Google platziert inzwischen Anzeigen in Unterhaltungen mit KI-Chatbots von Drittanbietern – ein deutlicher Wandel darin, wie der Suchmaschinenriese künstliche Intelligenz monetarisiert. Dieser Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem KI-gestützte Suchwerkzeuge wie OpenAIs ChatGPT und Perplexity weiter an Bedeutung gewinnen und Googles langjährige Dominanz bei der Onlinesuche bedrohen.
Laut einem Bericht von Bloomberg wurde Googles AdSense for Search, das traditionell Anzeigen auf Websites und in Suchergebnissen einblendet, um Chatbot-Interaktionen erweitert. Das Unternehmen hat bereits Tests mit KI-Start-ups wie iAsk und Liner durchgeführt und weitet die Einführung nun aus.
Ein Google-Sprecher bestätigte die Entwicklung gegenüber Bloomberg mit den Worten: „AdSense for Search steht Websites zur Verfügung, die in ihren dialogorientierten KI-Angeboten relevante Anzeigen anzeigen möchten.“
Während Googles Gemini chatbot vorerst noch werbefrei bleibt, zeigt dieser jüngste Schritt, wie ernsthaft sich das Unternehmen auf eine Zukunft vorbereitet, in der sich die Menschen weniger auf die herkömmliche Suche und stärker auf dialogorientierte KI verlassen.
KI-Chats sind das neue Neuland
Da KI-Tools wie OpenAIs ChatGPT und Perplexity immer beliebter werden, stellen sie eine direkte Herausforderung für Googles Suchgeschäft dar. Da Suchanzeigen Google 2024 mehr als 198 Milliarden US-Dollar einbrachten – fast 60 % des Umsatzes von Alphabet –, steht viel auf dem Spiel.
„Größere Transparenz darüber, was funktioniert“, sei entscheidend für den Erfolg, sagte Tomasz Tunguz, General Partner bei Theory Ventures, gegenüber Bloomberg. „Feedbackschleifen sind unglaublich wichtig.“
Indem Google Anzeigen in Chatbot-Unterhaltungen einbettet, baut das Unternehmen ein Sicherheitsnetz auf: Selbst wenn es einen Teil der Kontrolle darüber verliert, wie Menschen suchen, muss es nicht zwangsläufig auch die damit verbundenen Gewinne verlieren.
So funktionieren die Anzeigen
In der Praxis erscheinen die Anzeigen als Teil der Chat-Oberfläche. Das KI-Start-up iAsk platziert beispielsweise Anzeigen unter seinen KI-generierten Antworten, gefolgt von einer Aufforderung, eine Anschlussfrage zu stellen. Liner, ein weiteres bei Studierenden beliebtes KI-Suchwerkzeug, zeigt eine ausgewählte Anzahl von Anzeigen an, die auf die Suchanfrage des Nutzers zugeschnitten sind.
„Eher wie eine sehr frühe Version von Google-Suchanzeigen“ – so beschrieb Liner-CEO Luke Jinu Kim das Angebot gegenüber Bloomberg. Er fügte hinzu, dass längere, rechercheintensive Suchanfragen Werbetreibenden bessere Chancen bieten, die richtige Zielgruppe zu erreichen, selbst wenn Nutzer von KI-Chat-Tools im Allgemeinen auf weniger Links klicken.
KI um jeden Preis monetarisieren
Generative KI ist bekanntermaßen teuer im Betrieb. Milliarden werden für KI-Chips und Cloud-Infrastruktur ausgegeben, und bislang hat noch keines der großen Unternehmen – auch Google und OpenAI nicht – vollständig herausgefunden, wie sich die Technologie profitabel machen lässt.
Google hat begonnen, kostenpflichtige Angebote zu testen, darunter ein „Gemini Ultra“-Abonnement, wie Ars Technica berichtet. Anzeigen könnten jedoch eine unmittelbarere Möglichkeit bieten, die Kosten zu decken – insbesondere bei den kostenlosen Versionen dieser Tools.
Google ist damit nicht allein. Auch andere Start-ups – darunter Koah Labs und Perplexity – experimentieren mit werbebasierten Modellen. Perplexity ermöglicht Marken beispielsweise, Anschlussfragen in der Chat-Oberfläche zu sponsern. Ob Nutzer diese Form der Monetarisierung annehmen oder als unerwünschtes Eindringen betrachten werden, bleibt ungewiss.

