Shanghai Xingshu Tiansuan Space Technology und die Fudan University haben am Samstag die erste Konstellation für den Xingshu-Plan vorgestellt. Damit wurde ein früher Schritt auf dem Weg zu dem getan, was nach Angaben des Unternehmens Chinas erstes kommerzielles weltraumgestütztes Rechennetzwerk werden soll.
Anstatt riesige Mengen unbearbeiteter Satellitendaten zur Verarbeitung zurück zur Erde zu senden, soll das System die Daten direkt im Orbit analysieren und nur die Ergebnisse übertragen. Befürworter sagen, dass dieser Ansatz die Kommunikationsverzögerungen verringern und zugleich die Belastung der Bandbreite reduzieren kann.
Die Ankündigung erfolgte während der World Artificial Intelligence Conference (WAIC) 2026 in Shanghai, auf der der chinesische Präsident Xi Jinping Pekings Vision für globale KI-Governance.
Der Start unterstrich zudem Chinas umfassendere Bemühungen, die KI-Infrastruktur über herkömmliche, bodengestützte Rechenzentren hinaus auszubauen.
Ein langfristiger Plan
Laut China Daily, wird das Projekt in mehreren Phasen umgesetzt.
In der Verifizierungsphase wollen die Entwickler zwei Rechensatelliten und 12 Edge-Computing-Satelliten ins All bringen. Im Zuge der kommerziellen Ausweitung soll das Netzwerk zunächst auf 50 Rechensatelliten und 100 Edge-Computing-Satelliten anwachsen, bevor es in der finalen Betriebsphase zu einer Konstellation aus rund 1.000 Satelliten ausgebaut wird.
Die Tiansuan-Konstellation wird in drei Phasen als offene Satelliten-Forschungsplattform entwickelt. Sie soll Forschern ermöglichen, mithilfe echter Satelliten Experimente durchzuführen und zugleich Technologien für Satelliten-Computing und -Vernetzung voranzutreiben.
Der Wettbewerb nimmt zu
China ist nicht das einzige Land, das KI-Computing im Weltraum erforscht.
Elon Musks SpaceX verfolgt ähnliche weltraumgestützte Computing-Projekte seit der Fusion mit xAI Anfang dieses Jahres. Ziel ist es, die KI-Entwicklung zu unterstützen, indem mehr Rechenressourcen in den Orbit verlagert werden.
Auch mehrere chinesische Organisationen investieren in die Technologie. Auf der WAIC kündigte das KI-Unternehmen SenseTime neue Partnerschaften im Bereich weltraumgestützter Recheninfrastruktur an. Dazu gehören Pläne, in diesem Jahr gemeinsam mit Adaspace vier Rechensatelliten zu starten und letztlich beim Aufbau einer Satelliten-Computing-Konstellation zu helfen, die auf 1.000 Satelliten anwachsen kann, berichtete die Global Times.
Branchenvertreter erklärten auf der Konferenz, weltraumgestütztes Computing könne Vorteile wie eine umfassendere globale Abdeckung und niedrigere Betriebskosten bieten und zugleich künftige KI-Arbeitslasten unterstützen.
Ein Blick über den Start hinaus
Die ersten Satelliten sind nur ein kleiner Teil einer weitaus größeren Vision, doch sie verdeutlichen, wie KI-Infrastruktur zu einem neuen Schauplatz des globalen Wettbewerbs wird.
Bisher konzentrierten sich die meisten Diskussionen über KI-Kapazitäten auf den Bau größerer Rechenzentren und die Sicherung leistungsfähigerer Chips. Chinas jüngstes Projekt deutet darauf hin, dass die nächste Phase darin bestehen könnte, Rechenressourcen zwischen Erde und Weltraum zu verteilen. Das könnte die Bereitstellung von Satellitenbildern, Fernerkundung und KI-gestützten Diensten verändern.
Diese Vision bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Der Einsatz und die Wartung von Hunderten oder Tausenden Satelliten erfordern erhebliche Investitionen, zuverlässige Startkapazitäten und langfristige Koordination.
Ob sich weltraumgestütztes Computing als effizienter erweist als der Ausbau irdischer Rechenzentren, bleibt abzuwarten. Die Technologie bewegt sich jedoch rasch vom Konzept hin zu Tests unter realen Bedingungen.
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