Humanoide Roboter treten ins App-Zeitalter ein. Das chinesische Robotikunternehmen Unitree hat den nach eigenen Angaben weltweit ersten „Roboter-App-Store“ vorgestellt. Nutzer können dort Software für seine humanoiden Roboter herunterladen, teilen und entwickeln – und damit das App-Modell des Smartphones auf die physische KI übertragen.
Der Unitree App Store befindet sich derzeit in einer öffentlichen Betaphase und konzentriert sich auf Bewegungsabläufe und Aufgabenmodelle für den G1 humanoid robot. Zu den ersten Anwendungen gehören unterhaltungsorientierte Downloads wie Funny Actions, der Tanz Twist aus den 1960er-Jahren und eine Kampfkunstroutine namens Bruce Lee, die die Bewegungen des legendären Kämpfers reproduziert.
Laut Unitree können Nutzer auf der Plattform „entwickeln und teilen“, und „außergewöhnliche Entwickler werden belohnt“. Nutzer können Bewegungssoftware ebenso einfach auf ihren Robotern installieren wie auf einem Smartphone und zudem selbst trainierte Bewegungsabläufe hochladen, die andere verwenden können.
Ein Entwicklerökosystem aufbauen
Der App-Store von Unitree dient nicht nur dem Spaß. Er soll ein Nutzer- und Entwicklerökosystem wachsen lassen.
Mehr als 1.200 Entwickler sind der Plattform beigetreten, und bereits 237 Anwendungen sind verfügbar. Die Software deckt Logistik und Lagerhaltung (38 %), die industrielle Fertigung (29 %) und Serviceroboter (17 %) ab.
Das chinesische Medienunternehmen 36Kr berichtet, dass das Unternehmen innerhalb von drei Jahren 100.000 Robotergeräte vernetzen, 100 Entwicklerunternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 10 Millionen Yuan aufbauen und 10 Anwendungsszenarien mit einem Wert von zig Milliarden schaffen will. Eine von 36Kr zitierte IDC-Analyse schätzt, dass der globale Markt für Roboter-App-Stores bis 2027 ein Volumen von 18,7 Milliarden US-Dollar erreichen könnte. Unitree hofft, sich frühzeitig einen Anteil daran zu sichern.
Die Idee ist zwar vielversprechend, doch Experten weisen auf Herausforderungen hin. Industrielle Nutzer könnten zögern, proprietäre Bewegungsmodelle zu teilen, die ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Auch die Sicherheit ist ein Problem: Wenn Code von Drittanbietern auf Robotern ausgeführt werden darf, könnten dadurch Schwachstellen entstehen.
Der Store ist derzeit auf das Modell G1 beschränkt, und die meisten Apps dienen der Unterhaltung. Doch der langfristige Plan von Unitree umfasst auch praktischere Einsatzmöglichkeiten, etwa Service-, Lager- und Industrieroboter, die Aufgaben in der realen Welt erledigen können.
Unitree-Gründer Wang Xingxing glaubt, dass dies erst der Anfang ist. Nach den unterhaltungsorientierten vorgefertigten Routinen will das Unternehmen zu Robotern übergehen, die Sprachbefehle für Aufgaben in der realen Welt befolgen können – etwa um einen Tisch aufzuräumen oder Wasser zu holen, möglicherweise schon im kommenden Jahr.
Ebenfalls im Trend: Ein Start-up plant, bis zu 50.000 humanoide Roboter bis 2027 zu produzieren – für den Einsatz in Industrie und Verteidigung. Das zeigt, wie schnell sich die Robotiklandschaft verändert.


