Torontos KI-Liebling Cohere ist mit einer gewaltigen Finanzierungsrunde über 500 Millionen US-Dollar offiziell in die Riege der Elite-Start-ups aufgestiegen und wird nun mit 6,8 Milliarden US-Dollar bewertet – doch die eigentliche Schlagzeile ist die spektakuläre Verpflichtung einer Führungskraft.
Das Start-up für generative KI hat gerade die ehemalige Meta-KI-Chefin Joelle Pineau als neue Chief AI Officer abgeworben – eine der größten Personalentscheidungen im anhaltenden Kampf um KI-Talente. Die Financial Post hat die Nachricht publik gemacht und diese Woche berichtet, dass Pineau von Montreal aus Forschung und Produktentwicklung leiten wird. Dort hat Cohere im vergangenen Monat sein zweites kanadisches Büro eröffnet.
Der Abwerbeerfolg bei Meta sorgt für zusätzlichen Hype um das Start-up
Der Zeitpunkt könnte für Cohere kaum besser sein, denn das Unternehmen baut sein Angebot an Unternehmens-KI aggressiv aus. Die Financial Post berichtet, dass 85 % von Cohere auf Geschäfte mit Unternehmen aus dem privaten Sektor entfallen – darunter Giganten wie Dell, Oracle und Fujitsu. Der Coup auf Führungsebene signalisiert Coheres Absicht, OpenAI und Google im Unternehmensmarkt herauszufordern.
Cohere wurde erst vor sechs Jahren gegründet, hat insgesamt 1,5 Milliarden US-Dollar eingesammelt und ist mit einer seit Juni 2023 um 200 % gestiegenen Bewertung an Konkurrenten wie OpenAI vorbeigezogen.
Tech-Giganten setzen große Hoffnungen auf Cohere
Die Zahlen erzählen eine überzeugende Geschichte über Coheres rasanten Aufstieg im Wettrüsten um KI. Daten von vor 17 Monaten zeigen, dass Coheres annualisierter Umsatz zwischen Dezember 2023 und März 2024 von 13 Millionen US-Dollar auf 35 Millionen US-Dollar gestiegen ist – in nur vier Monaten also beinahe auf das Dreifache. Große Investoren – darunter Cisco, AMD, Fujitsu und der kanadische Pensionsfonds PSP Investments – setzen offensichtlich auf Coheres auf Unternehmen ausgerichtete Strategie.
Im vergangenen Jahr erklärte das Unternehmen, es wolle seine Belegschaft von 250 auf 500 Mitarbeiter verdoppeln. Bereits in der vergangenen Woche beschäftigte es jedoch 400 Mitarbeiter. Die Partnerschaft von Cohere mit der Royal Bank of Canada zur Entwicklung von „North for Banking“ im Januar zeigt, wie das Unternehmen lukrative Nischen besetzt, die OpenAI bislang noch nicht dominiert.
Die Milliardenfrage: Kann Cohere tatsächlich liefern?
Die Realität hinter Coheres astronomischer Bewertung offenbart einige bedenkliche Lücken. Im vergangenen Jahr lag das Unternehmen unter den großen KI-Modellen nur auf Platz sechs, während sein Flaggschiff Command R+ bei Qualitäts-Benchmarks mit einem enttäuschenden 37. Platz abschnitt. Kritiker bemängeln außerdem Coheres schwache Leistung in Stanfords HELM-Ranking, insbesondere beim Preis-Leistungs-Verhältnis.
Doch die Investoren scheint das nicht zu beunruhigen. Die weltweiten Risikokapitalinvestitionen in generative KI erreichten im vergangenen Jahr 56 Milliarden US-Dollar bei 885 Finanzierungsrunden. Megarunden wie die 10 Milliarden US-Dollar von Databricks und die 6 Milliarden US-Dollar von xAI zeigen, dass die Euphorie am Markt anhält – und Cohere weiterhin Kapital einwirbt.
Kann Pineaus KI-Expertise endlich die Durchbruchmodelle hervorbringen, die Coheres massive Bewertung rechtfertigen? Wir bleiben dran.
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