Claude kann jetzt laut genauso gründlich nachdenken wie auf der Seite.
Anthropic hat den Sprachmodus von Claude mit den leistungsfähigeren Modellen Opus und Sonnet aufgerüstet. Nutzer erhalten dadurch tiefere Gespräche, Zugriff auf angebundene Arbeits-Tools und eine größere Sprachauswahl – während der Wettbewerb bei KI-Sprachassistenten weiter an Fahrt aufnimmt.
Das Update ersetzt das frühere Spracherlebnis, das für schnelle Antworten ausschließlich auf dem schlanken Haiku-Modell basierte. Während Haiku auf Geschwindigkeit setzte, erklärte Anthropic, dass Nutzer den Sprachmodus zunehmend für längere und komplexere Gespräche nutzten, die leistungsfähigeres Schlussfolgern erforderten.
„Der Sprachmodus eignet sich dazu, ein wichtiges Pitch-Meeting zu üben, zwischen mehreren Angeboten zu entscheiden, den eigenen Prozess laut zu überprüfen oder neue Ideen zu sammeln“, schrieb Anthropic in einem Blogbeitrag.
Mit dem Update unterstützt der Sprachmodus jetzt Claude Opus, Sonnet und Haiku. Nutzer können während eines laufenden Gesprächs zwischen den Modellen wechseln. Der Sprachmodus startet automatisch mit demselben Modell, das sie zuletzt im Text-Chat verwendet haben.
Anthropic zufolge sind die leistungsfähigeren Modelle darauf ausgelegt, Rückfragen zu stellen und Nutzern dabei zu helfen, Probleme zu durchdenken, statt einfach nur Antworten zu liefern. Sprachgespräche bleiben zugbasiert: Claude hört zu, pausiert zur Verarbeitung und antwortet anschließend.
Das Unternehmen hat den Sprachmodus außerdem über reine Gespräche hinaus erweitert und ihm die Arbeit mit angebundenen Diensten wie Gmail, Google Calendar, Google Docs, Slack und Canva ermöglicht. Nach Erteilung der entsprechenden Berechtigungen können Nutzer Claude bitten, E-Mails zusammenzufassen, Antwortentwürfe zu verfassen, Termine zu verschieben oder mithilfe dieser angebundenen Apps Dokumente zu erstellen.
Die Funktion ist auf Mobilgeräten, Desktop und im Web als Beta-Version verfügbar. Kostenlose Nutzer haben Zugriff auf Haiku, ein angebundenes Tool und alle unterstützten Sprachen. Zahlende Abonnenten erhalten Zugriff auf Opus, Sonnet und mehrere angebundene Tools.
Mehr Sprachen, aber mit einer Einschränkung
Anthropic hat außerdem die mehrsprachige Unterstützung im Sprachmodus ausgebaut. Nutzer können sich jetzt auf Englisch, Französisch, Deutsch, Hindi, Indonesisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, brasilianischem Portugiesisch sowie lateinamerikanischem und europäischem Spanisch mit Claude unterhalten.
Claude erkennt Wechsel der Sprache jedoch nicht automatisch. Nutzer müssen entweder in den Einstellungen ihre bevorzugte Sprache auswählen oder Claude während des Gesprächs bitten, die Sprache zu wechseln. Das Unternehmen erklärte, dass der Sprachmodus innerhalb desselben Gesprächs einen Wechsel zwischen Spracheingabe und Text ermöglicht, ohne den Kontext zu verlieren.
Ein anderer Kurs als OpenAI
Die neueste Veröffentlichung kommt nur wenige Wochen nachdem OpenAI die Sprachfunktionen von ChatGPT überarbeitet hat und dabei stärker auf Konversation ausgelegte Modelle eingeführt hat.
Im Gegensatz zu OpenAIs Ansatz legt Anthropic den Schwerpunkt auf Produktivität, statt Gespräche menschlicher klingen zu lassen. Während sich das neueste Spracherlebnis von ChatGPT auf natürlichere Interaktionen konzentriert, steht bei Claudes Update stärkeres Schlussfolgern und die Möglichkeit im Mittelpunkt, Aufgaben über angebundene Apps zu erledigen.
Das Update verdeutlicht eine zunehmende Spaltung darin, wie KI-Unternehmen Sprachassistenten weiterentwickeln.
OpenAI hat weitgehend darauf gesetzt, Gespräche natürlicher wirken zu lassen, während Anthropic darauf wettet, dass Nutzer Assistenten schätzen werden, die komplexe Probleme durchdenken und Aufgaben in verschiedenen Arbeits-Apps erledigen können.
Für Berufstätige könnte das Sprachinteraktionen im Arbeitsalltag praktischer machen, statt sie hauptsächlich als freihändige Möglichkeit zum Chatten einzusetzen. Der Nachteil ist allerdings, dass sich Gespräche mit Claude weniger flüssig anfühlen könnten als bei Wettbewerbern, die natürliche Sprache und den Umgang mit Unterbrechungen priorisieren.
Da KI-Assistenten immer stärker in Produktivitätssoftware integriert werden, könnte die Fähigkeit, vom Gespräch zur Handlung überzugehen, genauso wichtig werden wie ein menschlicher Klang.
Außerdem lesenswert: Google testet die Live-Sprachsuche in Gmail auf Android und iOS. Dabei können ausgewählte Nutzer in den USA Gemini per Sprache Fragen zu ihrem Posteingang stellen.


