In ganz China werden humanoide Roboter inzwischen in spezialisierte Trainingseinrichtungen geschickt, die sie in großem Maßstab auf die Arbeit in der realen Welt vorbereiten sollen.
Im Technologiezentrum Zhangjiang in Shanghai bringt ein großes Zentrum mit 5.000 Quadratmetern mehr als 100 Roboter verschiedener Unternehmen zusammen, die dort Seite an Seite trainieren. Die Idee ist einfach, aber ehrgeizig: Maschinen beizubringen, sich in menschlichen Umgebungen zu bewegen und sie dafür wiederholten, strukturierten Übungen alltäglicher Aufgaben auszusetzen.
Diese Einrichtungen sind Teil eines umfassenderen nationalen Vorstoßes zum Aufbau eines einheitlichen Robotik-Ökosystems statt isolierter Entwicklungsprojekte. Der Lehrplan ist ebenfalls praxisnah. Die Roboter werden darauf trainiert, etwa 45 grundlegende Fähigkeiten zu beherrschen, darunter das Falten von Kleidung, das Ordnen von Regalen, das Reinigen von Oberflächen und den präzisen Umgang mit Gegenständen.
Laut einem Bericht von Futura werden diese Aufgaben mehrere hundert Mal pro Tag wiederholt, wobei einige Handlungen unter Aufsicht bis zu 600 Mal täglich ausgeführt werden. Ziel ist es, durch Wiederholung und Korrektur die Bewegungssteuerung und Entscheidungsfindung zu verfeinern.
Gleichzeitig werden die Roboter in einer Vielzahl von Umgebungen eingesetzt, darunter Wohnräume, industrielle Umgebungen und Dienstleistungsszenarien. So sollen sie später in Bereichen wie Fertigung, Gesundheitswesen, Landwirtschaft und Logistik arbeiten können.
Lernen durch Wiederholung statt durch Lesen
In diesen Trainingszentren gibt es weder Lehrbücher noch Prüfungen. Stattdessen lernen die Roboter, indem sie menschliche Bewegungen immer wieder nachahmen.
In einigen Einrichtungen tragen die Trainer Motion-Capture-Ausrüstung oder VR-Headsets, während die Roboter ihre Bewegungen in Echtzeit spiegeln. Ein Trainer beschrieb beispielhaft, wie das System funktioniert:
„Wir tragen VR-Brillen (Virtual Reality) und halten Controller in den Händen. Unsere linke und rechte Hand entsprechen dem linken und rechten Arm des Roboters. Indem wir sie bewegen, lernt er unsere Körperhaltungen. Die Daten werden in die Cloud hochgeladen. Sobald die Daten genehmigt wurden (und einen Datensatz bilden), werden sie auf den Roboter hochgeladen, und er lernt daraus“, sagte Qu Qiongbin, ein Trainer für KI-Roboter, gegenüber Euronews, wie eWeek zuvor berichtete.
Die Roboter wiederholen dieselben Handlungen anschließend Tausende Male – greifen, platzieren, wischen oder falten –, bis die Bewegung zuverlässig funktioniert.
Obwohl Roboter komplexe Gleichungen augenblicklich lösen können, bleiben körperliche Aufgaben wie das Falten von Kleidung oder der Umgang mit weichen Gegenständen überraschend schwierig. Stoff ist besonders anspruchsvoll, weil er seine Form verändert und keine feste Struktur besitzt. Um dieses Problem zu überwinden, setzen Ingenieure auf schonungslose Wiederholung und führen dieselbe Bewegung mitunter Tausende Male auf Hunderten Maschinen aus.
Auf dem Weg zu einem „Superhirn“ für Roboter
Über das Training einzelner Maschinen hinaus besteht die größere Ambition darin, alle gesammelten Daten zu einem gemeinsamen Intelligenzsystem zusammenzuführen.
Futura berichtet, dass die langfristige Vision in der Schaffung eines zentralisierten „Superhirns“ besteht, das Lernerfahrungen verschiedener Robotermodelle und Hersteller bündelt. Dadurch könnten neue Roboter Fähigkeiten sofort übernehmen, anstatt sie von Grund auf zu erlernen.
Chinas Vorstoß in die humanoide Robotikist auch mit der Industriestrategie des Landes verknüpft. Berichten zufolge strebt China eine Produktion im großen Maßstab an. Laut Futura könnten in den kommenden Jahren jährlich bis zu 100.000 humanoide Roboter hergestellt werden.
Diese Roboter sollen in zahlreichen Branchen arbeiten, darunter Fertigung, Gesundheitswesen, Landwirtschaft und Dienstleistungen.
Wenn es China gelingt, das wiederholte Training von Robotern in wiederverwendbare gemeinsame Intelligenz zu verwandeln, könnte die Entwicklung humanoider Roboter weniger wie isolierte Laborarbeit und mehr wie industrielle Infrastruktur wirken. Die offene Frage bleibt, ob diese Maschinen mit der chaotischen, unvorhersehbaren Realität menschlicher Räume ebenso zuverlässig umgehen können wie mit choreografierten Aufgaben in Trainingszentren.
Ebenfalls lesenswert: UBTECH hat Vorbestellungen für die humanoiden Haushaltsroboter UWORLD U1 eröffnet, die im September ausgeliefert werden sollen.

