Humanoide Roboter verlassen die Hochglanz-Demos und halten Einzug in der Fabrikhalle.
Das in London ansässige Robotik-Startup Humanoid hat mit dem deutschen Industriekonzern Schaeffler eine verbindliche Vereinbarung über eine schrittweise Einführung von mehr als 1.000 humanoiden Robotern in dessen weltweiten Produktionsbetrieben unterzeichnet.
Die ersten Einheiten sollen noch vor Ende 2026 in Deutschland ihre Arbeit in laufenden Produktionsumgebungen aufnehmen – ein wichtiger Schritt von Pilotversuchen hin zum realen industriellen Einsatz. Die Vereinbarung sieht eine stufenweise Einführung an Schaeffler-Standorten vor: Beginn ist an zwei Fabriken in Deutschland, anschließend soll die Integration bis 2032 schrittweise weltweit ausgeweitet werden.
Die Partnerschaft baut auf früheren Proof-of-Concept-Arbeiten der beiden Unternehmen auf, die nun in eine umfassende industrielle Validierung übergehen. Der Vereinbarung zufolge wird die erste Einführungsphase von Dezember 2026 bis Juni 2027 laufen. Am Schaeffler-Standort Herzogenaurach werden die Roboter beim Umgang mit Kisten getestet innerhalb laufender Produktionslinien.
Im Werk Schweinfurt beginnt unterdessen eine strukturierte Testphase, gefolgt von einer Validierung vor Ort, um einen stabilen Betrieb in nahezu voller Auslastung zu erreichen.
Mit der Einführung soll gezeigt werden, ob humanoide Systeme in realen Produktionsumgebungen zuverlässig arbeiten können – und nicht nur in kontrollierten Laborbedingungen. Reuters berichtet, dass die erste Einführungsphase „bis 2032 schätzungsweise 1.000 bis 2.000 Roboter an Schaefflers weltweiten Produktionsstandorten“ umfassen wird.
Robot-as-a-Service und Fabrikintegration
Die Vereinbarung basiert auf einem Robot-as-a-Service-(RaaS)-Modell. Das bedeutet, dass Schaeffler von Humanoid nicht nur Hardware, sondern auch Software, Wartung, Tools zur Flottenverwaltung, Updates und technischen Support rund um die Uhr erhält.
Das Unternehmen wird außerdem dabei helfen, die Roboter direkt in bestehende Fabriksysteme zu integrieren, und sie dabei an Sicherheitsstandards, IT-Infrastruktur und Produktionsabläufe anzupassen. Dieser Ansatz soll die großflächige industrielle Einführung erleichtern, bei der sich Robotik in komplexe, bereits laufende Produktionslinien einfügen muss.
„Gemeinsam mit Schaeffler, einem unserer wichtigsten Industriepartner, machen wir einen bedeutenden Schritt dahin, humanoide Robotik zu einem Bestandteil weltweiter Produktionsabläufe zu machen“, sagte Artem Sokolov, Founder and CEO of Humanoid. „Wir haben mit unserem gemeinsamen Proof of Concept bereits starke Ergebnisse erzielt und gehen nun den nächsten Schritt hin zu einer stufenweisen Einführung. Erst im realen Betrieb zeigt sich der wahre Wert humanoider Roboter.“
Ein Liefervertrag, der die Maßstäbe für die Skalierung neu setzt
Parallel zur Einführung unterzeichneten die Unternehmen einen fünfjährigen Liefervertrag für Aktuatoren, der möglicherweise noch bedeutender ist als die Einführung der Roboter selbst.
Schaeffler wird bis 2031 zum bevorzugten Lieferanten von Humanoid für mehr als die Hälfte des gemeinsamen Bedarfs an Aktuatoren für radbasierte humanoide Plattformen. Die Vereinbarung dürfte zur Lieferung einer siebenstelligen Zahl von Aktuatoren führen.
Forbes hebt hervor, dass diese Zahl – mindestens eine Million Aktuatoren – bei einer Umrechnung in Produktionsmengen von Robotern auf deutlich mehr hindeuten könnte. Ausgehend vom Bedarf an Aktuatoren pro Roboter legen die in dem Bericht zitierten Analysten nahe, dass die Liefervereinbarung bis zu 100.000 humanoide Roboter in den kommenden Jahren ermöglichen könnte. Damit gehört der Vertrag zu den bislang aggressivsten Signalen für eine Skalierung im Bereich der humanoiden Robotik.
Wie geht es weiter?
Nach der ersten Phase 2026–2027 wollen beide Unternehmen die Einführung auf weitere Fertigungsprozesse ausweiten, darunter komplexere Aufgaben wie Montage und Verpackung. Die vollständige Vereinbarung läuft bis 2032 und gibt Humanoid mehrere Jahre Zeit, Zuverlässigkeit, Autonomie und Kosteneffizienz zu verbessern, bevor der vertraglich vereinbarte Umfang der Einführung erreicht wird.
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