In Shanghais produktivstem Werk für Elektrofahrzeuge könnte schon bald eine ganz andere Art von Fertigungsstraße stehen.
Teslas China-Chef hat öffentlich die Idee ins Spiel gebracht, die Shanghai Gigafactory des Unternehmens – seine weltweit größte Produktionsstätte – zur Herstellung humanoider Roboter zu nutzen. Damit äußert sich erstmals ein Tesla-Manager offiziell in dieser Form.
Bei einem von der Regierung organisierten Rundgang durch das Werk in Shanghai sagte Wang Hao, Teslas Vizepräsident und Präsident von Tesla China, am Dienstag vor Reportern, die Fertigungskapazitäten des Werks könnten die Antwort auf eines der größten ungelösten Probleme der Robotik sein: die Hochskalierung der Produktion.
Neue Fabrik als „goldener Schlüssel“
Wang verwies auf die eigene Feststellung von CEO Elon Musk, dass die Massenproduktion ein entscheidender Engpass bei humanoiden Robotern bleibt, und erläuterte anschließend, wie sich dieses Problem seiner Ansicht nach lösen lässt.
„Wie andere Tesla-Werke kann auch Giga Shanghai wichtige Aufgaben bei der Fertigung sämtlicher neuer Produkte, einschließlich Robotern, übernehmen und so unseren Beitrag zum Unternehmen leisten“, sagte Wang laut South China Morning Post. „Wir sind sehr zuversichtlich, den Beginn einer neuen Ära der Roboter willkommen zu heißen.“
Er bezeichnete den Betrieb in Shanghai als „goldenen Schlüssel zur Lösung dieser Herausforderung“, erläuterte jedoch nicht, wie genau das Werk die Roboterproduktion unterstützen würde oder ob Tesla bestehende Anlagen in Shanghai umwidmen oder eine völlig neue Fabrik bauen würde.
Tesla China veröffentlichte später eine Klarstellung und erklärte, „derzeit gibt es keine konkreten Pläne, humanoide Roboter in der Gigafactory Shanghai in Massenproduktion herzustellen“. Wangs Äußerungen hätten sich vielmehr auf die „starken, skalierbaren Massenproduktionskapazitäten und das erhebliche künftige Potenzial“ des Werks bezogen, so Nikkei Asia.
Die Äußerungen kommen für Tesla zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Im Januar kündigte das Unternehmen eine strategische Neuausrichtung an und positionierte sich nach enttäuschenden Gewinn- und Auslieferungszahlen im Vorjahr als Unternehmen für physische KI.
Im Rahmen dieser Neuausrichtung sagte Musk, Tesla werde die Produktion seiner Fahrzeuge Model S und Model X auslaufen lassen und das Werk im kalifornischen Fremont in eine dedizierte Produktionsstätte für seinen humanoiden Optimus-Roboter umwandeln.
Shanghais Erfolgsbilanz macht den Standort zu einem aussichtsreichen Kandidaten
Jede Diskussion darüber, wie Teslas nächste große Wette hochskaliert werden kann, führt unweigerlich zurück nach Shanghai. Die Gigafactory ist in jeder Hinsicht Teslas produktivstes Werk. 2025 produzierte sie rund 851.000 Fahrzeuge – 52 % der weltweiten Tesla-Produktion –, obwohl die weltweiten Auslieferungen des Unternehmens laut SCMP um 8,6 % auf 1,63 Millionen Fahrzeuge zurückgingen.
Die Zahlen blieben auch 2026 stark. Allein im ersten Quartal lieferte das Werk in Shanghai 213.398 Fahrzeuge aus, 23,5 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit entfielen in diesem Zeitraum knapp 60 % der weltweiten Tesla-Auslieferungen auf das Werk.
Das Forschungs- und Entwicklungszentrum des Werks in Shanghai ist zudem Teslas erstes außerhalb der USA angesiedeltes Entwicklungszentrum für Fahrzeuge. Wang erklärte, er hoffe, dass es schließlich in puncto Größe mit seinem US-amerikanischen Pendant gleichziehen werde.
Humanoide Roboter sollen branchenübergreifend eingesetzt werden, von Logistik und Fertigung bis hin zur Altenpflege und zum Gastgewerbe. Der Sektor entwickelt sich zu einem Brennpunkt des umfassenderen Technologiewettbewerbs zwischen den USA und China.
Auch Musk hat zuvor bereits die Stärke chinesischer Robotikunternehmen anerkannt und prognostiziert, dass sie gemeinsam mit Tesla weltweit eine dominierende Rolle spielen könnten.


