Für die Lagerroboter von Humanoid zeichnet sich nun ein klarerer Weg vom Pilotprojekt zur Produktionslinie ab.
Das britische Robotik-Start-up Humanoid hat nach einem erfolgreichen industriellen Machbarkeitsnachweis (POC) Anfang dieses Jahres eine Fertigungspartnerschaft mit Bosch unterzeichnet, um die Produktion seiner humanoiden Roboter HMND 01 für den europäischen Markt hochzufahren.
Im Mittelpunkt der Vereinbarung steht Humanoids Bestreben, seine Roboter für Logistik- und Fertigungsumgebungenzu kommerzialisieren. Bosch wird als Auftragsfertigungspartner des Unternehmens fungieren und zugleich bei Produktionsplanung, Hardwaredesign, Lieferkettenabläufen und Kostenoptimierung im Rahmen eines von den Unternehmen als Design-for-Excellence-Ansatz bezeichneten Konzepts unterstützen.
Der Partnerschaft gingen im März abgeschlossene Tests in Boschs Logistikanlage im deutschen Bühl voraus, bei denen die Roboter von Humanoid autonom Kartons bewegten und sie in einem laufenden intralogistischen Arbeitsablauf von Fördersystemen auf Transportwagen luden.
Nach Angaben von Humanoid handhabten die Roboter fünf unterschiedlich große Kartons mit variierenden Gewichten und Abmessungen und passten sich dabei wechselnden industriellen Bedingungen an. Das Unternehmen erklärte, dass das Projekt außerdem fortschrittliche Scansysteme, die Koordination mehrerer Förderanlagen und flexible Handhabungsfähigkeiten testete.
Humanoid sieht Versuch als Beleg für Skalierbarkeit
Nach Angaben von Humanoidkoordinierte sein KinetIQ-KI-Framework den Lagerbetrieb und trug dazu bei, zu belegen, dass die Roboter über experimentelle Einsätze hinaus skaliert werden können.
„Für Humanoid ist diese Vereinbarung ein entscheidender Schritt auf unserem Fahrplan, der die Lücke zwischen der Validierung des POC und dem Einsatz in großem Maßstab schließt“, sagte Artem Sokolov, Gründer und CEO von Humanoid.
„Unser Ziel war es immer, den Weg von der Innovation zur Integration in der Praxis zu verkürzen, und diese Vereinbarung spiegelt diesen Ansatz wider. Gemeinsam mit Bosch als starkem strategischem Fertigungspartner wollen wir humanoide Roboter in industrielle Umgebungen bringen, ihren Einsatz ausweiten und die Einführung in Logistik, Fertigung und darüber hinaus beschleunigen“, fügte Sokolov hinzu.
Bosch beschreibt die Partnerschaft als Teil seines Vorstoßes in die Fertigung von Industrierobotern.
„Diese Partnerschaft basiert auf dem gemeinsamen Glauben an das große Potenzial der Robotik in der Industrie“, sagte Peter Svejkovsky, Head of Corporate Intellectual Property.
„Boschs Ziel ist es, die Skalierung der humanoiden Robotik voranzutreiben und dieses Zukunftsfeld weiterzuentwickeln. Mit unserer globalen Produktionsinfrastruktur und umfassender Industrialisierungskompetenz sind wir der perfekte Partner, um den Schritt vom Prototypen zur Serienfertigung zu vollziehen.“
Zwei Roboterdesigns zielen auf industrielle Arbeit ab
Humanoid bietet den HMND 01 derzeit in zwei Varianten an: als zweibeinigen Humanoiden und als größeren mobilen Manipulator auf Rädern.
Die zweibeinige Version ist 5 Fuß 10 Zoll groß, wiegt 198 Pfund und kann sich mit fast 5 Fuß pro Sekunde fortbewegen; ihre Akkulaufzeit beträgt drei Stunden. Das Modell auf Rädern ist mit einer Größe von 7 Fuß 3 Zoll und einem Gewicht von 661 Pfund deutlich größer, bewegt sich schneller und erreicht eine Laufzeit von bis zu vier Stunden.
Beide Systeme sind dafür ausgelegt, Nutzlasten von bis zu 33 Pfund zu tragen und dabei in für menschliche Arbeitskräfte konzipierten Bereichen zu operieren. Nach Angaben von Humanoid laufen die Roboter auf KinetIQ, seiner vierstufigen KI-Orchestrierungsplattform zur Verwaltung von Roboterflotten in industriellen Umgebungen. Das System übernimmt Aufgaben von der Flottenkoordination und Schlussfolgerung bis zur Bewegungssteuerung und Manipulation.
Die Vereinbarung mit Bosch folgt kurz auf Humanoids Ankündigung einer weiteren bedeutenden Industriepartnerschaft mit Schaeffler, das in den kommenden Jahren Tausende der humanoiden Roboter des Unternehmens auf Rädern in Fabriken einsetzen will.
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