Arbeitssuchende, die von KI-Agenten interviewt wurden, erhielten laut einer umfangreichen Studie der University of Chicago und der Erasmus University Rotterdam mit etwa 12 % höherer Wahrscheinlichkeit ein Jobangebot. Diejenigen, die eingestellt wurden, blieben mit 17 % höherer Wahrscheinlichkeit mindestens den ersten Monat im Job.
Eines der bemerkenswerteren Ergebnisse war, dass sich bei freier Wahl fast 78 % der 14.000 Bewerber für ein von KI geführtes Interview entschieden.
Die KI gab sich zu Beginn jedes Anrufs zu erkennen, und letztlich wurden alle Einstellungsentscheidungen von Menschen getroffen. Bei den Stellen handelte es sich um Einstiegspositionen im Kundenservice auf den Philippinen. Neben einem überzeugenden Abschneiden im Interview mussten die Kandidaten auch einen standardisierten Test erfolgreich absolvieren.
KI: positiv
Das Feedback der Teilnehmer zeigte, dass 70 % das Gespräch mit einem KI-Agenten als positive Erfahrung empfanden – etwas, das Brian Jabarian überraschte; er ist der federführende Forscher der Studie und Wirtschaftswissenschaftler an der University of Chicago. Jabarian sagte gegenüber Bloomberg, er sei überrascht gewesen, wie geschickt der Agent durch soziale Interaktion Daten sammelte – eine Fähigkeit, die typischerweise eher Menschen zugeschrieben wird.
Die Forscher stellten außerdem fest, dass sich fast vier von fünf Bewerbern, die die Wahl hatten, dafür entschieden, ihre Interviews mit einer KI statt mit einem menschlichen Recruiter zu vereinbaren. Als möglichen Grund nannten sie die größere Bequemlichkeit.
KI: negativ
Den Ergebnissen zufolge wurden etwa 7 % der KI-Interviews durch technische Störungen beeinträchtigt. Die Bewerber bewerteten die KI-Sprachassistenz laut Bloomberg als „deutlich weniger natürlich“.
Das KI-System ermöglichte es Arbeitssuchenden zwar, schneller Interviews zu buchen, doch Recruiter benötigten etwa doppelt so lange, um die von der KI erstellten Interviewnotizen zu prüfen, wie bei von Menschen geführten Gesprächen. Das wirft Fragen zur Effizienz und zum Return on Investment auf.
Ausblick
„Diese Forschung bietet einen seltenen Einblick darin, wie KI eine komplexe und sozial nuancierte menschliche Aufgabe bewältigt“, sagte Luca Henkel, assistant professor an der Erasmus School of Economics, der die Studie gemeinsam mit Jabarian verfasst hat. „Die Ergebnisse legen nahe, dass KI bei durchdachter Gestaltung ein leistungsfähiges Instrument im Einstellungsprozess sein kann, ohne die Erfahrung der Bewerber zu beeinträchtigen.“
Jabarian erklärte: „Unsere groß angelegte Studie hat anhand der Daten gezeigt, dass KI menschliche Recruiter bei der Durchführung von Bewerbungsgesprächen – einer komplexen, aber zentralen Aufgabe im Einstellungsprozess – ebenbürtig sein kann, während sie die Zufriedenheit der Kandidaten bewahrt, reibungslose Abläufe sicherstellt und die Effizienz der Einstellung sowie die frühe Mitarbeiterbindung verbessert.“
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