Selten in der Geschichte der Software wurde ein Codehaufen so verachtet wie „Clippy“, die animierte Büroklammer mit den großen Kulleraugen, die Microsoft 1997 angeblich zur Unterstützung der Office-Nutzer einführte. Time kürte sie zu einer der 50 schlimmsten Erfindungen der Welt. Der Mann, der sie entworfen hatte, prahlte damit, dass seine Schöpfung auf dem Höhepunkt „täglich Hunderte Millionen Menschen nervte“. Sogar Microsoft selbst entwickelte schließlich eine selbstironische Werbekampagne über die Frustration der Menschen mit dieser Büroklammer.
Was also war das Problem mit Clippy? Kurz gesagt: Er war überladen.
Bloatware, auch als Feature Creep bekannt, bezeichnet den Umstand, dass aufeinanderfolgende Programmversionen immer mehr Speicher und Rechenleistung beanspruchen und dadurch alles verlangsamen, ohne erkennbare Verbesserungen zu bieten.
Bloatware ist heute ein ebenso großes Problem wie eh und je, da „hilfreiche“ Software vom Desktop auf das Smartphone und in die Cloud sowie sogar in Software-as-a-Service-Produkte gewandert ist. Aufgeblähtes SaaS ist besonders ärgerlich, weil diese Unternehmenssoftwarepakete ursprünglich als schlanke Antwort auf den Software-Ballast verkauft wurden. Laut Gartner werden „Organisationen bis 2023 750 Millionen US-Dollar für ungenutzte Funktionen von IT-Software zu viel ausgeben.“
Es ist an der Zeit, dass die Technikwelt aus den Lehren von Clippy lernt und die Bloatware beseitigt.
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Warum Bloatware immer schlimmer wird
Bloatware ist immer weiter verbreitet und nimmt inzwischen nicht mehr nur Verbraucher, sondern zunehmend auch Unternehmen ins Visier. Zum Beispiel:
- Ingenieure entwickeln clevere neue Tricks und Funktionen, die dann als Begründung für eine weitere Produktvariante dienen – statt für Innovationen, die Nutzer benötigen.
- Die Vertriebsmitarbeiter brauchen neue Funktionen, um der Welt zu zeigen, dass ein Produkt wächst und sich verbessert, und verkaufen anschließend die neueste Version als Upgrade.
- Größere Kunden verlangen spezielle Funktionen, die nun Teil des Produkts werden, das alle verwenden. Das führt dazu, dass Kunden höhere Preise für Funktionen zahlen, die sie nicht benötigen, wollen oder nutzen.
Diese aufgeblähte Software hat dazu geführt, dass IT-Abteilungen Zeit damit verschwenden, Bestandteile einer „Funktionalität“ zu konfigurieren, deren Konfiguration von Anfang an korrekt hätte erfolgen sollen, sie wieder zu dekonfigurieren und zu erweitern. Diese komplizierten, schwer zu verwaltenden Pakete und Plattformen beeinträchtigen die Agilität einer Organisation und lenken IT-Teams davon ab, sich auf ihre eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren.
Zudem gibt es Sicherheitsrisiken. Bloatware kann die Angriffsfläche eines Unternehmens vergrößern, und ein übermäßig komplexes System ist noch schwieriger zu schützen. Es überrascht daher nicht, dass die Zahl der Datenschutzverletzungen bereits auf ein Rekordjahr zusteuert.
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So lässt sich Bloatware stoppen
In der Welt der Verbraucher haben Dienstprogramme wie Should I Remove It an Beliebtheit gewonnen, da Verbraucher nach Möglichkeiten suchen, unerwünschte Apps zu löschen. In der Geschäftswelt ist im vergangenen Jahrzehnt eine neue Generation schlanker SaaS-Produkte entstanden, die kleinen und mittelständischen Unternehmen helfen soll, denen die IT-Budgets fehlen, um mit dem durch Feature Creep verursachten Software-Ballast umzugehen.
Um Bloatware einzudämmen, sollten IT-Fachleute Folgendes tun:
- Die Anwendungsbereinigung zu einer häufigen und regelmäßigen Aufgabe machen, bei der alle SaaS-Anwendungen
- überprüft werden. Regelmäßig bewerten, ob eine App beibehalten, ersetzt oder stillgelegt werden soll. Tatsächlich sollte die Verwaltung von SaaS-Anwendungen zu einer zentralen IT-Kennzahl werden – mit dem Ziel, weniger davon zu haben.
Eine weitere zentrale Kennzahl sollte bei der Einführung einer Anwendung erhoben werden: Wird sie genutzt, und werden gegebenenfalls auch alle Funktionen verwendet? Wenn die App nicht genutzt wird, sollte sie außer Betrieb genommen werden. Werden nicht alle Funktionen genutzt, kommt sie für einen Ersatz infrage.
Es ist an der Zeit, dem Feature Creep ein Ende zu setzen und aus den Fehlern von Clippy und anderen früheren Bloatware-Sündern zu lernen. Um den Software-Ballast zu stoppen, müssen wir Software entwickeln, die sich auf das Wesentliche dessen konzentriert, was Nutzer benötigen – SaaS, das sich leicht anpassen lässt, effizient zu verwalten und flexibel zu integrieren ist. Clippy ist nun verschwunden, und wir sind auf dem richtigen Weg.
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Über den Autor:
Prasad Ramakrishnan, CIO, Freshworks


