KI eröffnet Frauen neue Karrierechancen und gefährdet gleichzeitig ihre Arbeitsplätze. Während Unternehmen auf Automatisierung und generative KI setzen, machen Frauen in der Tech-Branche Fortschritte – doch zugleich sind sie einem höheren Verdrängungsrisiko ausgesetzt, was eine wachsende Spaltung auf dem Arbeitsmarkt offenlegt.
Berichte von Ensono und der London School of Economics and Political Science (LSE) verdeutlichen die widersprüchlichen Auswirkungen von KI auf die Karrieren von Frauen. Ensono stellt fest, dass Frauen in der Tech-Branche KI nutzen, um beruflich voranzukommen, während die LSE zeigt, dass die Technologie weibliche Arbeitskräfte verdrängt. Das wirft die Frage auf, ob KI die Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt verschärft.
Generative-KI-Kompetenzen fördern die Karrieren von Frauen, aber nicht ihre Arbeitsplatzsicherheit
Generative KI erweist sich für Frauen in der Tech-Branche als Karriereturbo: 89 % der Befragten in der Ensono-Studie sagen, dass ihre KI-Kompetenzen ihnen beim beruflichen Aufstieg geholfen haben. Die Zahl der Frauen, die sich selbst als Expertinnen auf diesem Gebiet betrachten, hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt – ein Zeichen für den raschen Wandel hin zu mehr KI-Kompetenz.
Trotz dieser Fortschritte warnt die LSE, dass künstliche Intelligenz Arbeitsplätze bei Frauen schneller abbaut als bei Männern, insbesondere in Tätigkeiten mit Verwaltungsaufgaben, im Kundenservice und in der Sachbearbeitung. In den USA arbeiten 79 % der erwerbstätigen Frauen in Berufen, die als stark automatisierungsgefährdet eingestuft werden, verglichen mit nur 58 % der Männer, berichtet die LSE.
Dieses eklatante Paradox zwingt uns zu der Frage: Stärkt KI Frauen wirklich oder entscheidet sie lediglich neu darüber, wer auf der Strecke bleibt?
KI zu lernen reicht nicht … für Frauen
Frauen bauen ihre KI-Kompetenzen weiter aus und bleiben dennoch benachteiligt. Die Daten des World Economic Forum zeigen, dass Frauen nur 22 % der KI-Positionen und 28 % der weltweiten MINT-Arbeitskräfte stellen. Das schränkt ihren Zugang zu den gefragtesten KI-Karrieren ein. Wer keine MINT-Expertise besitzt, läuft Gefahr, von den bestbezahlten und einflussreichsten Positionen ausgeschlossen zu werden.
Selbst wenn Frauen technische Fähigkeiten beherrschen, hindern tief verankerte Branchenbarrieren sie daran, Positionen zu erlangen, die die Richtung der Automatisierung bestimmen. Während traditionelle Arbeitsplätze verschwinden, droht Frauen ohne MINT-Qualifikationen trotz ihrer Anpassungsbemühungen eine verheerende wirtschaftliche Verdrängung.
Die geschlechtsspezifische KI-Lücke betrifft alle
Wenn KI zwar Chancen eröffnet, aber keine Arbeitsplatzsicherheit bietet, betrifft das Problem nicht nur Frauen, sondern die gesamte Erwerbsbevölkerung. Wenn das Beschäftigungswachstum ungleich verteilt ist, verschärft es die wirtschaftliche Ungleichheit und schafft einen instabilen Arbeitsmarkt, der alle betrifft. Unternehmen müssen in faire Einstellungsverfahren investieren, politische Entscheidungsträger müssen den Zugang zu MINT-Fächern ausweiten, und KI-Organisationen müssen sicherstellen, dass Karrieren in ihrer Branche einem breiteren Talentpool offenstehen – nicht nur einigen wenigen.


