Samsung Electronics ist es leid, Roboter als Nebenprojekt zu behandeln.
Der südkoreanische Technologiekonzern gab am Dienstag bekannt, dass er eine neue Sparte namens RX gründet, kurz für Robotics eXperience, die direkt an Co-CEO Roh Tae-moon berichten wird.
Damit bündelt Samsung die zuvor über verschiedene Teams verteilte Roboterentwicklung – Hardware, KI, Software und Produktplanung – in einer Einheit mit einer einheitlichen Führungsstruktur.
Samsung bezeichnete die Neuorganisation als Möglichkeit, schneller voranzukommen. „Das RX Business Promotion Office, das als Einheit direkt unter dem CEO startet, wird die Technologieentwicklung auf Grundlage schneller Entscheidungsfindung und Umsetzung beschleunigen und zugleich agil auf Marktveränderungen reagieren, um Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen“, erklärte das Unternehmen laut BigGo Finance.
An der Spitze des Strategieteams steht Executive Vice President Lee Dong-kun, der im Mai zu Samsung kam, nachdem er die Robotikstrategie bei Hyundai Motor Group geleitet hatte, wo er an der Weiterentwicklung von Boston Dynamics beteiligt war.
Samsung holte außerdem zwei Hochschulprofessoren an Bord: Kim Hyoun-jin von der Seoul National University, einen Experten für die Steuerung autonomer Roboter, und Kim Ui-kyum von der Ajou University, der auf Roboterhände spezialisiert ist – ein Bereich, der weithin als eines der schwierigsten technischen Probleme beim Bau eines humanoiden Roboters gilt.
Zuerst die Fabriken, später die Haushalte
Samsungs Plan wird stufenweise umgesetzt. Der Konzern baut auf seinem Campus in Seoul ein Forschungszentrum und in seinem Werk in Gumi eine Datenfabrik auf, um die für das Training von Robotern erforderlichen Daten aus der realen Welt zu sammeln. Außerdem sind Forschungszentren in den USA, China und Japan geplant.
Das Unternehmen will seine eigenen Produktionslinien bis 2030 in autonome KI-Fabriken verwandeln und zunächst Fertigungs- und Logistikroboter einsetzen, bevor es schließlich auf Haushalte und Einzelhandelsgeschäfte ausweitet, berichtet Android Headlines.
Die Initiative baut auf Samsungs wachsender Beteiligung an Rainbow Robotics auf, dem koreanischen Roboterhersteller, in den der Konzern 2023 erstmals investierte und den er später als Tochtergesellschaft eingliederte.
Zwischen den Zeilen gelesen
Samsungs Timing ist kein Zufall.
Das Mobil- und Haushaltsgerätegeschäft des Konzerns geriet durch den Preiskampf und einen zunehmend gesättigten Smartphone-Markt unter Druck. Die Robotik liefert daher eine neue Wachstumsgeschichte zu einem Zeitpunkt, an dem Anleger nach einer solchen suchen. Samsungs Aktienkurs stieg nach der Ankündigung laut Silicon Republic.
um rund 6 %. Die Verpflichtung von Hyundais ehemaligem Strategen für Boston Dynamics verweist zudem auf Samsungs tatsächlichen Vorteil: Das Unternehmen beginnt bei der Hardware nicht bei null. Dank Chips, Sensoren und Displays fertigt Samsung bereits die meisten Komponenten, die ein humanoider Roboter benötigt – etwas, das Konkurrenten, die Roboter von Grund auf bauen, nicht vorzuweisen haben.
Was schiefgehen könnte
Nichts davon garantiert, dass in absehbarer Zeit ein funktionierender humanoider Roboter entsteht. Samsung hat kein kommerzielles Modell angekündigt, und die Bilanz des Konzerns bei Consumer-Robotik ist durchwachsen: Der Heimroboter Ballie verpasste seinen geplanten Marktstart und wurde stillschweigend zu einer internen Testplattform umfunktioniert.
Das Unternehmen steht außerdem im harten Wettbewerb mit Tesla, dem Hyundai gehörenden Unternehmen Boston Dynamics und einer Welle chinesischer Start-ups, die alle um denselben Markt kämpfen.
Für ein Unternehmen, das jahrzehntelang von Chips und Mobiltelefonen geprägt war, ist die große Wette auf Maschinen, die laufen und greifen, ein echter strategischer Kurswechsel.
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