25 Jahre lang habt ihr die Google-Suche auf dieselbe Weise verwendet. Ihr gebt etwas ein, bekommt eine Liste mit Links und klickt auf einen davon.
Diese Ära ist gerade zu Ende gegangen.
Auf der Google I/O im vergangenen Monat kündigte das Unternehmen an, das traditionelle Suchfeld durch eine dialogorientierte KI-Suchmaschine zu ersetzen. Statt einer Liste mit Links liefert Google nun zunächst KI-generierte Antworten, ergänzt um integrierte Anschlussfragen. Google nennt das „das größte Upgrade der Suche seit mehr als 25 Jahren“.
Nicht alle sind begeistert.
Was passiert ist
- DuckDuckGo verzeichnete einen sprunghaften Anstieg der US-App-Installationen um durchschnittlich 18 % im Wochenvergleich nach Googles Ankündigung, mit einem Spitzenwert von 30 % Wachstum am Memorial Day
- Bei den iPhone-Installationen fiel der Anstieg sogar noch stärker aus: durchschnittlich 33 % Wachstum, mit einem eintägigen Spitzenwert von fast 70 %
- Der Traffic auf DuckDuckGos KI-freier Suchseite (noai.duckduckgo.com) stieg im selben Zeitraum um 22,7 %
- DuckDuckGo-CEO Gabriel Weinberg brachte es auf den Punkt: „Google zwingt den Nutzern KI auf, ohne Möglichkeit, sie abzuwählen. Die Ergebnisse werden schlechter, nicht besser.“
DuckDuckGo war nicht der einzige Dienst, der Abtrünnige aufnahm. Auch Brave Search und Kagi verzeichneten einen Traffic-Zuwachs im selben Zeitraum. Sogar Bing ist weltweit still und leise von 2,8 % auf fast 5 % Marktanteil gewachsen seit 2023, teilweise dank der Integration von Copilot. Das Muster ist überall dasselbe: Nutzer, die sich von Google bevormundet fühlen, sehen sich zumindest nach Alternativen um.
Warum das wichtig ist
Um die Erwartungen einzuordnen: Google hält rund 90 % des weltweiten Suchmarkts.
DuckDuckGo kommt in den USA auf etwa 2 % und verarbeitet täglich rund 100–145 Millionen Suchanfragen – gegenüber 8,5 Milliarden bei Google. Ein Installationssprung von 70 % ist in einem sehr kleinen Raum ein unüberhörbares Signal.
Google ging auf die Kritik nicht direkt ein. Stattdessen verwies ein Sprecher auf den I/O-Blogpost von Search-VP Elizabeth Reid, in dem es heißt, der KI-Modus habe inzwischen 1 Milliarde monatliche Nutzer und die Zahl der Suchanfragen verdopple sich jedes Quartal. Reids Darstellung zufolge handelt es sich nicht um einen erzwungenen Übergang, sondern um Nutzer, die sich aus eigenem Antrieb für die KI-Suche entscheiden. Außerdem wies Google darauf hin, dass es bereits einen „Web“-Filter für alle anbietet, die schlichte Ergebnisse ohne KI wünschen.
Die Ironie? Auch DuckDuckGo bietet KI-Funktionen. Sie lassen sich nur per Schalter deaktivieren. Ruft noai.duckduckgo.com auf, und ihr bekommt das Internet-Erlebnis von 2005 – ohne jede Spur von KI.
Unsere Einschätzung
Beides kann gleichzeitig wahr sein. Googles KI-Suche ist in großem Maßstab tatsächlich beliebt, und ein beträchtlicher Teil der Nutzer hasst, was aus ihr geworden ist. Der Streit dreht sich nicht darum, ob KI in die Suche gehört. Es geht darum, wer entscheiden darf, wie viel davon es sein soll. Googles Antwort lautet: wir entscheiden. DuckDuckGos Antwort lautet: du entscheidest.
Betrachtet es als zwei Trauerfeiern für die Suche, wie wir sie kannten. Die erste fand statt, als Anzeigen auftauchten und aus einer ehrlichen Linkliste ein kommerzielles Schlachtfeld machten; plötzlich bestand die halbe Seite aus Inhalten von jemandem, der dafür bezahlte, dort zu sein. Die zweite findet gerade statt. KI schiebt euch nicht einfach nur Anzeigen unter; sie überspringt die Links vollständig und reicht euch eine vorgekauten Antwort. Ihr sucht nicht mehr. Ihr wartet.
Der Aufschwung von DuckDuckGo zeigt, dass die Menschen erkennen, wie sehr sie den eigentlichen Vorgang des Suchens vermissen. Doch diese Version der Suche ist schon seit einiger Zeit verschwunden. Die KI hat gerade den zweiten Trauergottesdienst abgehalten.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Inhalt erschien ursprünglich im Newsletter unserer Schwesterpublikation The Neuron. Weitere Beiträge von The Neuron findet ihr, indem ihr hier den Newsletter abonniert.

