Apple entwickelt eine Technologie, mit der Nutzer iPhones, iPads und Vision Pro-Headsets mithilfe ihrer Hirnsignale steuern können – ein bedeutender Schritt hin zu einer freihändigen, gedankenbasierten Interaktion mit Geräten. In Zusammenarbeit mit dem auf Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCIs) spezialisierten Startup Synchron arbeitet Apple an einem universellen Standard, der neuronale Aktivitäten in digitale Befehle übersetzt.
Die Initiative konzentriert sich zunächst darauf, Menschen mit Erkrankungen wie ALS und schweren Rückenmarksverletzungen zu ermöglichen, ihre Geräte ohne körperliche Gesten zu bedienen und durch deren Inhalte zu navigieren.
Synchron: Gehirnimplantat verbindet Gedanken mit Apple-Geräten
Synchrons Gerät namens Stentrode ist ein stentähnliches Implantat, das in einer Vene nahe dem motorischen Kortex des Gehirns platziert wird. Es erfasst neuronale Aktivitäten und übersetzt sie in Befehle, etwa zur Auswahl von Symbolen auf einem Bildschirm. Dieses Hirnsignal funktioniert dann mit Apples Funktion „Schaltersteuerung“, einem Bestandteil des Betriebssystems, mit dem sich iPhones, iPads und das Vision Pro-Headset über alternative Eingabegeräte steuern lassen.
The Wall Street Journal hob den Fall von Mark Jackson hervor, einem frühen Nutzer mit ALS, der außerhalb von Pittsburgh lebt und sein Vision Pro-Headset nutzte, um eine virtuelle Berglandschaft in den Schweizer Alpen zu erkunden. Jackson beschrieb das Erlebnis als lebensecht und sagte, er habe gespürt, wie seine Beine zitterten, obwohl er nicht stehen konnte.
Apple will Softwarestandard zur Leistungsverbesserung veröffentlichen
Obwohl die Technologie vielversprechend ist, haben frühe Nutzer wie Jackson die Benutzeroberfläche laut The Wall Street Journal im Vergleich zur üblichen Interaktion mit Smartphones oder Computern als deutlich langsamer empfunden. Um diese Leistungsprobleme zu beheben, will Apple noch in diesem Jahr einen speziellen Softwarestandard einführen. Dieser soll die Entwicklung von Werkzeugen vereinfachen, die speziell für Gehirnimplantate konzipiert sind.
„Dies ist ein prägender Moment für die Interaktion zwischen Mensch und Gerät“, sagte der CEO von Synchron, Tom Oxley, in einer Erklärung. „BCI ist mehr als ein Hilfsmittel für die Barrierefreiheit – es ist eine Schnittstellenebene der nächsten Generation. Apple trägt dazu bei, ein neues Schnittstellenparadigma voranzutreiben, in dem Hirnsignale neben Berührungen, Sprache und Tippen offiziell anerkannt werden.“
Gehirngesteuerte Technologie bietet Apple nach einigen Produktherausforderungen einen Absatzschub
Synchron hat sein Gerät seit 2019 bei 10 Menschen implantiert. Die Investmentbank Morgan Stanley schätzt laut The Wall Street Journal, dass in den USA etwa 150.000 Menschen frühe Kandidaten für diese Technologie sein könnten.
Apples Vorstoß in die gehirngesteuerte Technologie kommt für das Unternehmen zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Die iPhone-Produktion und der Gerätepreis von Apple sowie der Aktienkurs waren Teil der Diskussion über die Auswirkungen von Zöllen auf Technologieprodukte. Die Siri-Verzögerungen und damit verbundene Nachrichten waren keine Lichtblicke für den Technologiekonzern. Auch das mit großer Spannung erwartete Vision Pro, das mit erheblichem Medienrummel auf den Markt kam, war kommerziell nicht erfolgreich.
Apples Zusammenarbeit mit Synchron ist eine langfristige Wette darauf, die Interaktion zwischen Mensch und Gerät neu zu definieren. Ob sich diese bahnbrechende Technologie für Apple auch in Umsatzwachstum niederschlagen wird, bleibt eine offene Frage.


