Anthropic bringt den „Figma-Killer“ heraus, während Canva voll auf KI setzt
Auf der Canva Create in der vergangenen Woche sagte COO Cliff Obrecht zu 265 Millionen Nutzern: „Bisher war Canva eine Designplattform mit KI-Tools. Jetzt werden wir zu einer KI-Plattform mit Design-Tools.“
Canva AI 2.0 kam zeitgleich mit dieser Ansprache auf den Markt: Beschreibe ein 12-seitiges Marokko-Planungsdeck in einfachem Englisch und erhalte bearbeitbare Vektoren zurück. Am selben Tag trat Anthropic-CPO Mike Krieger aus dem Figma-Verwaltungsrat zurück – kurz bevor Anthropic konkurrierende Designsoftware veröffentlichte. Die Figma-Aktie erlebte keinen besonders guten Nachmittag.
Was also ist Anthropics sogenannter „Figma-Killer“? Claude Design, das am vergangenen Freitag an den Start ging und von den visuellen Fähigkeiten von Opus 4.7 angetrieben wird. Das Unternehmen präsentierte es als Möglichkeit, gemeinsam mit Claude an hochwertigen visuellen Arbeiten zu arbeiten – so, wie man Claude bereits für Code nutzt.
Hier sind die Details
- Claude Design ist für Pro-, Max-, Team- und Enterprise-Nutzer unter claude.ai/design.
- Drei Funktionen stechen hervor: Das Tool liest deine Codebasis ein, um ein dauerhaftes Designsystem aufzubauen, übernimmt Elemente von jeder aktiven Website und bündelt fertige Designs als Übergabepaket für Claude Code.
- Exporte sind nach Canva, als PDF, PPTX, eigenständiges HTML oder an eine private Unternehmens-URL möglich.
- Adobe, Wix und – ja, die arme Figma – verzeichneten nach dieser Nachricht allesamt Kursverluste.
Warum das wichtig ist
Entwickler probieren das Tool bereits aus und protzen damit auf X:
- Ran Segall entwickelte eine Homeschooling-App, die er als zehnmal besser als Lovable oder Replit bezeichnete.
- Jerrod Lew stellte ein persönliches Dashboard-Betriebssystem mit zwei Prompts zusammen.
- Der Anthropic-Designer Ryan Mather veröffentlichte einen Leitfaden mit 7 Tipps, der bisher die beste Anleitung ist.
- Sogar der CEO von Canva lobte die Integration zum Start!
Doch die Reaktion in r/ClaudeAI fiel eher in die Kategorie „durchschlagendes Meh“. Ihre Bedenken kurz zusammengefasst:
- Jede generierte App sieht identisch aus – bis hin zur Serifenschrift, dem blinkenden Statuspunkt, farbigen Akzentleisten und der von einem Kommentator so bezeichneten „Container-Suppe“ aus Pillen und Karten.
- Die Nutzer fanden heraus, dass Claude Design auf Claudes integrierte Frontend-Design-Fähigkeit und eine Handvoll Standardvorlagen zurückgreift.
- Wenn du keine Referenz-Screenshots oder deine eigenen Designtokens hochlädst, schreit das Ergebnis geradezu: „Ich habe soeben nur einen Claude-Prompt verwendet.“
- Ein Kommentator wies außerdem darauf hin, dass zwei bis drei vollständige Prompts die wöchentlichen Pro-Limits ausschöpfen können – was zur umfassenderen Geschichte der Compute-Rationierung in dieser Woche passt.
Unsere Einschätzung
Das Problem mit der Türkis-Ästhetik ist ein Vorgeschmack auf das größere Claude-Problem, das an diesem Wochenende eskalierte. Der Backlash-Thread zu Opus 4.7 in r/ClaudeCode (1,7 Tsd. Upvotes, genannt „Gaslightus 4.7“) berichtet davon, dass das Modell Dateien erfindet, über 10 Runden hinweg halluzinierte Testergebnisse verteidigt und harmlose PowerPoint-Vorlagen zwanghaft auf Malware überprüft. Bei der Evaluation eines Nutzers blieb das Ergebnis 17/29 hängen, während Opus weiter neue Gründe erfand, warum es recht hatte.
Anthropic hat also in derselben Woche ein Designtool und ein Frontier-Modell veröffentlicht; in beide sind dieselben meinungsstarken Standardeinstellungen eingebaut. Wir sprechen hier allerdings über Anthropic. Das Unternehmen ist wohl der meinungsstärkste KI-Anbieter überhaupt. Was hast du also erwartet? Was das Modell betrifft, sind bald einige Updates zu erwarten, die einige dieser Probleme möglichst schnell beheben. Falls nicht … könnte das neu überarbeitete Codex mit Claudes letzten verbliebenen, treu ergebenen Entwicklern kurzen Prozess machen … Wie das Meme sagt: 4.8 wen??
Anmerkung der Redaktion: Dieser Inhalt erschien ursprünglich im Newsletter unseres Schwesterpublikation, The Neuron. Um mehr von The Neuron zu lesen, melde dich hier für den Newsletter an.

