Die Gründer von Manus, einem aufstrebenden Startup, das sich auf KI-Agenten spezialisiert hat, sind ins Zentrum eines geopolitischen Tauziehens geraten.
CEO Xiao Hong und Chief Scientist Ji Yichao wurden kürzlich zu Gesprächen mit der National Development and Reform Commission (NDRC) nach Peking vorgeladen. Laut der Financial Times wurden die beiden in Singapur ansässigen Manager zu möglichen Verstößen gegen die Regeln für ausländische Direktinvestitionen befragt, bevor man ihnen mitteilte, dass sie China nicht verlassen dürfen.
Zwar können sie sich innerhalb der Landesgrenzen frei bewegen, doch die Ausreisebeschränkung ist eine Warnung chinesischer Aufsichtsbehörden, die zunehmend einheimische Technologie schützen.
Warum Manus wichtig ist
Manus ist kein gewöhnliches Chatbot-Unternehmen. Das Unternehmen entwickelt autonome KI-Agenten, die komplexe digitale Aufgaben wie das Schreiben von Code, die Analyse riesiger Datensätze und die Verwaltung von Dateien erledigen können, ohne dass ein Mensch sie an die Hand nehmen muss.
Obwohl das Unternehmen inzwischen seinen Hauptsitz in Singapur hat, liegen seine Wurzeln fest in China. Es wurde 2022 als Beijing Butterfly Effect Technology gegründet, bevor das Kernteam und der operative Geschäftsbetrieb im vergangenen Jahr nach Singapur verlegt wurden. Dieser Schritt ebnete den Weg für die Übernahme des Unternehmens durch Meta im Dezember 2025 für schätzungsweise 2 Milliarden US-Dollar.
Berichten zufolge befürchten Pekinger Aufsichtsbehörden, dass diese Strategie aus Verlagerung und Übernahme anderen chinesischen Tech-Talenten als Blaupause dienen könnte, um die heimische Kontrolle zu umgehen. Laut der Financial Times, haben Beamte ihre Sorge darüber geäußert, dass „junge Talente“ in strategischen Bereichen wie der künstlichen Intelligenz an ausländische Konkurrenten „verkauft“ werden könnten.
Eine „chaotische“ Untersuchung
Die vom chinesischen Handelsministerium und der NDRC angeführte Untersuchung prüft, ob der Verkauf gegen Exportkontrollen oder Meldepflichten im Zusammenhang mit Änderungen der Eigentumsverhältnisse verstoßen hat.
Laut dem Wall Street Journal, untersuchen die Behörden insbesondere, ob die Verlagerung nach Singapur und der anschließende Verkauf an Meta Risiken für Nutzerdaten mit sich brachten oder gegen Gesetze zum „Technologieexport“ verstießen.
Eine Quelle erklärte der Financial Times, dass harte Strafen für diese konkreten Verstöße zwar selten seien, ein „extremes Ergebnis“ jedoch darin bestehen könnte, die gesamte Transaktion rückgängig zu machen. Allerdings sei ein solcher Schritt „chaotisch“, da Meta bereits damit begonnen habe, Manus’ 100-köpfiges Team und die Software in die eigene Plattform zu integrieren.
Trotz des regulatorischen Drucks steht Meta zu der Übernahme. Der Social-Media-Konzern betrachtet Manus als zentralen Bestandteil seiner „Superintelligence Labs“-Sparte, die von Alexandr Wang von Scale AI geleitet wird.
Zur laufenden Untersuchung in China erklärte ein Meta-Sprecher: „Die Transaktion entsprach vollständig den geltenden Gesetzen. Wir erwarten eine angemessene Lösung der Untersuchung.“
Damit setzt Peking erstmals Ausreiseverbote ein, um Führungskräfte, die an einem Geschäft mit einem großen US-Techkonzern beteiligt sind, direkt ins Visier zu nehmen. Dies verdeutlicht die wachsende Verzweiflung auf beiden Seiten des Pazifiks, KI-Talente zu halten. Während die USA ihre Chip-Exporte verschärfen, reagiert China, indem es seine „jungen Talente“ zunehmend daran hindert, ihr Können und ihren Code ins Silicon Valley mitzunehmen.
Unterdessen führen Roboter-„Freiwillige“ in Shenzhen bereits Besucher herum, verteilen Hilfsgüter und testen, wie KI öffentliche Dienstleistungen in der realen Welt unterstützen könnte.


