Der weltweite Wettlauf um die Energieversorgung von KI hat das einst unscheinbare Rechenzentrum zur begehrtesten Immobilie der Welt gemacht.
Die weltweiten Investitionen in Rechenzentren stiegen 2025 auf mehr als 61 Mrd. US-Dollar und erreichten damit einen neuen Höchststand, während Unternehmen um die Unterstützung der rasant wachsenden KI-Workloads wetteifern. Das geht aus Daten von S&P Global Market Intelligence hervor, über die zuerst CNBC berichtete.
Die Zahl übertrifft bereits den Gesamtwert für 2024 und unterstreicht, wie zentral Rechenzentren für den KI-Boom geworden sind. In den ersten elf Monaten des Jahres wurden mehr als 100 Transaktionen verzeichnet, darunter Fusionen, Anlagenverkäufe und Eigenkapitalinvestitionen.
S&P Global bezeichnete den Trend als „globalen Bauboom“, der durch den enormen Rechen- und Energiebedarf generativer KI-Systeme angetrieben wird.
KI-Nachfrage treibt Bauboom an
Im Zentrum dieser Ausgabenwelle steht die KI. Von großen Sprachmodellen bis hin zu Bild- und Videogenerierungstools benötigen Unternehmen enorme Rechenkapazitäten – und diese Rechenleistung steckt in Rechenzentren.
Der S&P-Global-Analyst Iuri Struta merkte an, dass Investoren, die keine Anlagen zum Kauf finden, zunehmend auf einen Neubau von Grund auf setzen. „Da sie nichts kaufen können, wenden sich viele Investoren Neubauten zu“, schrieb Struta.
Das Forschungsunternehmen erwartet, dass die weltweite Rechenzentrumskapazität in den kommenden fünf Jahren schneller wachsen wird als in den vergangenen fünf Jahren – vor allem, weil KI-Workloads deutlich mehr Energie und Rechenressourcen verbrauchen als herkömmliche Cloud-Dienste.
USA ziehen davon, Naher Osten holt auf
Die USA bleiben das wichtigste Ziel für Investitionen in Rechenzentren, gefolgt von der Region Asien-Pazifik. Seit 2019 summierten sich die Transaktionen in den USA und Kanada auf rund 160 Mrd. US-Dollar – deutlich mehr als in Europa und im Asien-Pazifik-Raum.
Zu den größten Beiträgen in diesem Jahr gehörte die Übernahme von Aligned Data Centers für 40 Mrd. US-Dollar, an der Private-Equity-Firmen und führende KI-Akteure.
beteiligt waren. Europa wächst unterdessen langsamer. „In Europa dürfte der Ausbau von Rechenzentren langsamer voranschreiten als in anderen Regionen. Ob dies angesichts der Knappheit an Anlagen zu einem M&A-Boom führt, bleibt jedoch abzuwarten“, sagte Struta gegenüber CNBC.
Auch im Nahen Osten beschleunigt sich das Wachstum. Die Golfstaaten investieren massiv, um sich als künftige KI-Zentren zu positionieren.
Schulden spielen eine größere Rolle
Ein wesentliches Merkmal des Booms von 2025 ist seine Finanzierung. Laut S&P Global hat sich die Schuldtitelemission in diesem Jahr nahezu verdoppelt und rund 182 Mrd. US-Dollar erreicht, da Hyperscaler zunehmend auf externes Kapital zurückgreifen, anstatt Projekte vollständig aus der eigenen Bilanz zu finanzieren.
Unternehmen wie Meta, Google und Amazon gehörten zu den aktivsten Kreditnehmern. Allein Meta hat seit 2022 Schulden in Höhe von 62 Mrd. US-Dollar aufgenommen, fast die Hälfte davon in diesem Jahr. Dieser Ansatz hat bei einigen Investoren Bedenken ausgelöst, insbesondere angesichts der Fragen zu KI-Bewertungen und langfristigen Renditen.
Mit KI verbundene Aktien waren im November volatil, da Befürchtungen vor übermäßigen Ausgaben und einer möglichen Blase aufkamen. Analysten zufolge dürfte der Rückgang die Expansion von Rechenzentren dennoch nicht ausbremsen.
„Insgesamt erwarten wir, dass die Nachfrage nach KI-Anwendungen 2026 weiterhin stark wachsen wird“, sagte Struta gegenüber CNBC. Auch ING rechnet damit, dass die Investitionen im kommenden Jahr robust bleiben. Als Gründe nennt die Bank langfristige digitale Trends sowie die anhaltende öffentliche und private Unterstützung für KI-Infrastruktur, wie CNBC berichtete.
Trotz Fragen zu Kosten, Stromversorgung und langfristigen Renditen erwarten Analysten, dass die Investitionen in Rechenzentren auch im kommenden Jahr auf hohem Niveau bleiben. Da KI-Workloads wachsen und weiterhin neue Anlagen ans Netz gehen, gibt es in der Branche kaum Anzeichen für eine Abkühlung – selbst wenn die Kritik an Finanzierung und Energieverbrauch lauter wird.
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