Anthropic ist eine Partnerschaft mit Teach For All eingegangen, um eine globale KI-Schulungsinitiative zu starten.
Sie soll Lehrkräften in 63 Ländern dabei helfen, praktische KI-Kompetenzen aufzubauen und mithilfe von Claude für den Unterricht geeignete Tools zu entwickeln. Die über das AI Literacy & Creator Collective (LCC) umgesetzte Zusammenarbeit soll mehr als 100.000 Lehrkräfte und Alumni im Netzwerk von Teach For All erreichen, das weltweit mehr als 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler betreut.
Die Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich Schulen und Bildungssysteme zunehmend mit der Frage auseinandersetzen, wie KI in den Unterricht eingeführt werden sollte – nicht nur als Tool, dessen verantwortungsvolle Nutzung Schülerinnen und Schüler lernen müssen, sondern auch als möglicher Motor für die Gestaltung von Lehrplänen, die Entlastung von Lehrkräften und stärker individualisiertes Lernen. Befürworter argumentieren, dass die Partnerschaft dazu beitragen könnte, die Kluft zwischen gut und schlecht ausgestatteten Schulen zu verringern, indem Lehrkräfte Zugang zu fortschrittlichen Tools und Schulungen erhalten, die typischerweise in wohlhabenderen Schulbezirken konzentriert sind.
Skeptiker warnen jedoch, dass KI-Programme Ungleichheiten verschärfen können, wenn Schulen keinen zuverlässigen Internetzugang, keine Geräte oder keine Zeit für Lehrkräfte haben und wenn sich die Schulungen stärker auf Experimente als auf eine nachhaltige Umsetzung konzentrieren. Anthropic–Teach-For-All-Partnerschaft will diese Risiken angehen, indem sie Lehrkräfte ins Zentrum der Entwicklung stellt und sich auf Anwendungsfälle konzentriert, die von den Realitäten des Unterrichts bestimmt werden.
Reichweite und Mission von Teach For All
Teach For All ist ein globales Netzwerk unabhängiger, lokal geführter Organisationen, die sich für mehr Bildungschancen einsetzen und auf dem von Teach For America etablierten Modell aufbauen. In den vergangenen 15 Jahren ist das Netzwerk zu einer der weltweit größten Gemeinschaften von Lehrkräften an Schulen in unterversorgten Gebieten gewachsen. Zu den Mitgliedsorganisationen gehören unter anderem Teach For India, Enseña Chile und Teach For Nigeria.
Da diese Organisationen in sehr unterschiedlichen Bildungsumgebungen tätig sind – von nationalen Schulsystemen bis hin zu regionalen Programmen –, werden Lehrkräfte im Rahmen der neuen Partnerschaft KI in ganz unterschiedlichen Kontexten erproben. Diese globale Verbreitung könnte Erkenntnisse darüber liefern, welche Arten KI-gestützter Bildungstools in unterschiedlichen Umgebungen funktionieren und welche Ansätze scheitern, wenn sich die infrastrukturellen oder kulturellen Anforderungen unterscheiden.
Ein Modell der gemeinsamen Entwicklung
Anthropic und Teach For All beschreiben die Initiative als Abkehr von der Vorstellung, Lehrkräfte seien lediglich Endnutzer eines vorgefertigten Produkts. Stattdessen werden Lehrkräfte als aktive Mitwirkende positioniert, die mitbestimmen, wie Claude im Bildungsbereich eingesetzt wird und wie es sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt.
Indem die Partnerschaft aktiv Rückmeldungen von Lehrkräften sammelt, positioniert sie sich nicht nur als Schulungsprogramm, sondern auch als Pipeline für eine Produktentwicklung, die von realen Unterrichtsumgebungen geprägt wird.
Was Lehrkräfte mit Claude entwickeln
Eine Lehrkraft in Liberia, die zuvor keine Erfahrung mit KI hatte, nahm an Live-Schulungen zur Vermittlung von KI-Kompetenzen teil und entwickelte schon bald einen interaktiven Lehrplan zur Klimabildung, der speziell für liberianische Schulen konzipiert ist. Das Projekt wurde mit Claude Artifacts erstellt, einer Funktion, die interaktive Ergebnisse wie Apps, Spiele oder Visualisierungen ermöglichen soll, die Claude schnell generieren kann.
In Bangladesch entwickelte eine Lehrkraft, die mit Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 6 und 7 arbeitete – mehr als die Hälfte von ihnen hatte Schwierigkeiten mit grundlegenden Rechenfertigkeiten –, eine spielerische Mathe-Lern-App mit Bosskämpfen, einer Rangliste und XP-Belohnungen. Wenn sich dieses Tool als wirksam erweist, könnte es eine kostengünstige Möglichkeit bieten, in Klassenräumen zum Üben und Mitmachen zu motivieren, in denen Schülerinnen und Schüler möglicherweise zusätzliche Unterstützung benötigen. Die langfristigen Auswirkungen werden jedoch davon abhängen, ob Geräte verfügbar sind und ob Lehrkräfte über die Kapazitäten verfügen, die Software zu pflegen oder zu aktualisieren.
Anthropics größere Offensive
Anthropic erklärte, die Teach-For-All-Initiative baue auf den weltweit ausgedehnten Aktivitäten des Unternehmens im Bildungs- und Regierungsbereich auf. Das Unternehmen verwies auf ein nationales Pilotprojekt zur KI-Bildung in Iceland, eine Partnerschaft in Ruanda mit der Regierung und ALX zur Ausweitung der KI-Bildung in Afrika sowie auf die Beteiligung an der White House Taskforce on AI Education.
Das Ausmaß dieser Aktivitäten deutet darauf hin, dass Anthropic sich nicht nur als Anbieter allgemeiner KI, sondern auch als bedeutender Akteur in formalen Bildungssystemen positioniert.
Dieser Schritt birgt sowohl Chancen als auch Anlass zur kritischen Prüfung: Partnerschaften können den Zugang zu Tools und Schulungen beschleunigen, werfen aber auch Fragen zur langfristigen Abhängigkeit von Plattformen des Privatsektors, zu Datenpraktiken und zur Regulierung des KI-Einsatzes in Klassenzimmern auf.
Microsoft unternimmt einen neuen Vorstoß im Bildungsbereich und führt kostenlose KI-Tools, Schulungen und Premiumsoftware für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler ein.


