Es ist 4:00 Uhr morgens, und ein schriller, beunruhigender Laut deiner geliebten Katze durchschneidet die Stille. Es ist nicht ganz ein Heulen und nicht ganz ein Jaulen, aber dringend genug, um dich im Dunkeln herumtasten zu lassen.
„Hat Mittens Schmerzen? Hat sie Hunger? Hat sie gerade eine Motte in die Ecke gedrängt?“
Dieses Szenario ist nicht nur in der modernen Zeit bekannt. Seit Generationen rätseln Katzenhalter darüber, was ihre Haustiere genau mitteilen wollen. Künstliche Intelligenz könnte dabei helfen.
Wissenschaftler und Entwickler nutzen künstliche Intelligenz, um die Kommunikation von Katzen zu entschlüsseln, wie kürzlich in Scientific American berichtet wurde. Die KI-gestützten Tools analysieren alles – von Tonhöhe und Dauer bis hin zu Körperbewegungen und sogar Vitalzeichen –, um die Absicht einer Katze zu erkennen. Diese Technologie kann angeblich entschlüsseln, ob eine Katze hungrig, genervt, zutraulich oder etwas dazwischen ist.
Von Schnurren zu Patenten
Im Mai reichte Baidu ein Patent für ein System ein, das Tierlaute mithilfe einer Kombination aus Ton, Bewegung und biometrischen Daten analysiert. Dieser multimodale Ansatz soll nicht nur verschiedene Lautarten, sondern auch emotionale Zustände wie Angst, Dringlichkeit oder Zufriedenheit unterscheiden.
Ebenfalls im Mai behauptete ein Tool namens Feline Glossary Classification 2.3, es könne mehr als 40 Arten von Katzenlauten in fünf Verhaltenskategorien erkennen. Möglich wurde dieser Fortschritt durch Deep-Learning-Modelle, die mit Spektrogrammbildern von Katzenlauten trainiert wurden.
2018 trainierte ein Team einen Algorithmus mithilfe einer als CatSound bekannten Datenbank für Katzenlaute und erzielte Berichten zufolge eine Genauigkeit von über 90 % bei der Klassifizierung von Lautäußerungen. Diese Grundlagenarbeit inspirierte MeowTalk, eine Smartphone-App, die behauptet, Miauen in Sätze wie „Ich habe Hunger“ oder „Ich habe Schmerzen“ übersetzen zu können.
Miauen, Spektrogramme und maschinelles Sehen
Wie funktioniert das alles also tatsächlich?
Wie bereits erwähnt, verwandelt KI das Miauen einer Katze in ein Spektrogramm – eine visuelle Darstellung von Audiofrequenz, Tonhöhe und Lautstärke im Zeitverlauf. Fortschrittliche neuronale Netze analysieren diese Muster dann, um sie bestimmten Bedürfnissen und Absichten von Katzen zuzuordnen. Einige Systeme gehen noch einen Schritt weiter und kombinieren den Ton mit Daten wie Schwanzbewegungen oder Herzfrequenz, um den Klang besser in seinen Kontext einzuordnen.
Mehr als nur eine Spielerei?
Auch wenn sich die Technologie rasant weiterentwickelt, sollten die Erwartungen laut Experten realistisch bleiben. KI kann Laute kategorisieren, aber für Tiere zählen grundlegende Dinge – etwa Futter, Sicherheit und Spielen – und keine komplexen menschlichen Konzepte. Eine App könnte dir also zwar sagen „Füttere mich“ oder „Geh weg“, doch ein vollständiges Hin und Her zwischen Menschen und Katzen wird es so bald nicht geben.
Aus diesem Grund steht Kevin Coffey, ein Psychologe hinter einem Machine-Learning-System namens DeepSqueak, den Behauptungen von KI-Unternehmen etwas skeptisch gegenüber.
Er merkte an, dass der „Bereich der Tierkommunikation durch die Konzepte definiert wird, die für [die Tiere] wichtig sind – durch die Dinge, die in ihrem Leben eine Rolle spielen“, sagte er laut Scientific America. „Die Behauptungen, „dass wir den konzeptionellen semantischen Raum der Tiersprachen überlagern und dann direkt übersetzen können – was meiner Ansicht nach völliger Unsinn ist.“
Coffey räumt ein, dass eine App oder KI Haltern dabei helfen kann zu erkennen, wann ihre Katze hungrig ist oder Aufmerksamkeit möchte. Er glaubt jedoch weiterhin nicht, dass dies weltbewegend ist. „Darin sind wir ohnehin schon ziemlich gut. Haustierhalter kommunizieren bereits auf dieser Ebene mit ihren Tieren.“
Über Katzen hinaus
Diese Fortschritte beschränken sich nicht auf Katzen. Ähnliche KI-Tools wurden eingesetzt, um die Ultraschallgesänge von Mäusen und das Nachahmungsverhalten zwischen Hunden und Pferden zu entschlüsseln. Mit zunehmender Komplexität des maschinellen Lernens hoffen Forscher, dass es Menschen helfen kann, Tiere besser zu verstehen – und vielleicht eines Tages sogar Wildtiere.
Ob wir allerdings wirklich bereit sind zu hören, was unsere Katzen über uns zu sagen haben … nun, das ist eine andere Geschichte.
Lesen Sie unseren aktuellen Artikel über das erste große Audio-Sprachmodell, das speziell für die Analyse von Tierlauten entwickelt wurde.


