AMD hat einen der größten in diesem Jahr angekündigten KI-Infrastrukturdeals an Land gezogen. Das Unternehmen sicherte sich eine Vereinbarung zur Lieferung von KI-Servern an Anthropic, die Berichten zufolge Dutzende Milliarden US-Dollar wert ist, und plant zugleich, bis zu 5 Milliarden US-Dollar in den Claude-Entwickler zu investieren.
Im Rahmen der mehrjährigen Partnerschaft wird Anthropic bis zu 2 Gigawatt GPUs der AMD Instinct MI450 Series in AMDs Helios-Racksystemen einsetzen. Das erste Gigawatt soll voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2027 in Betrieb gehen. Reuters berichtete, dass die Serververeinbarung Dutzende Milliarden US-Dollar wert sei, obwohl keines der beiden Unternehmen einen finanziellen Wert nannte.
Die Partnerschaft geht über den Chipverkauf hinaus. Die Unternehmen werden über mehrere Jahre zusammenarbeiten, um Claude für AMD-Instinct-GPUs zu optimieren und die Entwicklung der AMD-Softwareplattform ROCm zu beschleunigen. AMD plant außerdem, Claude in seinen Entwicklungsabteilungen einzusetzen und in seinen Produktentwicklungsteams.
Anthropic betreibt bereits Workloads auf Nvidia-GPUs, den TPUs von Google und Amazons Trainium-Chips. Die Einbindung von AMD erweitert den Hardware-Mix des Unternehmens, während die Nachfrage nach Claude weiter wächst. Laut Reuters, wird Anthropic einige der neuen Systeme in seinen eigenen Rechenzentren einsetzen und über Cloud-Anbieter auf zusätzliche Kapazitäten zugreifen. So kann das Unternehmen die nötige Rechenleistung zum Trainieren und Ausführen künftiger KI-Modelle sichern.
Eine größere Herausforderung für Nvidia
Der Deal stärkt AMDs Position auf dem KI-Infrastrukturmarkt, auf dem Nvidia weiterhin der dominante Anbieter ist. Nvidia kontrolliert nach wie vor den mit Abstand größten Teil des Marktes für KI-Beschleuniger, doch AMD hat sich bei führenden KI-Entwicklern kontinuierlich größere Aufträge gesichert.
Branchenanalysten sehen die Vereinbarung als weiteres Zeichen dafür, dass große KI-Unternehmen ihre Hardwareanbieter diversifizieren wollen, statt sich auf einen einzigen Anbieter zu verlassen. Reuters zitierte den Emarketer-Analysten Jacob Bourne mit der Aussage, der Erfolg stärke AMDs Position als Nvidias engster Wettbewerber bei KI-Beschleunigern.
Die Vereinbarung folgt außerdem AMDs zuvor angekündigter mehrjähriger Partnerschaft mit OpenAI, was die Strategie des Unternehmens unterstreicht, sich durch langfristige Infrastrukturzusagen große KI-Kunden zu sichern.
Das größere Bild
Die Vereinbarung zwischen AMD und Anthropic zeigt, dass KI-Unternehmen zunehmend langfristige Infrastrukturdeals Jahre vor der Inbetriebnahme der Hardware unterzeichnen. Der Aufbau von KI-Systemen im Gigawattmaßstab erfordert frühzeitige Planung, umfangreiche Finanzierung und Partnerschaften zwischen Chipherstellern, Cloud-Anbietern und Rechenzentrumsbetreibern.
Für AMD verleiht die Gewinnung eines weiteren KI-Kunden im Hyperscale-Bereich den Bemühungen zusätzlichen Schwung, an Nvidias Dominanz zu rütteln. Für Anthropic verringert die Vereinbarung das Risiko, dass begrenzte Rechenkapazitäten das Wachstum von Claude bremsen könnten, während die Akzeptanz in Unternehmen weiter zunimmt.
Die Strategie bringt jedoch auch Zielkonflikte mit sich. Massive KI-Infrastrukturprojekte erfordern Kapital in Milliardenhöhe, hängen vom künftigen Bau von Rechenzentren ab und stehen unter zunehmender Beobachtung wegen ihres Stromverbrauchs sowie wegen der Bedenken von Gemeinden im Zusammenhang mit großen Rechenzentren. Diese Faktoren könnten beeinflussen, wie schnell diese ehrgeizigen Ausbaupläne Realität werden.
Ob die gesamte geplante Kapazität termingerecht in Betrieb geht, wird von der Chipproduktion, dem Bau von Rechenzentren, der Verfügbarkeit von Strom und der anhaltenden Nachfrage nach KI-Diensten abhängen. Die Vereinbarung unterstreicht jedoch einen größeren Wandel in der Branche: Langfristige Rechenkapazitäten zu sichern, wird ebenso wichtig wie der Bau der nächsten Generation von KI-Modellen.
Weitere Nachrichten: SpaceX könnte schon bald mehr tun, als Raketen zu starten. Das Unternehmen befindet sich Berichten zufolge in Gesprächen, um das Pentagon mit KI-Rechenleistung zu versorgen.

