OpenAI hat ein umfangreiches Update für seine Desktop-App Codex veröffentlicht und sie von einem Programmierassistenten zu einem umfassenderen KI-Arbeitsbereich ausgebaut, der sich aktiv an alltäglichen Aufgaben auf einem Computer beteiligen kann.
In seiner Ankündigung erklärte das Unternehmen, Ziel sei es, Codex „zu einem leistungsfähigeren Partner für die mehr als 3 Millionen Entwickler zu machen, die ihn jede Woche nutzen, um ihre Arbeit über den gesamten Lebenszyklus der Softwareentwicklung hinweg zu beschleunigen.“ Das Update führt neue Funktionen ein, mit denen das Tool über das Programmieren hinausgehen kann und allgemeine Produktivität, kreative Arbeit und lang laufende Automatisierung abdeckt.
Die beeindruckendste neue Funktion ist die „Computernutzung“. Anders als herkömmliche Software, die für die Kommunikation mit anderen Apps eine API benötigt, kann Codex jetzt den Bildschirm sehen und mit Apps interagieren, genau wie ein Mensch.
„Mit der Computernutzung im Hintergrund kann Codex jetzt alle Apps auf deinem Computer verwenden, indem es mit seinem eigenen Cursor sieht, klickt und tippt“, schrieb das Unternehmen.
Parallele Agents und Abläufe im Hintergrund
Entscheidend ist, dass es sich hierbei nicht bloß um einen Bot für Bildschirmaufzeichnungen handelt. OpenAI weist darauf hin: „Mehrere Agents können parallel auf deinem Mac arbeiten, ohne deine eigene Arbeit in anderen Apps zu beeinträchtigen.“ Das bedeutet, dass du eine E-Mail schreiben könntest, während Codex im Hintergrund, eine Website testet oder deine Dateien organisiert.
Auch wenn sich das Tool weiterhin an die 3 Millionen Entwickler richtet, die es wöchentlich nutzen, weist die Roadmap eindeutig in Richtung einer allgemeineren Verbraucher-„Super-App“. Das ist nicht bloß Spekulation von Branchenbeobachtern; auch OpenAIs eigenes Team spricht sich über diese Strategie erstaunlich offen aus.
In einem Medienbriefing erklärte der Codex-Leiter Thibault Sottiaux: „Wir tun tatsächlich das Hinterhältige, indem wir die Super-App offen aufbauen und sie aus Codex heraus weiterentwickeln“, laut Ars Technica.
Um diese Entwicklung zu unterstützen, umfasst das Update einen In-App-Browser, mit dem Nutzer direkt auf Webseiten Kommentare hinterlassen können, um die KI anzuweisen. Außerdem ist gpt-image-1.5 integriert, sodass die App innerhalb desselben Arbeitsbereichs Grafiken für Mock-ups oder Spiele erstellen und weiterentwickeln kann.
Persistenz und Gedächtnis
Damit sich die KI für Nutzer hilfreicher anfühlt, hat OpenAI „Gedächtnis“ und zeitgesteuerte Aufgaben ergänzt. Codex kann sich jetzt deine persönlichen Präferenzen und frühere Korrekturen merken. Außerdem kann es Aufgaben für sich selbst planen und Tage später aufwachen, um eine langfristige Aufgabe abzuschließen.
Wenn du deinen Tag beginnst, schlägt Codex möglicherweise proaktiv vor, womit du anfangen solltest. Beispielsweise kann es Kommentare in Google Docs prüfen, Kontext aus Slack und Notion abrufen und dir eine priorisierte To-do-Liste übergeben.
Das Update wird jetzt für Codex-Desktop-Nutzer ausgerollt, die mit ChatGPT angemeldet sind. Personalisierungsfunktionen wie Gedächtnis und kontextbezogene Vorschläge werden Enterprise-, Education- sowie Nutzern in der EU und im Vereinigten Königreich bald zur Verfügung stehen. Die Computernutzung ist derzeit nur unter macOS verfügbar; der Rollout in der EU und im Vereinigten Königreich folgt.
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