Chinas nächste Erwerbsbevölkerung könnte mit Batterien, Sensoren und zwei mechanischen Beinen daherkommen.
Ein neuer Bericht von Barclays kommt zu dem Schluss, dass humanoide Roboter China dabei helfen könnten, bis 2035 bis zu 60 % des prognostizierten Rückgangs der Erwerbsbevölkerung auszugleichen, während das Land mit einer rapide alternden Bevölkerung und sinkenden Geburtenraten zu kämpfen hat. Das Institut schätzt, dass Chinas Erwerbsbevölkerung in den kommenden zehn Jahren um rund 37 Millionen Menschen schrumpfen könnte, wenn die Erwerbsquote bei etwa 65 % bleibt.
Die Bank warnte, dass ein solcher Rückgang den riesigen Fertigungssektor, der rund ein Viertel der Wirtschaftsleistung ausmacht, unter Druck setzen würde.
In dem von Barclays als optimistisch bezeichneten Szenario könnte China bis 2035 bis zu 24 Millionen humanoide Roboter einsetzen. Das entspräche knapp 4 % der Erwerbsbevölkerung des Landes.
Das „Jahrzehnt der Roboter“
Barclays bezeichnete die kommenden Jahre als „Jahrzehnt der Roboter“ und argumentierte, dass humanoide Maschinen über die Forschungslabore hinausgehen und dank Fortschritten bei künstlicher Intelligenz, Bewegungssteuerung und Batterietechnologie in der realen Wirtschaft zum Einsatz kommen.
Die Bank erwartet, dass sich die ersten Einsätze auf repetitive industrielle Tätigkeiten in Lagern, Logistikzentren und Fabriken konzentrieren, bevor humanoide Roboter in den 2030er-Jahren auch in Dienstleistungsbranchen und sogar in Privathaushalten eingesetzt werden.
„Humanoide Roboter könnten helfen, Arbeitskräftelücken in wichtigen Sektoren wie der Landwirtschaft und dem Gesundheitswesen zu schließen, wo alternde Bevölkerungen, Urbanisierung und veränderte Arbeitspräferenzen die Risiken eines Arbeitskräftemangels im kommenden Jahrzehnt weiter verschärfen dürften“, sagte Barclays.
In dem Bericht wurde außerdem argumentiert, dass sich humanoide Roboter von der herkömmlichen industriellen Automatisierung unterscheiden, weil sie dafür entwickelt sind, in bereits für Menschen ausgelegten Umgebungen zu arbeiten. Unternehmen müssten Fabriken, Büros oder Wohnungen daher möglicherweise nicht umgestalten, um sie einzusetzen.
Barclays zufolge dominiert China den Robotiksektor bereits und war im vergangenen Jahr für 85 % der Installationen humanoider Roboter verantwortlich. Die Bank glaubt, dass dieser Vorsprung noch größer werden könnte, wenn das Land seine Investitionen in Automatisierung und KI hochfährt.
Peking treibt Automatisierungsstrategie voran
Der Bericht erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem Peking zunehmend auf fortschrittliche Fertigung und Automatisierung setzt, um das Wirtschaftswachstum zu stützen. Die chinesische Regierung hat wiederholt die Bedeutung von Investitionen in Wissenschaft und Technologie betont, darunter Robotik und KI, als zentrale Säulen von Chinas künftiger Wirtschaft.
Chinas demografische Lage verschlechtert sich weiter. Das Land verzeichnete 2025 die niedrigste Zahl an Geburten seit mindestens 1949. Auch der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ist kontinuierlich zurückgegangen – von mehr als 70 % vor einem Jahrzehnt auf inzwischen rund 61 % der Gesamtbevölkerung, wie Bloomberg berichtet. Das Verhältnis zwischen Bürgern im erwerbsfähigen Alter und Menschen über 65 Jahren dürfte sich in den kommenden zwei Jahrzehnten ebenfalls halbieren.
Die Bank glaubt, dass physische KI, darunter humanoide Roboter, autonome Fahrzeuge und Drohnen, die Arbeitsmärkte, die Produktivität und sogar die Inflation langfristig umgestalten könnte.
Christian Keller, Global Head of Economic Research bei Barclays, argumentierte, dass humanoide Roboter möglicherweise Aufgaben automatisieren können, die frühere Maschinengenerationen nicht bewältigen konnten, und dadurch womöglich verändern, wie Volkswirtschaften wachsen.
Der Bericht wies außerdem die Befürchtung zurück, dass Roboter Arbeitsplätze einfach dauerhaft vernichten werden. Barclays stellte fest, dass mehr als 60 % der 2018 existierenden Arbeitsplätze 1940 noch nicht existierten – ein Hinweis darauf, dass neben der Automatisierung neue Formen von Arbeit entstehen könnten.
Gleichzeitig argumentierte die Bank, dass Länder mit alternden Bevölkerungen, darunter China, Japan und Teile Europas, zunehmend auf Robotik angewiesen sein könnten, um die Wirtschaftsleistung aufrechtzuerhalten, während die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter sinkt.
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