KI wird schnell zur bevorzugten Waffe von Hackern. Eine neue weltweite Umfrage zeigt, dass Cybersecurity-Fachleute KI-gestützte Angriffe als die größte Bedrohung für den Beginn des Jahres 2026 ansehen – noch vor Ransomware und Angriffen durch Insider.
Laut ISACAs Tech Trends & Priorities Pulse Poll 2026 gaben fast sechs von zehn Fachleuten für digitales Vertrauen an, dass KI-gestützte Cyberbedrohungen sie im kommenden Jahr „nachts wachhalten werden“. An der Umfrage beteiligten sich weltweit branchenübergreifend fast 3.000 Experten aus den Bereichen Cybersecurity, Audit, Risiko und Compliance.
Die Bedrohung, die niemals schläft
ISACAs aktuelle Erkenntnisse offenbaren eine Bedrohung, die niemals herunterfährt. 59 % der Fachleute für digitales Vertrauen nennen KI-gestützte Cyberbedrohungen und Deepfakes als ihre größte Sorge – der höchste Wert in der Umfrage.
Auf die Frage, was sie in Alarmbereitschaft hält, stuften die Befragten traditionelle Gefahren deutlich niedriger ein:
- 36 % verwiesen auf das Versagen bei der Erkennung oder Reaktion auf einen Sicherheitsvorfall, das großen Schaden verursacht
- 35 % nannten Insiderbedrohungen und menschliche Fehler
- 33 % warnten vor Fehlkonfigurationen in der Cloud und Schatten-IT
Andere Sorgen – von regulatorischer Komplexität und Risiken in der Lieferkette bis hin zum Fachkräftemangel – fielen noch weiter zurück. Das unterstreicht, wie dominant KI in der Bedrohungslandschaft geworden ist.
Dieses Muster zeigt, wie sich Verteidiger vom Kampf gegen vertraute Gegner der Konfrontation mit einem intelligenten, anpassungsfähigen Feind zuwenden. Einst der Motor für Innovation, wird KI nun in den falschen Händen als Waffe betrachtet.
KI hebt Social Engineering auf ein gefährlich neues Niveau
Die Daten zeigen, dass 63 % der Fachleute KI-gestütztes Social Engineering als die schwerwiegendste Cyberbedrohung einstufen, der sie sich gegenübersehen werden – mit großem Abstand vor Ransomware und Insider-Risiken. Dieser Anstieg markiert eine neue Phase der Manipulation, in der Algorithmen statt Menschen die Drehbücher schreiben.
Zum Vergleich: 54 % verwiesen auf Ransomware- und Erpressungsangriffe, während 35 % Insiderbedrohungen als ihre größte Sorge nannten. Das überrascht nicht, denn Cyberkriminelle nutzen inzwischen Automatisierung und große Sprachmodelle , um überzeugende Phishing-Nachrichten zu erstellen, Führungskräfte nachzuahmen, und sogar Stimmen zu klonen oder Gesichter zu kopieren – und das in großem Maßstab.
KI-Tools können inzwischen die Grenzen von Zeit und Können beseitigen, die Angreifer einst einschränkten. Dadurch können Cyberkriminelle Täuschungen mit beispielloser Präzision personalisieren und Social Engineering in eine vollständig industrialisierte Bedrohung verwandeln.
Angesichts dieser Eskalation sagen 48 % der Fachleute für digitales Vertrauen, dass der Umgang mit KI-bezogenen Risiken „sehr wichtig“ ist. Damit liegt dieses Thema neben der Einhaltung regulatorischer Vorgaben mit 66 % und der Cloud-Sicherheit mit 47 % auf der Prioritätenliste von Unternehmen. Zunehmend integrieren Aufsichtsräte KI-Governance in dieselben Rahmenwerke, die Vertrauen und Stabilität schützen.
Abwehrmaßnahmen hinken hinterher, während Teams an ihre Grenzen kommen
Alarmierend ist, dass nur 13 % der Befragten angeben, ihre Organisationen seien „sehr gut vorbereitet“, um die mit generativer KI verbundenen Risiken zu bewältigen. Weitere 30 % räumen ein, nicht sehr gut oder überhaupt nicht vorbereitet zu sein. Diese Lücke zeigt, wie schnell die Einführung von KI die Schutzvorkehrungen überholt, die sie eigentlich eindämmen sollen.
Dieser Mangel setzt auch den Menschen zu. 41 % der Fachleute sagen, dass es ihre größte Sorge ist, mit dem Tempo des KI-gestützten Wandels Schritt zu halten. Es folgen die zunehmende Komplexität der Bedrohungen mit 27 %, Herausforderungen bei der Personalgewinnung mit 23 % und Burnout mit 14 %.
Der Druck verlagert sich von den Systemen auf die Belegschaft und macht die menschliche Ebene zur nächsten kritischen Schwachstelle der Cybersecurity.
KI wird nicht warten – die Verteidiger können es ebenso wenig
ISACAs Daten lassen wenig Zweifel: KI hat das Tempo der Cybersecurity verändert. Die Bedrohungen sind schneller, die Risiken größer und die Zeitfenster für Reaktionen kürzer. Im Zeitalter intelligenter Angriffe müssen Verteidiger lernen, sich mit derselben Präzision und Geschwindigkeit zu bewegen wie die Systeme, gegen die sie kämpfen.
Auch Open-Source-Code gerät zunehmend unter Beschuss, wobei aktuelle Daten auf einen starken Anstieg bösartiger Pakete hindeuten – und zwar in großen Software-Registries.


