Während KI als Werkzeug angepriesen wird, das den Alltag vereinfachen soll, haben es grenzüberschreitend tätige KI-Unternehmen angesichts wachsender regulatorischer Hürden nicht leicht.
Die Behörden in Peking prüfen, ob sie in die geplante Übernahme von Manus durch Meta Platforms eingreifen sollen. Das KI-Start-up hat seine Wurzeln in China. Grund sind wachsende Bedenken, dass der Deal gegen Technologiekontrollen für Exporte verstoßen und weitere chinesische KI-Unternehmen dazu bewegen könnte, ins Ausland abzuwandern.
Laut South China Morning Post (SCMP) haben Beamte, darunter auch Vertreter des chinesischen Handelsministeriums, mit der Prüfung der Transaktion begonnen. Sie wurde Ende vergangenen Monats angekündigt und soll Berichten zufolge mit 2 Milliarden bis 2,5 Milliarden US-Dollar bewertet werden. Zwei von der Zeitung zitierte Quellen sagten, die Wahrscheinlichkeit eines Eingriffs sei hoch, und warnten, der Fall Manus könne einen problematischen Präzedenzfall für andere chinesische KI-Start-ups schaffen, die ausländisches Kapital und Ausstiegsmöglichkeiten suchten.
Weder Meta noch Manus haben öffentlich auf Bitten um eine Stellungnahme reagiert, und Chinas Handelsministerium hat auf Medienanfragen nicht geantwortet.
Von Peking nach Singapur
Manus erlangte im März vergangenen Jahres große Bekanntheit, nachdem das Unternehmen den weltweit ersten allgemeinen KI-Agenten vorgestellt hatte – eine Software, die Aufgaben im Auftrag ihrer Nutzer autonom erledigen soll. Das Start-up hatte zunächst Standorte in Peking und Wuhan, wo ein Großteil der frühen Forschungs- und Entwicklungsarbeit stattfand. Bis Mitte 2025 verlegte es jedoch sein Kernteam nach Singapur, entließ einige Mitarbeiter in China und schloss seine chinesischen Social-Media-Konten.
Zu dieser Entscheidung gehörten die Entlassung einiger Mitarbeiter in China und die Schließung der chinesischen Social-Media-Konten – Schritte, die weithin als Vorbereitung auf eine Übernahme durch ein ausländisches Unternehmen interpretiert wurden. Singapur ist zu einem beliebten Standort für chinesische Technologieunternehmen geworden, die globale Märkte bedienen wollen – eine Praxis, die manchmal als „Singapore washing“ bezeichnet wird.
Diese Verlagerung ist zu einem zentralen Bestandteil der Sorgen Pekings geworden. Die Financial Times berichtete, Chinas Handelsministerium prüfe, ob die Verlagerung von Manus-Mitarbeitern und -Technologie nach Singapur und der anschließende Verkauf an Meta nach chinesischem Recht eine Exportlizenz erfordert hätten. Die Prüfung befindet sich zwar noch in einem frühen Stadium und muss nicht in eine formelle Untersuchung münden. Doch die Beamten könnten das Genehmigungsverfahren weiterhin nutzen, um die Transaktion zu beeinflussen oder die Parteien in einem Extremfall dazu zu bringen, sie aufzugeben.
Exportkontrollen und rechtliche Grauzonen
China verschärfte 2020 sein System zur Kontrolle von Technologieexporten und weitete es auf bestimmte Algorithmen aus. Die Änderungen wurden weithin als Stärkung von Pekings Fähigkeit gesehen, in sensible grenzüberschreitende Geschäfte einzugreifen. Vorausgegangen war Washingtons Druck auf ByteDance, die US-Aktivitäten von TikTok zu veräußern.
