Das Chaos im Roten Meer hat die digitale Lebensader der Welt in ein Schlachtfeld verwandelt.
Die Auswirkungen sind spürbar: langsamere Seiten, abgehackte Videoanrufe und vieles mehr. Metas gewaltiges 45.000 Kilometer langes 2Africa-Kabelprojekt, das ursprünglich bis 2025 fertiggestellt werden sollte, steckt nun fest – sein südlicher Abschnitt im Roten Meer ist noch immer zu gefährlich, um ihn zu bauen.
Googles Blue-Raman-System ist mit denselben Verzögerungen konfrontiert, ebenso wichtige Projekte wie India-Europe-Xpress und Sea-Me-We 6 – alle gefangen in dem, was zu einem maritimen Kriegsgebiet geworden ist. Meta verwies auf operative Herausforderungen, regulatorische Hürden und geopolitische Risiken, und nichts davon scheint sich bald zu entspannen.
Verdeckter Krieg stört Ihre Internetverbindung
Laut Bloomberg haben die vom Iran unterstützten Huthi in den vergangenen zwei Jahren unablässig Raketenangriffe gestartet, die Handelsschiffe zu kostspieligen Umwegen zwangen und es spezialisierten Kabelverlegeschiffen unmöglich machten, zu operieren. Das ist nicht nur ein Problem für die Schifffahrt. Durch das Rote Meer verlaufen etwa 17 Prozent des weltweiten Internetverkehrs und mehr als 90 Prozent der Kommunikation zwischen Europa und Asien.
Es wurde immer schlimmer. Im März 2024 wurden im Roten Meer vier Unterseekabel durchtrennt, wodurch schätzungsweise 25 Prozent des Telekommunikationsverkehrs zwischen Asien, Europa und Afrika beeinträchtigt wurden. Vor zwei Monaten wurden erneut mehrere Glasfaserkabel durchtrennt, was die Internetverbindungen im Nahen Osten und in Asien verschlechterte. Microsofts Azure-Cloud-Dienst war während dieser Vorfälle betroffen – ein Beweis dafür, dass kein Technologiekonzern immun bleibt.
Milliardenschwerer Wettlauf um alternative Routen
Angesichts dieser wachsenden Risiken prüfen Technologieunternehmen nun kostspielige Alternativen über Land durch Länder wie Bahrain und Saudi-Arabien, um das Rote Meer vollständig zu umgehen. Die Verzögerungen erzeugen einen finanziellen Engpass: Kabelinvestoren müssen Kapazitäten auf anderen Routen kaufen, während sie darauf warten, ihre Projekte im Wert von mehreren Milliarden Dollar zu monetarisieren.
Die menschlichen Kosten gehen über Tabellenkalkulationen hinaus. Diese Verzögerungen schränken den Breitbandausbau in unterversorgten Ländern ein, wodurch die Kosten für Verbraucher steigen und die Geschwindigkeiten gerade dort sinken, wo Konnektivität am wichtigsten ist. Mehr als 30 Telekommunikationsunternehmen haben zwischen 2000 und 2024 über 10 Milliarden US-Dollar in die Verlegung von Unterseekabeln in der Region des Roten Meeres investiert – jeder Monat Verzögerung schmerzt daher.
Ihre digitale Zukunft
Reparaturen kommen nur schleppend voran. Experten bestätigten, dass die mittlere Wiederherstellungszeit nach Kabelschäden inzwischen durchschnittlich etwa 40 Tage beträgt, während die Reparaturkapazitäten noch immer hinter dem raschen Ausbau der Unterseenetze zurückbleiben. Die Investitionen in neue Unterseeprojekte dürften zwischen 2025–2027 etwa 13 Milliarden US-Dollar erreichen, doch der Ausbau übersteigt die Kapazitäten der Reparaturflotte.
Die Technologiegiganten geben nicht klein bei. Google hat 10 Milliarden US-Dollar zugesagt, um Indiens digitales Wachstum zu beschleunigen, und investiert 1 Milliarde US-Dollar in zwei neue Unterseekabel, die die USA, Japan und die Pazifikinseln verbinden. Die Projekte unterstützen die Zusammenarbeit zwischen den USA und Japan und sollen angesichts des wachsenden Wettbewerbs zwischen den USA und China im Pazifik die Netze absichern.
Vor zwei Monaten kam eine ernüchternde Realität ans Licht. Mehr als 95 Prozent aller weltweiten Daten werden über diese Unterseekabel übertragen. Sie sind Engpässe für alles – morgendliche Videoanrufe, Krankenakten und Finanztransfers in Billionenhöhe. Diese Krise legt eine Schwachstelle offen, die weit über eine bloße Unannehmlichkeit hinausgeht. Sie bedroht das Fundament der vernetzten Wirtschaft.
Während die geopolitischen Spannungen zunehmen, läuft der Wettlauf um den Aufbau widerstandsfähigerer, diversifizierter Netze, die einen Schlag durch Natur oder Konflikte verkraften und weiterlaufen können. Die Frage ist nicht, ob diese Schwachstellen erneut auf die Probe gestellt werden, sondern wann – und ob das digitale Rückgrat der Welt dann bereit sein wird.
Andernorts waren beide Unternehmen ebenfalls beschäftigt. Google DeepMinds aufgerüsteter Agent SIMA 2 bringt etwas Neues in Videospiele. Während sich Metas führender KI-Wissenschaftler Berichten zufolge darauf vorbereitet, das Unternehmen zu verlassen und sein eigenes Start-up zu gründen.


