Matthew Prince, Mitgründer und CEO des Cybersicherheitsunternehmens Cloudflare, hält das derzeitige Internetmodell für kaputt. Während Inhalte in den Anfangstagen des Internets für jeden kostenlos zugänglich waren, sind Bezahlschranken und Pop-ups inzwischen die Norm und vertreiben Leser – selbst während Verlage Schwierigkeiten haben, Geld zu verdienen.
Doch eine andere Art von Leser greift weiterhin kostenlos auf Inhalte zu: KI-Unternehmen durchsuchen das Web unaufhörlich und schürfen Daten, um ihre großen Sprachmodelle (LLMs) zu trainieren. Prince stellt sich eine neue Internetutopie vor, in der sich dieses Verhältnis umkehrt: Menschliche Leser können kostenlos auf Inhalte zugreifen – KI-Unternehmen sollen jedoch Websites für das Schürfen ihrer Daten bezahlen.
Wie KI-Modelle das Internet kaputt gemacht haben
Prince sagte gegenüber Fortune, dass Google jede Website sechsmal pro weitergeleitetem menschlichem Nutzer durchsucht – bereits ein sehr unausgewogenes Verhältnis. Doch KI-Unternehmen sind noch schlimmer: Laut Prince liegt das Verhältnis von Crawling zu Weiterleitungen bei OpenAI bei 250:1 und bei Anthropic sogar bei sage und schreibe 6.000:1.
„Bei diesen neuen KI-Systemen wird der Wert nach dem Prinzip ‚Ich nehme eure Daten und schicke euch im Gegenzug Besucher auf eure Website‘ einfach zusammenbrechen“, erklärte er. „Wir müssen also ein anderes Modell erfinden.“
Prince zufolge schafft dieses Verhältnis für die Ersteller von Internetinhalten falsche Anreize – und wenn sie aufhören, Inhalte zu produzieren, werden KI-Tools immer weniger neue Trainingsdaten zur Verfügung haben, wodurch die Qualität der Modelle mit der Zeit abnimmt.
Princes Vision einer Internetutopie
Prince hat bei Cloudflare bereits begonnen, einen dreiteiligen Plan umzusetzen. Derzeit können Websitebetreiber AI Audit aktivieren, eine Sammlung von Tools, mit denen sie sehen und steuern können, wie häufig KI-Modelle die Inhalte ihrer Website verwenden. Laut Prince wird AI Audit in der ersten Hälfte des Jahres 2025 standardmäßig aktiviert und nur noch per Opt-out abwählbar sein, sodass KI-Crawler automatisch blockiert werden.
Sobald genügend originäre Inhalte blockiert wurden, wird die Macht laut Prince an die Content-Creator zurückgehen. Sie entscheiden dann, wie viel KI-Unternehmen für die Nutzung ihrer Inhalte zum Trainieren von Modellen bezahlen müssen. Die letzte Phase umfasst die Schaffung eines Marktplatzes für originäre Inhalte, doch diesen Schritt hat er noch nicht vollständig ausgearbeitet.
„Es wäre großartig, wenn wir wieder zu einem Web kämen, in dem Menschen Inhalte kostenlos erhalten und Bots viel dafür bezahlen“, sagt Prince.