Rechtswissenschaftler sagen, der Fall Manus bewege sich in einer Grauzone. Cui Fan, Professor an der University of International Business and Economics und leitender Experte bei der China Society for World Trade Organization Studies, schrieb, die Behörden könnten eingreifen, um zu bestimmen, „wann, auf welche Weise und welche Technologien von Manus’ inländischen Gesellschaften ins Ausland übertragen wurden“. Er merkte außerdem an, dass nicht bestätigt worden sei, dass Manus’ Kernteam die chinesische Staatsangehörigkeit aufgegeben habe oder nicht mehr der chinesischen Gerichtsbarkeit unterliege.
Zudem wies Cui darauf hin, dass Manus’ auf dem chinesischen Festland registrierte Muttergesellschaft Butterfly Effect weiterhin unter der Kontrolle der Gründer stehe und die Forschung und Entwicklung in der Frühphase in China durchgeführt worden seien. Diese Faktoren könnten das Argument stärken, dass chinesische Aufsichtsbehörden weiterhin ein Mitspracherecht haben.
Angst vor einem weitreichenderen Präzedenzfall
Neben all den rechtlichen Fragen sind die politischen Entscheidungsträger darüber besorgt, wofür der Deal steht. In den vergangenen Jahren haben viele chinesische Technologieunternehmen eine als chuhai oder „Aufbruch aufs Meer“ bekannte Strategie verfolgt, indem sie Hauptsitze im Ausland errichteten, um Zugang zu ausländischen Investoren und Kunden zu erhalten.
Während die meisten Unternehmen umfangreiche Aktivitäten im Inland beibehalten, hat Manus’ nahezu vollständige Verlagerung die Angst vor einem KI-„Brain Drain“ verstärkt. Eine von der Financial Times zitierte Quelle sagte, der Deal habe in Peking gerade deshalb Aufmerksamkeit erregt, weil er andere Start-ups dazu bewegen könnte, ins Ausland abzuwandern, um die Aufsicht im Inland zu umgehen.
Gleichzeitig wies eine andere Quelle darauf hin, dass Manus’ KI-gestützter Assistent weithin nicht als für China wichtige Kerntechnologie gilt, wodurch der Bedarf an einem aggressiven Eingreifen möglicherweise sinkt.
Marktreaktion und Metas China-Dilemma
Allein die Aussicht auf regulatorischen Gegenwind hat die Märkte kurzzeitig verunsichert, und die Anleger reagierten vorsichtig. Metas Aktienkurse gaben im vorbörslichen Handel leicht nach, nachdem Berichte über Chinas Prüfung bekannt geworden waren, wie aus der Financial Times zitierende Marktberichte hervorgehen. Obwohl die Übernahme von Manus für Meta ein vergleichsweise kleiner Schritt ist, könnte jeder Widerstand aus Peking die umfassendere KI-Strategie des Unternehmens verkomplizieren, sagen Analysten.
Metas Beziehung zu China war in der Vergangenheit nicht die reibungsloseste. Facebook ist seit 2009 auf dem chinesischen Festland gesperrt. Und obwohl Gründer Mark Zuckerberg wiederholt versucht hat, mit dem Land in Kontakt zu treten – unter anderem, indem er Mandarin lernte und kurzzeitig eine Tochtergesellschaft in Hangzhou gründete –, bleiben die Kernprodukte von Meta für chinesische Nutzer unzugänglich.
Folgen für Chinas KI-Governance
Ob Peking letztlich eingreift oder den Deal genehmigt, der Fall Manus entwickelt sich zu einem Test dafür, wie China die Übertragung im Inland entwickelter KI-Technologien ins Ausland kontrolliert.
Während sich der Wettbewerb zwischen den USA und China um fortschrittliche Technologien verschärft, könnte das Ergebnis zeigen, wie weit Peking bereit ist zu gehen, um die Kontrolle über seine KI-Talente, Daten und geistiges Eigentum zu behalten, während das regulatorische Umfeld für grenzüberschreitend tätige KI-Start-ups immer komplexer wird.
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