Ein Mangel an Expertise im Bereich künstliche Intelligenz auf Vorstandsebene könnte das Wachstumspotenzial der am schnellsten wachsenden britischen Technologieunternehmen begrenzen.
Laut einer neuen Studie der globalen Wachstumsberatung Think & Grow verfügen derzeit nur ein Drittel (32 %) der britischen Tech-Scale-ups über Vorstandsmitglieder mit KI-Expertise.
Zum Vergleich: 40 % der größten am FTSE-350-Index notierten Technologieunternehmen verfügen auf Vorstandsebene über entsprechende Expertise – ein Hinweis auf eine wachsende strategische Kluft zwischen wachstumsstarken Startups und etablierten Konzernen.
Jonathan Jeffries, Mitgründer von Think & Grow, sagte: „KI verändert Wirtschaft und Gesellschaft – ambitionierte Technologieunternehmen werden ihr Potenzial nicht ausschöpfen, wenn sie sich ihr nicht öffnen.“
Mit dem Umsatz verbundene Vorstandsexpertise
Der Bericht hebt eine bemerkenswerte Korrelation zwischen KI-Wissen im Vorstand und den Umsätzen der Unternehmen hervor. Am FTSE 350 notierte Technologieunternehmen mit KI-Expertise erzielen durchschnittlich 6,8 Milliarden Pfund Umsatz, verglichen mit nur 953 Millionen Pfund bei Unternehmen ohne KI-Spezialisten im Vorstand.
Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Scale-ups. Die Hälfte (50 %) der britischen Tech-Scale-ups mit einem Umsatz von über 50 Millionen Pfund verfügt über KI-Expertise in ihren Vorständen, gegenüber nur 15 % bei kleineren Unternehmen mit einem Umsatz unterhalb dieser Schwelle.
Think & Grow zufolge deutet dies darauf hin, dass KI-Kompetenz zunehmend mit kommerziellem Erfolg verknüpft ist. Unternehmen mit gut informierten Führungsteams sind besser aufgestellt, um neue Technologien für Produktinnovationen und bessere Entscheidungen zu nutzen sowie Investitionen anzuziehen.
Der Aufstieg – und die Grenzen – von KI-Ernennungen
Die Bemühungen, die KI-Kompetenzen in den Vorständen zu stärken, haben sich in den vergangenen Jahren beschleunigt. Die Studie ergab, dass Vorstandsmitglieder mit KI-Expertise typischerweise kürzer im Amt sind – etwa drei Jahre gegenüber fünf Jahren bei allen Vorstandsmitgliedern. Dies deutet auf eine neue Welle von Ernennungen als Reaktion auf den technologischen Umbruch hin.
Trotz dieser Dynamik bleibt der Fortschritt uneinheitlich. Während ein Drittel (32 %) der britischen Technologieunternehmen plant, im kommenden Jahr KI-Spezialisten in ihre Vorstände zu berufen, haben 13 % keine entsprechenden Pläne. Diese Zurückhaltung steht im Gegensatz zur Rekordbegeisterung der Investoren für den Sektor.
Milliarden fließen in den britischen KI-Sektor
Zahlen des Department for Science, Innovation and Technology und des HM Treasury zeigen, dass britische KI-Unternehmen 2024 private Investitionen in Höhe von 2,9 Milliarden Pfund anzogen, wobei die durchschnittliche Investitionssumme 5,9 Millionen Pfund betrug. Die gesamte KI-Branche trug im selben Zeitraum 11,8 Milliarden Pfund zur britischen Wirtschaft bei.
Vor diesem Hintergrund warnt Think & Grow, dass viele Unternehmen den Anschluss zu verlieren drohen, wenn sie es versäumen, KI-Kompetenz in ihrer Führung zu verankern. Da sich der Wettbewerb um Finanzierung verschärft, interessieren sich Investoren zunehmend für Unternehmen, die auf Governance-Ebene ein tiefes technologisches Verständnis nachweisen können.
Über die Studie
Die Ergebnisse basieren auf einer Analyse der Zusammensetzung der Vorstände der laut Sifted 100 25 am schnellsten wachsenden britischen Technologie-Scale-ups sowie der 25 größten am FTSE-350-Index notierten Technologieunternehmen.
Die Studie wurde von der unabhängigen Forschungsagentur Opinium durchgeführt, die zwischen dem 14. August und dem 22. September 2025 insgesamt 400 Vorstandsmitglieder und leitende Entscheidungsträger in britischen und US-amerikanischen Technologieunternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten befragte.
Die Ergebnisse von Think & Grow werden in dem für November angekündigten kommenden Bericht „Breaking & Remaking the Next Generation of High Impact Boards“ vorgestellt. Der Bericht soll Unternehmen dabei helfen, den Aufbau zukunftsfähiger Vorstände zu bewältigen, die auf den rasanten technologischen Wandel reagieren können.
Es handelt sich nicht um ein Startup, aber Metas Metaverse-Chef Vishal Shah wurde aus dem Virtual-Reality-Geschäft abgezogen und in den KI-Kampf um Leben und Tod.


