In Tokio haben Forscher von Sony AI „Ace“ vorgestellt, einen autonomen Roboter, der in echten Matches gegen menschliche Tischtennisprofis auf höchstem Niveau angetreten ist und sie in einigen Fällen sogar besiegt hat.
Anders als herkömmliche Ballmaschinen reagiert Ace in Echtzeit auf zurückgespielte Bälle, sodass jeder Schlag zu einem Test für Geschwindigkeit, Spin und Timing wird.
Die Leistung gilt als Meilenstein in der Robotik, insbesondere weil Tischtennis eine schnelle Wahrnehmung, Entscheidungen in Sekundenbruchteilen und eine präzise körperliche Ausführung erfordert – Bereiche, in denen Maschinen traditionell Schwierigkeiten haben.
„Wir wollten beweisen, dass KI nicht nur in virtuellen Räumen existiert“, sagte Michael Spranger, Präsident von Sony AI. „Es geht nicht nur um Technologie, mit der man in der virtuellen Welt interagiert – man kann tatsächlich eine physische Erfahrung machen, und die Technologie ist dafür bereit.“
Ace ist kein humanoider Roboter. Stattdessen nutzt er einen Roboterarm mit acht Freiheitsgraden, der auf einer beweglichen Basis montiert ist und die für das Spiel auf hohem Niveau nötige Geschwindigkeit und Reichweite nachbilden soll. Sein entscheidender Vorteil liegt in seinem visuellen System.
Tischtennis ist für Roboter wegen der Geschwindigkeit und des Spins ein Albtraum. Ein Ball kann sich auf Kurvenbahnen bewegen, abtauchen und vom Tisch auf eine Weise abspringen, die selbst für Menschen schwer zu verfolgen ist. Um dieses Problem zu lösen, stattete Sony Ace mit einem spezialisierten visuellen System aus: neun herkömmlichen Kameras und drei „ereignisbasierten“ Sensoren, die wie Bewegungsmelder funktionieren.
Während ein Mensch etwa 230 Millisekunden zum Reagieren benötigt, beträgt die Latenz von Ace vom Eingang bis zum Ausgang nur 20,2 Millisekunden. Dadurch kann der Roboter Dinge erkennen, die für uns völlig verschwommen wären, etwa das Logo auf einem rotierenden Ball, der sich mit 700 Hz bewegt. Das Gehirn des Roboters wurde mithilfe von „Reinforcement Learning“ trainiert. Im Grunde spielte er 3.000 Stunden lang in einer Computersimulation gegen sich selbst, bevor er überhaupt einen echten Schläger berührte.
Peter Stone, Sony AI’s Chief Scientist, merkte an, dass dies ein historischer Moment sei: „Zum allerersten Mal gibt es in einer Sportart – nicht nur im Tischtennis – eine Demonstration von Wettkampfspiel auf Expertenniveau durch einen Menschen in der realen Welt.“
Die Punktetafel: Menschen gegen Ace
Ace ist nicht ungeschlagen, wird aber beängstigend gut.
Bei ersten Tests im April 2025 gewann er drei von fünf Matches gegen Spitzenspieler. Gegen Topprofis wie Minami Ando und Kakeru Sone hatte er zunächst Schwierigkeiten, doch inzwischen hat er sich weiterentwickelt. Bis März 2026 konnte Ace drei Siege gegen Profis verbuchen, darunter einen Erfolg gegen Miyuu Kihara, eine unter den Top 25 der Weltrangliste platzierte Spielerin.
Trotz seiner Geschwindigkeit hat Ace einen großen Nachteil: Er hat keine Seele. Profispieler merkten an, dass es unheimlich sei, gegen einen Roboter zu spielen, weil es keine Körpersprache zu deuten gibt.
Doch auch Menschen finden Wege, die Maschine zu besiegen. Der Spitzenspieler Rui Takenaka stellte fest, dass Ace zwar komplexe Spins meisterhaft beherrscht, sich aber durch Einfachheit verwirren lässt.
„Als ich jedoch einen einfachen Aufschlag verwendet habe – einen sogenannten Knuckle-Aufschlag –, spielte Ace einen einfacheren Ball zurück. Dadurch konnte ich den dritten Schlag leichter angreifen, und ich glaube, das war der Hauptgrund, warum ich gewinnen konnte“, sagte Takenaka, laut Reuters.
Auch wenn ein Pingpong-Roboter nach einem unterhaltsamen Hobby klingt, könnte die Technologie hinter Ace letztlich verändern, wie wir alles Mögliche bauen – von Fabrikarmen bis hin zu Assistenzrobotern für das Gesundheitswesen.
Aces Auftritt fällt in eine ereignisreiche Woche für Roboter im Sport.
Am vergangenen Wochenende überholten Roboter menschliche Teilnehmer bei einem Halbmarathon in Peking – ein weiterer Meilenstein, der zeigt, wie schnell sich das Feld weiterentwickelt.


