DeepSeek hat gerade sein bislang leistungsfähigstes KI-Modell veröffentlicht und nimmt mit besserer Leistung und deutlich niedrigeren Preisen direkt die Konkurrenz ins Visier.
Das chinesische Start-up für künstliche Intelligenz hat am Donnerstag die offizielle Version seines Flaggschiffmodells DeepSeek-V4-Pro-0813 über seine Weboberfläche, mobile App und API eingeführt. Die Veröffentlichung wurde darauf ausgelegt, bei autonomen KI-Agentenaufgaben und Softwareentwicklung zu überzeugen, und bietet Fähigkeiten, die mit führenden Modellen wie Moonshot AIs Kimi K3 konkurrieren können – aber zu einem Bruchteil der Kosten.
Die allgemein verfügbare Version stellt gegenüber der im April eingeführten Vorschauversion ein erhebliches Upgrade dar. Laut DeepSeek erzielte das neue V4 Pro im DeepSWE-Benchmark für praxisnahe Softwareentwicklung eine Punktzahl von 62,7 – ein deutlicher Anstieg gegenüber 12,8 in den Vorschautests. Außerdem erreichte es 87,9 im Terminal Bench 2.1.
Unabhängige Bewertungen heben neben DeepSeeks technischem Fortschritt auch die niedrigen Preise hervor. Das unabhängige Benchmarking-Unternehmen Artificial Analysis bewertete die Reasoning-Version von V4 Pro mit 53 Punkten in seinem Intelligence Index. Zwar liegt dieser Wert hinter Moonshots Kimi K3 mit 60 Punkten und Anthropics Claude Opus 5 mit 63 Punkten, doch DeepSeeks Preise liegen deutlich unter denen der Konkurrenz.
Auf Drittanbieterplattformen wie OpenRouter wird V4 Pro mit 0,435 US-Dollar pro Million Eingabetoken und 0,87 US-Dollar pro Million Ausgabetoken gelistet. Zum Vergleich: Moonshots Kimi K3 kostet 14 bis 15 US-Dollar pro Million Ausgabetoken, während US-Konkurrenzmodelle wie Anthropics Claude Fable 5 bis zu 50 US-Dollar pro Million kosten.
Open-Source-Tools und bevorstehende Preiserhöhungen
DeepSeek veröffentlichte außerdem DeepSeek Harness (dsh) v0.1 unter der Open-Source-MIT-Lizenz und bietet damit eine Alternative zu Anthropics Claude Code. Das auf einer modularen Architektur basierende Tool, bei der „alles ein Plugin ist“, ermöglicht Entwicklern, autonome Programmieragenten über lokale Dateisysteme und Entwicklungsumgebungen hinweg zu orchestrieren.
Parallel zu diesen Veröffentlichungen kündigte DeepSeek eine Überarbeitung seiner API-Abrechnung an. Das Unternehmen will Pauschalpreise durch eine Preisgestaltung für Spitzen- und Nebenzeiten ersetzen und die API-kosten je nach Modelltyp und Nutzungszeit um 50 % bis 1.100 % erhöhen. Während der Spitzenzeiten wird die Ausgabe von V4 Pro auf 3,96 US-Dollar pro Million Token steigen – ein deutlicher Sprung gegenüber den aktuellen Preisen, aber weiterhin weniger als bei westlichen Alternativen.
Was das für Entwickler und Unternehmen bedeutet
Die Strategie von DeepSeek wird differenzierter. Das Unternehmen erhöht zwar die API-Preise, versucht aber zugleich, Entwickler davon zu überzeugen, dass V4-Pro genügend Fähigkeiten bietet, um in Produktionssystemen deutlich teurere Modelle zu ersetzen.
Das könnte für Start-ups und Unternehmensteams wichtig sein, die umfangreiche KI-Workloads betreiben und bei denen die Inferenzkosten häufig darüber entscheiden, welches Modell eingesetzt wird. Ein Modell, das bei einigen Benchmarks etwas schwächer abschneidet, aber im Betrieb deutlich günstiger ist, kann dennoch die bessere Geschäftsentscheidung sein.
Der Nachteil besteht darin, dass DeepSeek nicht mehr nur über extrem niedrige Preise konkurriert. Indem das Unternehmen V4-Pro in ein Premiumsegment verschiebt, es aber deutlich unter vielen US-Konkurrenzmodellen hält, testet es, ob sich ein nachhaltiges Geschäft aufbauen lässt, statt lediglich einen Preiskampf zu gewinnen.
Weiterführende Lektüre: Mehr über die umfassenderen Ambitionen von DeepSeek erfahren Sie in unserem Beitrag darüber, wie das Unternehmen in den KI-Chip-Wettlauf vordringt, während China daran arbeitet, seine Position auf dem globalen Halbleitermarkt zu stärken.


