beobachter: Ein Krisenbereich
Weltweit sind gerade einmal 2.500 Fischerei-Beobachter damit betraut, Hunderttausende Fischereifahrzeuge zu überwachen. Das ist, als gäbe es für jeweils 40 Straßenblocks nur einen Sicherheitsmitarbeiter. In den USA kostet die Beschäftigung menschlicher Beobachter Fischer bis zu 800 US-Dollar pro Tag, ein Aufwand, der sie dazu zwingt, sich zwischen der Einhaltung von Vorschriften und dem eigenen Überleben zu entscheiden.
Untersuchungen haben gezeigt, dass bis zu ein Drittel des weltweiten Fischfangs möglicherweise nicht gemeldet wird – wenn Beobachter nicht überall sein können, wird Transparenz unmöglich. Das Label „wild gefangen“, für das Verbraucher einen Aufpreis zahlen? Eher Wunschdenken als überprüfte Tatsache.
Alaskas Projekt zur elektronischen Überwachung hat sich von einfachen Kameras zu intelligenten Systemen entwickelt, die tatsächlich genau sagen können, welches Boot Ihr Abendessen gefangen hat und ob die Besatzung dabei die Vorschriften eingehalten hat.
KI zählt Fische schneller und genauer
NOAA Fisheries erklärte, das System „erzeugt direkt auf See echte Daten“ und liefere so eine umfassende „Zählung“ statt einer Stichprobe der gefangenen und wieder freigelassenen Fische in der Heilbuttfischerei.
Wie umfassend? Ähnliche KI-Systeme erreichen bei der Identifizierung von Lachsen eine Genauigkeit von 90 % in British Columbia. Anderswo eingesetzte Smartphone-Apps zur Fischzählung können eine Genauigkeit von 95 % erreichen, sogar unter Wasser, und koreanische Fischereifahrzeuge kommen mit KI-Erkennungssystemen unter den Bedingungen auf See auf Erkennungsraten von 74,9 % bei den Arten.
Da die Algorithmen „lernen“, dürfte sich die Genauigkeit weiter verbessern. Doch nicht nur ihre Genauigkeit macht die Technologie effektiv. Ohne Automatisierung dauert die manuelle Auswertung von Videos Monate, um Fischzählungen zusammenzustellen – und bis dahin sind die Daten für Managemententscheidungen praktisch zu veraltet.
Was das für die Transparenz bei Meeresfrüchten bedeutet
Die Auswirkungen von Alaskas Überwachungsprogramm und ähnlichen Initiativen könnten die Meeresfrüchteindustrie grundlegend verändern. NOAA erklärte, das letztendliche Ziel bestehe darin, „Open-Source-Software und -Hardware zu entwickeln, die landesweit für die elektronische Überwachung eingesetzt werden könnten“, und Organisationen wie die Nature Conservancy wollen, dass alle großen Fischereifahrzeuge mit der Technologie ausgestattet werden – innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre.
Rund um Betrug mit Meeresfrüchten und unbekannten Fischarten hat sich eine große Industrie entwickelt, doch ihre Tage könnten gezählt sein. KI-Kameras werden nicht müde und übersehen nichts; noch wichtiger ist aber, dass sie auf deutlich mehr Booten eingesetzt werden können, als dies mit menschlichen Beobachtern praktikabel war.
Für Fischer bedeutet das potenziell niedrigere Überwachungskosten und eine schnellere Datenverarbeitung. Für den Meeresschutz bedeutet es echte Rechenschaftspflicht. Für Verbraucher bedeutet es, dass sie den Angaben auf Meeresfrüchte-Etiketten nicht länger blind vertrauen müssen. Alaskas 485.000-US-Dollar-Experiment testet nicht nur Technologie – es testet in der Beta-Phase die Zukunft der Transparenz bei Lebensmitteln.


