Eine aktuelle Studie des in Deutschland ansässigen multinationalen Softwareunternehmens Software AG hat ergeben, dass mittlerweile die Hälfte aller Beschäftigten sogenannte „Shadow AI“-Praktiken nutzt, also nicht genehmigte oder spontan eingesetzte KI-Tools. Für die Studie wurden 6.000 Wissensarbeiter in den USA, Großbritannien und Deutschland befragt. Sie unterstreicht die zunehmende Abhängigkeit von KI-Tools, die nicht vom Unternehmen bereitgestellt werden, im beruflichen Umfeld.
Der Studie zufolge, nutzen 75 Prozent der Wissensarbeiter bereits täglich KI, und fast die Hälfte (46 Prozent) erklärte, dass sie persönliche KI-Tools weiterhin verwenden würde, selbst wenn ihre „Organisationen sie vollständig verbieten würden“. Dies stellt Unternehmen vor eine große Herausforderung: Sie müssen Produktivitätsgewinne gegen die Risiken des KI-Einsatzes abwägen, etwa Datenlecks, Cyberangriffe und Verstöße gegen regulatorische Vorgaben.
„Wenn 2023 ein Jahr des Experimentierens war, wird 2024 als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem GenAI sich durchgesetzt hat“, sagte Steve Ponting, Director bei Software AG. „Mit zunehmender Nutzung steigt auch das Risiko von Cyberangriffen, Datenlecks oder Verstößen gegen regulatorische Vorgaben. Daher müssen Unternehmensverantwortliche dafür einen Plan entwickeln, bevor es zu spät ist.“
Shadow AI: Rückenwind für Beschäftigte, aber ein Problem für Arbeitgeber
Für viele Beschäftigte sind KI-Tools nicht nur praktisch, sondern unverzichtbar. Die Studie ergab, dass viele Arbeitnehmer KI als Karrierebeschleuniger betrachten: 47 Prozent glauben, dass diese Tools ihre Beförderung beschleunigen können. Die meisten Wissensarbeiter nannten die Zeitersparnis (83 Prozent) und eine höhere Leichtigkeit bei der Arbeit (81 Prozent) als wichtigste Vorteile.
Die Ergebnisse offenbarten jedoch auch eine deutliche „KI-Nutzungslücke“: 53 Prozent der Beschäftigten erklärten, dass sie für mehr Unabhängigkeit lieber persönliche KI-Tools verwenden würden, während 33 Prozent angaben, dass die IT-Abteilungen ihrer Unternehmen ihnen nicht die benötigten Tools bereitstellen. Diese Diskrepanz zwischen den Wünschen der Beschäftigten und dem Angebot der Arbeitgeber wird für Organisationen zunehmend zum Problem, da den Beschäftigten die potenziellen Risiken bewusst sind.
Weitere wichtige Ergebnisse:
- 72 Prozent nannten Sicherheitsbedenken
- 70 Prozent hoben Probleme bei der Datenverwaltung hervor
- Nur 27 Prozent führen routinemäßig Sicherheitsscans ihrer Tools durch
- 29 Prozent überprüfen Richtlinien zur Datennutzung
Was können Organisationen gegen Shadow IT unternehmen?
Die Ergebnisse von Software AG legen nahe, dass Unternehmen sich darauf konzentrieren sollten, KI sicher in ihre Abläufe zu integrieren. Dazu gehören die Bereitstellung geeigneter Tools für die Beschäftigten sowie umfassende Schulungsprogramme, die dazu beitragen können, Risiken zu minimieren und gleichzeitig die Vorteile von KI zu maximieren.
„Shadow AI wird nicht wieder verschwinden, sondern das operative Chaos, das bereits viele Organisationen erfasst hat, noch verschärfen“, sagte J-M Erlendson, Global Evangelist bei Software AG. „Ein transparenter Rahmen für ihre Prozesse, gepaart mit einem Verständnis für die von den Beschäftigten gewünschten Tools und die benötigten Schulungen, bildet eine gute Grundlage für eine bessere Integration von Shadow AI. Es ist klar, dass KI nicht wieder verschwinden wird. Gemeinsam müssen wir jetzt den richtigen Umgang damit finden.“
Der unethische Einsatz von KI-Tools am Arbeitsplatz ist alltäglich geworden, und der Trend zeigt keine Anzeichen einer Abschwächung. Experten gehen davon aus, dass sich 90 Prozent der Beschäftigten in naher Zukunft auf KI verlassen werden. Organisationen, die sich nicht anpassen, setzen sich möglicherweise Datenpannen, Cybersicherheitsbedrohungen und operativem Chaos aus.


